Gut zwölf Jahre war der Vertreter des Papstes in Deutschland der kroatische Vatikandiplomat Nikola Eterovic. Sein Nachfolger Hubertus van Megen stammt aus den Niederlanden. Er gilt als humorvoll – und spricht Deutsch.
Ludwig Ring-Eifel
(CIC) Hubertus van Megen (64) ist am Donnerstag von Papst Leo XIV. zum neuen Apostolischen Nuntius in Deutschland ernannt worden. Der promovierte Kirchenrechtler war zuletzt Vatikanbotschafter in Kenia. Sobald er vom Bundespräsidenten akkreditiert ist, vertritt er den Heiligen Stuhl diplomatisch in Berlin und fungiert zudem als verlängerter Arm des Papstes in innerkirchlichen Angelegenheiten in Deutschland.
Sein aus Kroatien stammender Vorgänger Nikola Eterovic (75) geht in den Ruhestand. Er hatte seit Dezember 2013 die Apostolische Nuntiatur in Berlin geleitet und in dieser Zeit auch die teils rasanten Umbrüche der katholischen Kirche in Deutschland miterlebt. Unter anderem begleitete Eterovic als Beobachter des Papstes die Vollversammlungen der Bischofskonferenzen und die sechs Versammlungen des Synodalen Wegs mit ihren Reformbeschlüssen.
Da Eterovic in den slawischen und romanischen Sprachen eher zu Hause war als im Deutschen, verfolgte er die mitunter stürmischen Debatten und Abstimmungen der Synodalen meist eher zurückhaltend. Sein Nachfolger van Megen hätte dieses Handicap nicht. Er stammt aus dem heute zur Stadt Kerkrade gehörenden Ort Eygelshoven in der überwiegend katholischen Provinz Limburg, wo ein dem Deutschen verwandter Dialekt gesprochen wird.
1987 empfing van Megen im Bistum Roermond die Priesterweihe – genau wie 18 weitere Männer in den Niederlanden. In Deutschland waren es damals noch 259. Die Zahl der Neupriester in Deutschland ist inzwischen auf ein Zehntel geschrumpft, die Zahl der Weihen in den Niederlanden bewegt sich schon lange im einstelligen Bereich. Dabei ist van Megens Heimatbistum Roermond mit etwa einer Million Katholiken nach wie vor die Hochburg der Katholiken in den stark säkularisierten Niederlanden.
Den aus einer einstigen Bergbauregion – die letzte Zeche wurde 1974 dicht gemacht – stammenden van Megen zog es früh in die Ferne. In Rom trat er 1994 in den Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Er arbeitete als Nuntiatur-Sekretär an so unterschiedlichen Orten wie Somalia, Brasilien, Israel und der Slowakei.
Nach einem Zwischenschritt als Nuntiaturrat an der Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf verbrachte er seit
2010 die längste Zeit seiner Diplomatenlaufbahn in Afrika: erst in Malawi, dann im Sudan und in Eritrea und schliesslich seit 2019 in Kenia und im Südsudan. Zudem war er Ständiger Beobachter bei den in Nairobi ansässigen UN-Organisationen.
Menschen, die ihn aus früheren Jahren kennen, schildern ihn als humorvollen, geistreichen und wortgewandten Diplomaten. Kirchenpolitisch und theologisch gilt er als ähnlich konservativ wie sein Vorgänger Eterovic.
Eine seiner ersten Bewährungsproben im neuen Amt wird für van der Megen das Ringen zwischen dem Vatikan und den deutschen Bischöfen um die Genehmigung des neuen gemischten Beratungsgremiums namens Synodalkonferenz sein. Darüber wird zwar bislang meist direkt zwischen dem deutschen Bischofskonferenz-Vorsitzenden, seit wenigen Wochen Heiner Wilmer, und dem Chef des vatikanischen Bischofsdikasteriums, Filippo Iannone, verhandelt.
Aber am Ende muss auch der Nuntius einbezogen werden. Wie wichtig der Papstbotschafter als Mittler zwischen Deutschland und dem Vatikan sein kann, war in den 1990er Jahren zu besichtigen. Damals ging es um die kirchliche Schwangerschaftskonfliktberatung, und der damalige Nuntius Giovanni Lajolo machte mit Briefen und genau dosierten Äusserungen Politik.
Ob van Megen ähnlich einflussreich sein wird wie frühere Nuntien in Bonn und Berlin, wird sich bald zeigen. Zunächst einmal wird er bei der Nachbesetzung der freien Bischofsstühle in Eichstätt und Hildesheim eine Rolle spielen. Weitere Bischofssitze folgen, insbesondere in Ostdeutschland.
Die deutschen Bischöfe in ihrer Gesamtheit werden ihn spätestens zu Beginn ihrer Herbstvollversammlung in Fulda kennenlernen. Dann kann er in seinem Grusswort erste inhaltliche Pflöcke einschlagen und zu erkennen geben, wie er theologisch und kirchenpolitisch tickt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/neu-vertritt-ein-niederlaender-den-papst-in-deutschland/