Seelsorgende in der Romandie nehmen junge Taufbewerber in den Fokus

In der Westschweiz nimmt die Zahl Erwachsener Taufbewerber seit 2021 stark zu – und es sind immer mehr Junge darunter. «Wir müssen die Aufnahme dieser jungen Menschen, die an die Türe der Kirche klopfen, anpassen», sagt Aline Jacquier, Projektbeauftragte für die Jugendpastoral in der Romandie.

Bernard Hallet (cath.ch)

Im «Foyer franciscain» in Saint-Maurice (VS) haben sich vergangene Woche erstmals Verantwortliche der Jugendpastoral und des Katechumenats der katholischen Kirche in der Romandie getroffen. Während zwei Tagen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Lösungsansätze erörtern, um das Angebot der Kirche bestmöglich an die jungen Menschen anzupassen, die sich taufen lassen wollen. Cath.ch hat bei Aline Jacquier, Projektbeauftragte für die Jugendpastoral in der Romandie, nachgefragt.

Was war der Anlass für das Treffen?

Aline Jacquier: Seit dem Ende der Covid-Pandemie haben wir in der Jugendpastoral festgestellt, dass viele junge Menschen, die weder getauft noch gefirmt sind, das Katechumenat beginnen wollen. Zur Kirche gelangen sie auf verschiedenen Wegen – insbesondere über Freunde. Unsere Kollegen vom Katechumenat erhielten ihrerseits sogenannte administrative Anfragen von Personen, die Taufpaten oder Taufpatinnen werden wollten. Und auch bei ihnen meldeten sich junge Menschen, darunter ein kleiner Anteil von Konvertiten, die den Glauben durch Influencer in den sozialen Netzwerken entdeckt hatten.

Was war das Ergebnis des Treffens?

Jacquier: Es handelte sich um ein erstes Treffen. Das Ziel bestand zunächst darin, uns kennenzulernen und unsere Arbeitsweise zu entdecken. So ist beispielsweise das Katechumenat sehr ritualisiert und basiert auf dem Ritus der christlichen Initiation von Erwachsenen, einem klar vorgezeichneten und festgelegten Weg, während die Jugendpastoral eher spontan ist und Begegnungen umfasst, bei denen die Jugendlichen viel interaktiver sind.

«Junge Katechumenen und Jugendliche, die als Kinder getauft wurden, haben im Grossen und Ganzen dieselben Erwartungen.»

Einige Ihrer Kolleginnen und Kollegen arbeiten in beiden Bereichen.

Jacquier: Tatsächlich sind in einigen Kantonen Seelsorger in beiden Bereichen tätig. Sie passen die Jugendseelsorge an die Bedürfnisse der Katechumenen an. In anderen Kantonen sind die beiden Bereiche stärker voneinander getrennt und verfolgen unterschiedliche Wege. Wir haben festgestellt, dass junge Katechumenen und Jugendliche, die als Kinder getauft wurden, im Grossen und Ganzen dieselben Erwartungen haben. Ich habe auch beobachtet, dass Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren, die als Kinder getauft wurden, ihren Glauben neu für sich entdecken wollen und denselben Wunsch nach Unterweisung äussern wie die Katechumenen.

Das überrascht.

Jacquier: Ich selbst habe für die Zeit vor Ostern eine Veranstaltung für 16- bis 30-Jährige organisiert, die schon lange getauft sind und mehr über die Messe erfahren möchten. Pater Marco Gallo (Direktor des Institut Supérieur de liturgie in Paris und per Videokonferenz an der Sitzung teilnehmend, Anm. d. Red.) hat betont, dass junge Menschen nicht alles wissen, nur weil sie schon lange getauft sind. Er führte das Beispiel des Kreuzzeichens an, das junge Menschen machen, ohne dessen volle Bedeutung zu kennen. Er berichtete von der Verwunderung einiger Jugendlicher, als er dieses Ritual erklärte.

Ein Priester aus dem Jura pastoral (dem französischsprachigen Teil des Bistums Basel, Anm. d. Red.) verfasste für die Jugendlichen eine kurze Zusammenfassung über die Gesten und den Ablauf der Liturgie, die er in das Mitteilungsblatt einfügte. Die älteren Gemeindemitglieder dankten ihm für diese Erläuterungen, die es ihnen ermöglichten, die Bedeutung bestimmter Teile der Messe zu verstehen.

Wurden konkrete Projekte auf den Weg gebracht?

Jacquier: Wir haben lediglich Arbeitsansätze für die Zukunft angesprochen. So könnte uns beispielsweise der Ritus der christlichen Initiation von Erwachsenen, der für das Katechumenat konzipiert wurde, in der Jugendpastoral als Inspiration dienen. Ein weiteres Beispiel: Den Ritus des Kreuzzeichens, der im Katechumenat erklärt wird, könnte ich bei einem Treffen in der Jugendpastoral aufgreifen.

«Durch dieses Treffen wurde uns bewusst, dass wir alle am gleichen Strang ziehen: den Jugendlichen Christus näherzubringen.»

