Bischof von Sitten eröffnet Heiligsprechungsverfahren für Maurice Tornay

Maurice Tornay, Missionar in Tibet, wurde 1949 auf dem Weg zum Dalai Lama erschossen. 1993 wurde der Walliser seliggesprochen. Dabei soll es aber nicht bleiben. Jüngst hat der Bischof von Sitten ein Heiligsprechungsverfahren für Tornay eröffnet.

Barbara Ludwig

Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten, hat eine diözesane kanonische Untersuchung im Hinblick auf die Heiligsprechung von Maurice Tornay (1910-1949) eingeleitet. Dies teilte der Bischof vor kurzem mit. Damit startet das kirchliche Heiligsprechungsverfahren für den Walliser.

Nun sind alle Gläubigen, Priester und Ordensleute aufgefordert, alle Unterlagen, Zeugenaussagen oder Informationen vorzulegen, die zur Klärung des Falles beitragen können, schreibt das Bistum.

Ein kirchliches Heiligsprechungsverfahren umfasst zunächst eine diözesane Phase, bevor eine zweite Etappe ansteht, in der römische Instanzen zuständig sind.

Postulator mit Tornay entfernt verwandt

Diözesanpostulator ist Maurice Tornay. Der ehemalige Walliser Staatsrat (CVP) ist ein Namensvetter des Tibet-Missionars. Und mehr als das: Er sei mit dem seligen Maurice Tornay in der vierten Generation, also entfernt verwandt, teilt Paul Martone, Sprecher für den deutschsprachigen Teil des Bistums Sitten, auf Anfrage von kath.ch mit.

Der Postulator organisiert die kirchenrechtliche Durchführung des Prozesses. Die Dauer des Diözesanprozesses ist laut Martone nicht exakt voraussehbar. «Herr Tornay geht jedoch davon aus, dass er in einem Jahr abgeschlossen werden kann. Die allermeisten Fragen, die das Leben und das Martyrium des seligen Maurice betreffen, sind bereits im Seligsprechungsprozess behandelt worden, sodass diese nicht neu aufgegriffen werden müssen», erklärt Martone.

In Tibet unerwünscht

Maurice Tornay wurde 1910 in Orsières im Wallis geboren. Er wurde Mitglied der Kongregation vom Grossen Sankt Bernhard und 1938 in Hanoi in Vietnam zum Priester geweiht. Während einigen Jahren leitete er ein Knabenseminar, in dem der einheimische Priesternachwuchs ausgebildet wurde.

Für kurze Zeit, ab Juni 1945, war der Walliser Pfarrer in Yerkalo, der einzigen Missionsstation im unabhängigen Tibet. Seine Präsenz in Tibet war jedoch unerwünscht. Von November 1945 bis Januar 1946 habe Tornay sich geweigert, dem Befehl der Lamas Folge zu leisten und das Land zu verlassen, heisst es auf der Webseite der Vereinigung der Freunde des seligen Maurice Tornay. Im Juni 1946 habe er die Gemeinde schliesslich unter Druck verlassen.

Tornay kam nicht bis zum Dalai Lama

Sein Wunsch, in Tibet zu bleiben, gab er allerdings nicht auf. 1949 schloss sich Tornay einer Karawane nach Lhasa an, um beim Dalai Lama vorzusprechen. Auf halbem Weg wurde er zur Umkehr gezwungen. Er wurde zum Choula-Pass an der Grenze eskortiert und dort am 11. August 1949 mit seinem tibetanischen Diener erschossen.

Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1992 zum Märtyrer und sprach ihn 1993 selig. Weil der Walliser als Märtyrer anerkannt ist, braucht es für seine Heiligsprechung keinen Nachweis eines Wunders.

2024 feierte man in Orsières den 75. Jahrestag des Martyriums von Tornay. Am 20. Oktober 2024 fand zum Abschluss des Jubiläumsjahres ein Fest statt. Dabei wurden erstmals die Reliquien des Seligen in einer Prozession durch das Heimatdorf von Maurice Tornay getragen.


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