Das Geldinstitut IOR ist mit seinen Gewinnen eine wichtige Einnahmequelle des Vatikans. Die einst geheimnisumwitterte Bank wird von einer Handvoll Kardinäle – unter anderem von einem Schweizer – geleitet und kontrolliert. Nun gibt es einen Leitungswechsel.
Sabine Kleyboldt (CIC)
Der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi (77) hat den Vorsitz der Kardinalskommission für die Vatikanbank IOR übernommen. Er folgt dem österreichischen Kardinal Christoph Schönborn (81) nach, der das Kontroll- und Leitungsgremium zwölf Jahre lang geleitet hatte, wie das Portal Vatican News am Montag berichtete. Schönborns Erfahrung habe eine «solide und kohärente Führung im Einklang mit der Mission des Instituts» ermöglicht, so die Kardinalskommission.
Der langjährige Erzbischof von Wien zeigte sich dankbar für die «wertvolle, beständige und erleuchtete Unterstützung», die Papst Franziskus (2013-2025) dem IOR während des «langen und anspruchsvollen Reformprozesses» gewährt habe. Die Umgestaltung des Instituts unter Aufsichtsratspräsident Jean-Baptiste de Franssu in den vergangenen Jahren habe innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft grosse Anerkennung und Wertschätzung gefunden, so Schönborn.
Der französische Wirtschaftsfachmann Franssu seinerseits würdigte Schönborns Weisheit, Urteilsvermögen und Nächstenliebe, die Reformen des vatikanischen Geldinstituts vorangebracht hätten. Die Zusammenarbeit mit der Kardinalskommission werde fortgesetzt, «damit das IOR eine Referenzinstitution für die katholische Welt bleibt».
Der neue IOR-Präsident Petrocchi gehört der Kommission bereits seit 2020 an. Weitere Mitglieder des Gremiums sind die Kardinäle Ángel Fernández Artime, Konrad Krajewski, Luis Tagle und Emil Tscherrig.
Die Vatikanbank IOR (Institut für die Werke der Religion) ist die einzige Einrichtung im Staat der Vatikanstadt, die professionelle Finanzdienstleistungen erbringen darf. Sie verwaltet Vermögenswerte in Übereinstimmung mit der Soziallehre der katholischen Kirche und betreut nach eigenen Angaben mehr als 12’000 kirchliche Kunden in über 110 Ländern. 2023 und 2024 erzielte die Vatikanbank jeweils einen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, den sie zu einem Grossteil an den Heiligen Stuhl abführte.
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