Zwei Vorstandsfrauen des Frauenbunds Schweiz bieten über Zoom «spirituelle Abendstunden» an. Einmal pro Monat ermöglichen Katharina Jost Graf und Iva Boutellier einen religiösen Austausch unter Frauen. Am 16. April heisst das Thema: «Ostern – das Leben wählen». Dabei soll auch die aufständische Kraft im Menschen zur Sprache kommen.
Regula Pfeifer
«Ein Moment zum Durchatmen – in der «Spirituellen Abendstunde» begegnen sich Frauen, die glauben, zweifeln, fragen, suchen – und einfach da sind. Hier verbinden sich Spiritualität und Alltag, Tiefe und Leichtigkeit, Austausch und Stille.» So stellt der Frauenbund Schweiz sein spirituelles Online-Angebot vor.
Am 16. April findet der nächste Austausch dieser Art statt – und zwar zum Thema Ostern und Auferstehung unter dem Motto «Das Leben wählen». Das wird fast zwei Wochen nach dem Osterfest sein. «Auch nach Ostern kann man das österliche Auferstehungsthema weiterhin vertiefen», sagt Katharina Jost Graf. Die katholische Theologin wird die spirituelle Online-Abendstunde leiten.
Die Auferstehung hingegen vor Ostern zu feiern, geht laut Jost nicht. Denn: «In der Karwoche stehen Leiden und Mitleiden im Mittelpunkt. Schon dann Ostern zum Thema zu machen, wäre nicht stimmig». In den Tagen zwischen Palmsonntag und Karfreitag wird in den christlichen Kirchen vom Kreuzweg Jesu und seinem Tod berichtet.
Ostern findet die Theologin eher schwierig zu vermitteln – im Vergleich etwa zur Weihnachtsgeschichte, die von der Geburt Jesu erzählt. «Viele Menschen denken, dass Ostern mit Vertröstung auf die Zeit nach dem Tod zu tun hat.»
Doch im Grunde sei es genau umgekehrt. Es geht «ums Aufstehen ins konkrete Leben und um die aufständische Kraft im Menschen», so Jost. Diese positive Botschaft will sie in die Online-Abendstunde einbringen. «Dem Thema gehen wir mit Texten, Gedankenaustausch und Musik nach.»
Zur Vorbereitung wird die Theologin das Buch «Sich dem Leben in die Arme werfen. Auferstehungserfahrungen» konsultieren, das feministische Theologinnen um Luzia Sutter Rehmann herausgegeben haben. Und auch Texte der bekannten Theologin Dorothee Sölle will sie beiziehen.
«Beim Thema Ostern und Auferstehung würden sich Maria von Magdala und die anderen Frauen am Grab als biblische Frauenfiguren anbieten», sagt Jost. Ob sie am 16. April präsent sein werden, weiss die liturgische Leiterin allerdings noch nicht.
Die spirituellen Abendimpulse finden einmal pro Monat per Zoom statt – jeweils von 20 bis 21 Uhr. Sie werden abwechselnd von Katharina Jost Graf und Iva Boutellier geleitet. Beide Theologinnen sind im Vorstand von Frauenbund Schweiz aktiv, Jost als Co-Präsidentin. An den Anlässen beteiligen sich jeweils 10 bis 20 Frauen aus verschiedenen Orten der Schweiz. Teilweise begegnen sich die Teilnehmerinnen dann auch an Versammlungen des Frauenbund Schweiz wieder, sagt Jost.
Die Idee zu den Abendimpulsen sei nach dem Entscheid für den neuen Namen für den ehemaligen Schweizerischen Katholischen Frauenbund im Mai letzten Jahres entstanden, erzählt Jost. Als sie das «Katholisch» aus dem Namen nahmen und den Claim «überraschend anders katholisch» hinzufügten, hätten sie über dessen Inhalt nachgedacht. «Wir haben gemerkt, dass ein Bedürfnis da ist, dem Katholischen, wie wir es leben, auf die Spur zu kommen.» Und das habe sie auf die Idee gebracht, die erwähnte spirituelle Abendstunde anzubieten.
Der erste Abend fand letzten November statt. «Im Bund mit Gott – und miteinander verbunden als Frauen, die glauben, hoffen und wirken. Diese Abendstunde lädt uns ein, das gemeinsame Wirken als Ausdruck dieser Verbundenheit zu entdecken» hiess es damals in der Ansage der Veranstaltung, die ebenfalls von Jost geleitet wurde.
Ziel dieser gemeinsamen Online-Feiern sei, «die christlichen, katholischen Wurzen aus der Tiefe heraufzuholen und mit dem eigenen Leben zu verbinden», sagt Jost. Es gehe darum, dieses Katholische im eigenen Leben konkret umzusetzen. Thematisch orientieren sich die beiden Theologinnen Jost und Boutellier am Kirchenjahr und an aktuellen feministisch-theologischen Themen.
Online zu feiern, ist für Jost weiterhin speziell. «Wir sind immer noch auf der Suche», sagt sie. Der Dialog und das Bibelteilen gestalteten sich teilweise schwieriger. «Aber es hat schon sehr intensive spirituelle Online-Momente gegeben.» Und die Verbindungen, die zwischen den Frauen über geografische Distanzen hinweg entstehen, erlebt sie als «etwas Religiöses».
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant