Basler Bischof verhängt Tätigkeitsverbot für umstrittenen Priester Luis Reyes

Luis Reyes war bis Ende Juli 2024 offiziell als Kaplan im Seelsorgeraum Aargau Süd tätig. Der im Bistum Lugano inkardinierte Priester hätte anschliessend in sein Heimatbistum zurückkehren sollen. Doch er blieb im Pastoralraum aktiv – ohne bischöflichen Auftrag. Nun greift Ortsbischof Felix Gmür durch.

Barbara Ludwig

Mit Dekret vom 22. Dezember 2025 verbietet der Bischof von Basel dem Priester Luis Alonso Reyes Gomez «jegliche pastorale oder betreuerische Tätigkeit auf dem Gebiet des Bistums Basel». Dies teilt Markus Thürig, der Generalvikar der Diözese Basel, in der aktuellen Ausgabe des «Lichtblick» mit. Der Lichtblick ist das Pfarrblatt Nordwestschweiz.

Messen, Beerdigungen, Trauungen, Taufen

Bis heute habe dieser Priester in der Region Aargau und im Pastoralraum Aargau Süd, in dem er wohne, «pastorale Aufgaben» wahrgenommen, obwohl sein Dienst im Bistum Basel am 31. Juli 2024 geendet hatte und er in sein Heimatbistum zurückkehren sollte, begründet Thürig das Tätigkeitsverbot.

Dass Reyes auch ohne bischöflichen Auftrag im Pastoralraum Aargau Süd tätig ist, ist seit längerem bekannt. Im vergangenen Jahr sagte der Priester gegenüber kath.ch, er sei «als Freiwilliger» aktiv. Er feiere Heilige Messen, Beerdigungen oder mache Haussegnungen. Zudem leite er jeden Freitagabend ein Treffen für Jugendliche im Keller des Pfarrhauses von Menziken.

Martin Sigg, Präsident der Kirchenpflege Menziken-Reinach, sagte gegenüber der «Aargauer Zeitung» vom Mittwoch, Reyes sei seit Anfang August 2024 «viele Mal als Stellvertreter» in der Kirchgemeinde tätig gewesen. Er erwähnt nebst den Beerdigungen auch kirchliche Trauungen und Taufen.

Petition zugunsten des Priesters blieb erfolglos

Der frühere offizielle Einsatz von Reyes beruhte auf einer Vereinbarung zwischen den Diözesen Basel und Lugano. Eine weitere solche Vereinbarung wollte der Bischof von Basel, Felix Gmür, nicht abschliessen. Daran änderte auch eine 2024 an den Bischof gerichtete Petition für den Verbleib des Priesters im Pastoralraum nichts.

Verfasst hatte sie Martin Sigg, Präsident der Kirchenpflege von Menziken-Reinach AG. Rund 550 Mitglieder der Kirchgemeinde hatten unterschrieben. Gleichwohl schätzen nicht alle Kirchenmitglieder die Tätigkeit von Luis Reyes gleichermassen, wie kath.ch im vergangenen Jahr aus Kirchenkreisen erfuhr. Der Priester ist umstritten.

Gesuch um Rücknahme des Dekrets

Der Kirchenpflegepräsident will jedoch nach wie vor, dass Luis Reyes offiziell für den Pastoralraum wirken darf. In der aktuellen Ausgabe des «Lichtblick» – gleich unter der Information des Generalvikars zum Tätigkeitsverbot – ist auch eine Mitteilung von Sigg veröffentlicht worden. Darin schreibt er, «die Kirchgemeinde braucht Padre Luis Reyes dringend, um den Schaden zu bewältigen, den eine Gruppe mutmasslicher Wirtschaftskrimineller innerhalb der Kirchgemeinde verursacht hat».

Die Kirchenpflege, in der seit den jüngsten Ergänzungswahlen Anhänger von Reyes dominieren, habe ihn deshalb an ihrer Sitzung vom 12. Januar beauftragt, den Bischof «gemäss c. 1734 CIC» zu ersuchen, sein Dekret zurückzunehmen. Dieses Gesuch habe er am 14. Januar eingereicht.

Strafanzeigen weiterhin hängig

Mit der «Gruppe mutmasslicher Wirtschaftskrimineller» sind wohl die vier Personen gemeint, gegen die Sigg bereits 2023 Strafanzeigen eingereicht hat wegen Veruntreuung und Amtsmissbrauch. Darunter sind ein Architekt, ein aktives und zwei ehemalige Mitglieder der Kirchenpflege.

Die Vorwürfe betreffen die Unterlassung einer öffentlichen Ausschreibung eines «grossen Bauprojekts» und die Auszahlung eines Honorars an den Architekten von insgesamt 40’000 Franken in den Jahren 2020 bis 2023, teilt Sigg auf Anfrage von kath.ch mit.

Die Staatsanwaltschaft teilt auf Anfrage mit, der Fall sei nach wie vor offen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sigg erklärt gegenüber kath.ch, Reyes sei es damals gelungen, das Kirchenvolk zu mobilisieren, so dass er, Sigg, die notwendige politische Unterstützung erhalten habe, um gegen die «Kriminellen» vorzugehen.

Er sei nur deshalb zum Präsidenten der Kirchenpflege gewählt worden, weil sein Wahlprogramm ganz auf die Rückkehr von Padre Luis Reyes ausgerichtet war. Das war im April 2024, als Reyes noch offiziell im Pastoralraum wirkte.

Viele Konflikte in Kirchgemeinde

In der Kirchgemeinde Menziken-Reinach gibt es seit Längerem Konflikte. Vor rund zwei Wochen ordnete der Kirchenrat der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau eine Untersuchung durch einen externen Rechtsanwalt an, weil die Kirchgemeindeversammlung vom 18. November 2025 aus dem Ruder gelaufen war.

Im vergangenen Jahr gab es zudem einen Konflikt um den Termin für die Wahlen in die Kirchenpflege. Sigg hatte nach Ansicht der Landeskirche «eigenmächtig» einen Wahltermin festgelegt und trotz Annullierung des Wahltermins durch den Kirchenrat Wahlen durchführen lassen. Aus diesem Grund wurde schliesslich ein neuer Wahltermin festgelegt und die Durchführung einem Sachwalter anvertraut. Der Kirchenpflegepräsident wurde disziplinarisch ermahnt. (korr., 16.19 Uhr, bal)


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https://www.kath.ch/newsd/basler-bischof-verhaengt-taetigkeitsverbot-fuer-umstrittenen-priester-luis-reyes/