In den angebotenen Workshops wurden wir dazu angeregt, über die Organisation eines Abends nachzudenken, an dem Katechumenen, Neophyten (im Erwachsenenalter Getaufte, Anm. d. Red.) und langjährige Getaufte zusammenkommen. Pater Marco Gallo erinnerte uns daran, dass die Liturgie nicht nur die Messe betrifft. Er erwähnte das Stundengebet, das junge Menschen ansprechen könnte. So könnte man die Seelsorge in anderen Formen als der Messe entfalten, indem man den Ritus der christlichen Initiation von Erwachsenen auch ausserhalb des Katechumenats als Ressource nutzt. Diese Riten, diese Rhythmen und diese Fragen sind ein Paradigma für jede Seelsorge, insbesondere für die Jugendseelsorge. Durch dieses Treffen wurde uns bewusst, dass wir alle am gleichen Strang ziehen: den Jugendlichen Christus näherzubringen.

Das Profil der Katechumenen hat sich stark verändert, insbesondere durch einen Rückgang des Durchschnittsalters. Welche Herausforderungen stellt dies für die Kirche dar?

Jacquier: Einige Kollegen haben berichtet, dass nur wenige nach ihrer Taufe in die Pfarrei zurückkehren, doch das bedeutet nicht, dass sie, sobald der erste Schwung oder eine Modeerscheinung vorbei ist, nicht mehr praktizieren. In dieser Hinsicht ähneln sie den Jugendlichen, deren Lebensweise sich stark verändert hat und die man nicht immer in der Gemeinde antrifft: erhöhte Mobilität, Studium in anderen Kantonen, Reisen usw. Und manche Jugendlichen, die an die Tür der Kirche klopfen, sind allein, ohne familiäres Umfeld. Sie haben nicht einmal einen Paten oder eine Patin, der oder die sie zur Taufe begleitet.

«Die breite Öffentlichkeit hat gelernt oder sich daran erinnert, dass die Taufe nicht nur Babys betrifft.»

Was könnte die Jugendpastoral zum Katechumenat beitragen?

Jacquier: Wir haben die Idee, junge Menschen, die schon lange getauft sind, anzusprechen, damit sie die Katechumenen auf ihrem Weg zur Messe und zu den Vorbereitungstreffen begleiten und sie zu Veranstaltungen in der Pfarrei einladen – ein bisschen wie ein Pate. Es gibt die Idee, die Aktivitäten der Jugendpastoral für die Katechumenen zu öffnen, um eine bessere Integration zu erreichen. Unsere Aktivitäten sind Übrigens für junge Menschen konzipiert, die ausserhalb der kirchlichen Kreise stehen.

Innerhalb von fünf Jahren ist das Katechumenat zu einem wichtigen pastoralen Thema geworden, sagen Sie. Können Sie das näher erläutern?

Jacquier: Eine Kollegin hat darauf hingewiesen, dass die Zunahme der Katechumenen nach der Covid-Pandemie dazu geführt hat, dass mehr darüber gesprochen wird. Es ist zu einem echten Thema in den Fachmedien und anschliessend auch in der allgemeinen Presse geworden. Die breite Öffentlichkeit hat gelernt oder sich daran erinnert, dass die Taufe nicht nur Babys betrifft. Als ich jung war, hatte ich noch nie vom Katechumenat gehört. Ich habe erst letztes Jahr während meiner Ausbildung zur Seelsorgerin erfahren, was das bedeutet. Vor nicht allzu langer Zeit war die Taufe von Kleinkindern noch die Regel.

«Sie zögern nicht, den Ablauf der Liturgie in Frage zu stellen, wenn der Priester nicht den richtigen Satz zum richtigen Zeitpunkt der Messe gesprochen hat.»

Die Katechumenen sind nicht nur jung, sondern zeichnen sich auch durch eine grosse berufliche Vielfalt aus. Was erwarten sie von der Kirche?

Jacquier: Diese jungen Menschen sehnen sich nach Riten, denn diese geben ihnen Halt in einer Welt, die ihre Orientierungspunkte verliert. Sie verlangen nach Unterweisung, zögern aber nicht zu sagen, wenn ihnen diese nicht nur nicht zusagt, sondern auch nicht in ihren Lebensrahmen passt.

Sie zögern nicht, den Ablauf der Liturgie in Frage zu stellen, wenn der Priester nicht den richtigen Satz zum richtigen Zeitpunkt der Messe gesprochen hat. Manche kommen mit theoretischen Gewissheiten: «Ich habe schon alles im Internet gelesen, ich habe das Video dieses Influencers gesehen, der die liturgischen Gegenstände erklärt, ich kenne mich aus.»

Sie haben einen sehr intellektuellen Glauben, dem jedoch jegliche gemeinschaftliche Dimension und das kirchliche Leben fehlen. Das erklärt, warum man sie nach ihrer Taufe nicht mehr in der Pfarrei sieht – ein Spiegelbild des individualistischen Lebensstils der heutigen Gesellschaft.

Inwiefern kann die Dynamik des Katechumenats die Jugendpastoral inspirieren?

Jacquier: Das Einüben der Riten bei regelmässigen Treffen schafft einen Rahmen, den wir in der Jugendpastoral bei unseren Treffen nicht immer haben: Das Kreuzzeichen, das Klopfen an die Kirchentür oder auch der Gang vom Taufbecken zum Altar hinterlassen bei den Jugendlichen einen bleibenden Eindruck. Eine Möglichkeit wäre, unsere Treffen etwas stärker zu ritualisieren. Zum Beispiel, indem wir die Teilnehmenden am Ende segnen.

* Zur Grafik: Die Statistik stammt vom Theologen Claudien Chevrolet. Er arbeitet beim Centre catholique romand de formation en Eglise (CCRFE), das für die Ausbildung von Seelsorgenden in der Romandie zuständig ist. Sein Zahlenmaterial erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

(Übersetzung und Adaption aus dem Französischen von bal)


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