Manuel Dürr: «Es geht nicht darum, spezifischen Individuen die Schuld am Tod Christi zu geben»

Ausgerechnet der Petersdom in Rom hatte bisher keinen Kreuzweg. Das hat sich jetzt mit den 14 Ölgemälden von Manuel Dürr aus Biel geändert. Wie er antisemitische Stereotype vermieden hat, erzählt der Künstler im Podcast «Laut + Leis».

«Ja, das war ein wichtiger Aspekt. Ich habe zum Beispiel die römischen Soldaten und sogar Pilatus selbst in einer Weise gemalt, die sie eigentlich ein bisschen in den historischen Hintergrund rücken.

Ein klein wenig werden sie anonym dargestellt, die Gesichter sind weniger nuanciert und weniger präzise festgehalten, weil es nicht darum geht, spezifischen Individuen die Schuld am Gesehenen zu geben.

In der Bildsprache meiner Bilder gesprochen, scheint eigentlich nur Christus als Figur von einer Station zur nächsten zu wissen, worum es geht. Die anderen Figuren treten in verschiedenen Konstellationen auf, sind oft auch in fast grafischen Arrangements gehalten.

Es gibt zum Beispiel einen Parallelismus von zwei Christus umgebenden Aureolen: eine der Zärtlichkeit und eine der Gewalt. Das sind die Frauen von Jerusalem und die Römer, zwei verschiedene Stationen.

Grafisch gibt es zwischen diesen beiden Stationen eine gewisse Ähnlichkeit. Damit will ich vermeiden, dass die Bilder als hyperkonkrete Geschichte gelesen werden, wo dann auch ganz konkrete Menschen schuld dran sind.

Das Publikum wird ermutigt, eine sich entfaltende Geschichte zu lesen, von der die Menschen, die darin auftauchen, die Bedeutung gar nicht in ihrer ganzen Tragweite abschätzen können. Und das ist ja auch meine Aufgabe als jemand, der nicht historisch rapportiert.

Meine Bilder sind keine Zeitmaschinen, mit denen man 2000 Jahre zurückreisen kann, sondern es sind Bilder, die ganz klar an eine Bildtradition anknüpfen. In dem Sinne sind es auch Bilder von Bildern. Ich glaube, es ist wichtig, dies kritisch und auch respektvoll anzugehen.»

Das sagt Manuel Dürr im Podcast «Laut + Leis». Die 14 Stationen seines Kreuzweges sind seit Freitag im Petersdom für die Öffentlichkeit zugänglich. Künftig werden sie jährlich während der Fasten- und Osterzeit zu sehen sein. (sl)


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