Die letzte verbliebene Kapuzinerin des Klosters Wonnenstein in Appenzell Innerrhoden, Schwester Scolastica Schwizer, lebt seit kurzem im Kurhaus St. Pelagiberg im Thurgau. Ein Unterstützer hat ihr bei der Suche nach dem Wohnort geholfen.
Regula Pfeifer
Seit kurzem lebt die letzte Kapuzinerin des Klosters Wonnenstein Scolastica Schwizer nun im Kur- und Exerzitienhaus Marienburg St. Pelagiberg im Kanton Thurgau. Dieses bietet unter anderem Alterswohnen in einer katholischen Umgebung, wie es auf seiner Webseite schreibt. Bisher lebten da drei betagte Priester und fünf Schwestern der Ewigen Anbetung des Kostbaren Blutes.
Auf St. Pelagiberg befindet sich eine katholische Gemeinde der Priesterbruderschaft St. Petrus.
Wie es zum Umzug von Schwester Scolastica dorthin kam, erzählt Sepp Moser. Er ist seit Ende der 1970er-Jahre in administrativ-beruflichem Kontakt mit dem Kloster Wonnenstein und seinen Ordensfrauen, so auch mit Schwester Scolastica. Er engagierte sich auch in der aktuellen Frage. «Ich habe mehrere Klöster rekognosziert und Schwester Scolastica darüber informiert», sagt er.
Dann habe er vorgeschlagen, das Kurhaus St. Pelagiberg zu besuchen. Er holte Schwester Scolastica in Altstätten ab und sie fuhren hin. Vor Ort wurden sie freundlich empfangen. «Es gefiel Schwester Scolastica sehr, wir reservierten gleich ein Zimmer für sie», sagt Moser.
Auf die Frage, wie es zum Entscheid für St. Pelagiberg kam, antwortet Isabella Awad, Kommunikationsbeauftragte des Bistums St. Gallen: «Schwester Scholastika hat darum gebeten, dass sie in dieses Heim eintreten kann. Es gibt dort eine Hausgemeinschaft und auch eine Schwesterngemeinschaft. Wir haben diesem Wunsch entsprochen.»
Auch die Oberin der Föderation St. Klara, dem Verband Schweizer Kapuzinerinnenklöster, Schwester Maria Angelika Scheiber, bestätigt gegenüber kath.ch: Das habe Schwester Scolastica frei entschieden. Sie wähle für sich die Wohnform, wie sie ihren Lebensabend verbringen möchte.
Seitens des Kurhauses St. Pelagiberg selbst will niemand gegenüber kath.ch Auskunft über den Zuzug der Kapuzinerin aus Wonnenstein geben.
Das Kurhaus liegt im Kanton Thurgau, der Teil des Bistums Basel ist. Am Entscheid war dieses Bistum aber – gemäss aktuellem Kenntnisstand – nicht beteiligt, wie der Kommunikationsverantwortliche Jonas Spirig mitteilt. Es handle sich hierbei um eine Angelegenheit von Orden und diese seien unabhängig vom Bistum. Die Angelegenheit sei nicht mit dem Bistum Basel abgesprochen, sagt auch Awad vom Bistum St. Gallen. «Dafür sahen wir keine Notwendigkeit.»
Auch die Unterhaltsfrage ist am neuen Wohnort gelöst. «Der Verein kommt für den Lebensunterhalt von Schwester Scholastika auf», so Awad. Es handelt sich dabei um den Verein Maria Rosengarten Wonnenstein, der Träger des Klosters Wonnenstein ist und in dem das Bistum St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, die Studentenverbindung AV Bodania und andere engagiert sind. Dieser sorgte bereits bisher für den Lebensunterhalt von Schwester Scolastica.
Ob St. Pelagiberg nun die definitive Bleibe von Schwester Scolastica ist, bleibt offen. «Wir hoffen, dass Schwester Scholastika einen Ort gefunden hat, der ihr gefällt und an dem sie bleiben möchte», schreibt Awad. Demnach liegt der Entscheid bei der Ordensfrau selbst.
Schwester Scolastica Schwizer lebte seit längerem allein im Kloster Wonnenstein, in einer Exklave des Kantons Appenzell Innerrhoden. Und sie setzte sich dafür ein, dort verbleiben zu dürfen. Aufforderungen des Bischofs von St. Gallen – damals noch Markus Büchel –, in eine andere Klostergemeinschaft umzuziehen kam sie mehrfach nicht nach.
Im letzten Herbst jedoch drängten der neue Bischof von St. Gallen, Beat Gröbli, und die Oberin des Verbandes der Schweizer Kapuzinerinnenklöster Angelika Scheiber, die Kapuzinerin, das Kloster Wonnenstein zu verlassen. Wie kath.ch berichtete, war dabei auch von einer möglichen Entlassung aus dem Ordensstand die Rede, falls sie nicht Folge leiste.
Als eine Operation anstand, erklärte sich die Ordensfrau bereit, im Anschluss danach nicht mehr nach Wonnenstein zurückzukehren. Nach dem Eingriff verbrachte sie die Weihnachtszeit im ehemaligen Kapuzinerinnenkloster Altstätten und zog danach nach St. Pelagiberg.
Die Ordensfrau war zuvor erfolglos juristisch gegen den Trägerverein des Klosters Wonnenstein vorgegangen. Gerichte entschieden, dass sie weder Anspruch auf die Verwaltung ihres Privatvermögens habe, noch ihre Altersrente behalten dürfe.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wie-schwester-scolastica-nach-st-pelagiberg-kam/