Bernhard Lenfers Grünenfelder: «Franziskus und Klara sitzen sozusagen neben mir»

2026 jährt sich der 800. Todestag des Heiligen Franziskus von Assisi. Das nimmt der Pastoralraum Zug Walchwil zum Anlass, ein vielfältiges Programm rund um Franziskus und Klara zu gestalten. Gemeindeleiter Bernhard Lenfers Grünenfelder, zugleich in der Projektleitung, erzählt, wie es dazu kam.

Regula Pfeifer

Wie kommt es, dass der Pastoralraum Zug das 800-Jahr-Jubiläum von Franz und Klara von Assisi so ausführlich feiert?

Bernhard Lenfers Grünenfelder: Wir als Kirche leben in zyklischen Zusammenhängen. Vor zwei Jahren merkte ich: 2026 kommen 800 Jahre Franz und Klara von Assisi. Da die beiden Heiligen bekannt und bis heute Vorbilder sind, wollte ich dieses Jubiläum nutzen. Ich entwickelte erste Ideen und konnte die Kolleginnen und Kollegen vom Pastoralraum überzeugen. Wir machten uns ans Projekt.

Woran machen Sie die Bekanntheit oder Beliebtheit fest?

Lenfers: Es gibt immer noch Pfarreireisen nach Assisi, und die sind bis heute ausgebucht. Auch Jugendliche fahren gerne dahin.

Wie sind Sie mit den beiden Heiligen verbunden?

Lenfers: Als 20-Jähriger verbrachte ich anlässlich des 800. Geburtstag von Franz von Assisi einen Tag im Franziskanerkloster in Münster, gemeinsam mit rund tausend jungen Menschen. Wir setzten uns mit Franziskus auseinander. Das fand ich inspirierend. Die Erinnerung an diesen Tag ist bis heute präsent.

«Es gibt Heilige, die sind und bleiben frisch. Zu ihnen gehören Franziskus und Klara.»

Blieb diese Faszination?

Lenfers: Ich habe mich im Studium viel mit Franziskus beschäftigt. Und immer wieder mit Franziskus und mit Klara gebetet. Das franziskanische Gedankengut war auch präsent im Bildungshaus Mattli in Morschach (s. Kasten unten), und da ging und gehe ich ein und aus. Übrigens finde ich: Es gibt Heilige, die sind und bleiben frisch. Zu ihnen gehören Franziskus und Klara. Die sitzen sozusagen neben mir.

Inwiefern sind diese Heiligen frisch?

Lenfers: Wegen ihrer Botschaft. Die beiden verkörpern Einfachheit und Armut. Das ist wichtig in unserer Gesellschaft, die in einem ungesunden Konsumrausch lebt. Der Kaufmannssohn Franziskus hat in der mittelalterlichen Zeit der Verstädterung die Kluft zwischen Reichtum und Armut kennengelernt. Er entschied, seine prachtvollen Kleider dem Vater zurückzugeben.

«Die Franziskaner brachten die Caritas, die Dominikaner die Bildung in die wachsenden Städte Europas.»

Es war kein Zufall, dass Franziskus damals kam. Die Franziskaner brachten die Caritas, die Dominikaner die Bildung in die wachsenden Städte Europas. Beides brauchte es damals. Die beiden Orden verbreiteten sich rasant in Europa. Über ihr konkretes Engagement erhielten die Orden Zugang zu den Bürgerinnen und Bürgern. Dies finde ich sympathisch.

Weshalb feiern Sie nicht nur Franziskus, sondern auch Klara?

Lenfers: Mir ist das Phänomen Co-Kreation wichtig. Ich glaube, dass Franziskus und Klara sich gegenseitig inspiriert und im jeweiligen Charisma gefördert haben. Das gibt es immer wieder in der Kirchengeschichte: Der vermeintlich «grosse» Mann im Vordergrund hat eine Frau an seiner Seite. Die beiden leben partnerschaftlich. Dieses Zusammenwirken haben beispielsweise der noch heute medial präsente Jesuit Niklaus Brantschen zusammen mit der leider früh verstorbenen Heilpädagogin und Kontemplationslehrerin Pia Gyger gelebt: Zusammen haben sie das Lassalle-Institut gegründet und beispielsweise ein Friedensprojekt mit Jerusalem im Fokus initiiert.

«Wir wollen mit der Ikone zeigen: Diese zwei gehören zusammen.»

In einer Meldung bei uns wird anlässlich des Jubiläums nur Franz von Assisi erwähnt…

Lenfers: Wir wollten da Gegensteuer geben, indem wir Klara mit auf die Ikone haben schreiben lassen. Natürlich war Franziskus Aussenminister. Klara liess sich die Haare schneiden, ging ins Kloster und lebte das Franziskanische nach innen. Wir wollen mit der Ikone zeigen: Diese zwei gehören zusammen. Auch wenn der Gedenktag des Festjahres, der 3. Oktober, der 800. Todestag von Franziskus ist.

Dazu haben Sie einen besonderen Anlass…

Lenfers: Dann moderiert bei uns in der Johanneskirche die SRF-Redaktorin Cornelia Cazis ein Gespräch mit Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister und Nadia Rudolf von Rohr, der Geschäftsstellenleiterin des Franziskanischen Laienordens in der deutschsprachigen Schweiz mit Sitz im Mattli. Thema ist: Was bedeutet Franziskus heute? Etwa für das Zusammenleben in der Schweiz? Diese politische Dimension gehört für mich neben der spirituellen Wirkung dazu. Am Tag darauf, am 4.  Oktober, feiern wir einen Gottesdienst mit einer extra dafür komponierten Messe.

Weshalb starten Sie mit der Einsegnung der neuen Ikone?

Lenfers: Eine Ikone ist mehr als ein Bild. Sie lässt tiefer teilhaben an dem göttlichen Geheimnis, das sich in Franziskus und Klara gezeigt hat. Die Ikonenschreiberin bringt während ihrer Arbeit ihre Gebete, ihre Spiritualität mit ein. Die Ikone wird als Wanderikone unterwegs in den Kirchen und Kapellen des Pastoralraums sein. Sie stiftet Verbindung, sozial und spirituell. Die Menschen brauchen etwas Konkretes, woran sie sich halten können. In der heutigen Zeit fehlt den Menschen das transzendente Obdach. Das vermittelt die Ikone.

«Klara hält nicht nur einen Lilienzweig, sondern auch einen Kirschenbaumzweig, weil wir in Zug im Chriesiland sind.»

Die Heiligen auf der Ikone sind in der Region Zug angesiedelt.

Lenfers: Ja. Klara hält nicht nur einen Lilienzweig, sondern auch einen Kirschenbaumzweig, weil wir in Zug im Chriesiland sind. Im Zugersee dahinter tummeln sich drei Rötel. Die Antenne auf der Ikone sehen die Zuger jeden Tag. Das ist ein heutiges Symbol für die Verbindung von Himmel und Erde.

800 Jahre Franz und Klara von Assisi: Jubiläumsprogramm des Pastoralraums Zug-Walchwil.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/bernhard-lenfers-gruenenfelder-franziskus-und-klara-sitzen-sozusagen-neben-mir/