Stille und Händehalten im Fraumünster Zürich – zum Gedenken an Crans-Montana

Zum nationalen Gedenken an die Betroffenen der Brandkatastrophe fanden sich in Zürich gegen 800 Personen auf dem Münsterhof zum Glockengeläut und einer Schweigeminute ein. Rund die Hälfte davon ging danach ins Fraumünster. Da feierten christliche, jüdische und muslimische Religionsvertreter gemeinsam eine Andacht.

Regula Pfeifer

Das Fraumünster war voller Menschen an diesem Freitagnachmittag in Zürich, an dem der nationale Trauertag zum Gedenken an die Opfer von Crans-Montana stattfand. Geschätzte 400 Personen füllten die ehemalige Klosterkirche.

«Im Gedenken und in Verbundenheit spüren wir: Wir lassen einander nicht allein.»

Fraumünsterpfarrer Johannes Block

«Ich lade sie alle für einen Moment der Stille ein – als Zeichen der Trauer, des Gedenkens und der Verbundenheit», sagte der reformierte Fraumünsterpfarrer Johannes Block. «Im Gedenken und in Verbundenheit spüren wir: Wir lassen einander nicht allein.» Die Leute standen auf und verblieben so, ganz in sich gekehrt. Die Stille, während zwei Minuten, war intensiv. Nur feines Rascheln störte da und dort das schwer belastete Schweigen.

Fünf Religionsvertreter sprachen an dieser Andacht zu den Anwesenden. Jeder fand seine eigenen Worte für die Tragödie, die in der Silvesternacht in Crans-Montana passierte. Und wandte sich dabei an Gott als Helfer in dieser Not. Zwischen diesen Auftritten spielte eine Sologeigerin feine klassische Musik – unterbrochen durch bewusst verlängerte Pausen.

«Dieses Drama erschüttert unseren Glauben und lässt ein Gefühl der Sinnlosigkeit aufsteigen.»

Luis Varandas, Generalvikar

Auf den reformierten Fraumünsterpfarrer folgte der römisch-katholische Generalvikar Luis Verandas. Er vertraute Gott alle Menschen an, «die in dieser Zeit Opfer von Dramen geworden sind» und befand: «Dieses Drama erschüttert unseren Glauben und lässt ein Gefühl der Sinnlosigkeit aufsteigen.» Und er bat Gott darum, die Menschen nicht von seiner Liebe zu trennen.

Zwei jüdische Gebete

Der Rabbiner Noam Hertig sprach zwei jüdische Gebete, eines im Angedenken an «alle Seelen, die im Brand von Crans-Montana ihr Leben verloren». Und eines für die Verletzten, damit sie geheilt, gestärkt und aufgerichtet würden.

Der reformierte Grossmünsterpfarrer Christian Walti dankte all jenen Menschen, die sich für die Betroffenen einsetzten und noch immer einsetzen – von den Rettungsleuten bis zum medizinischen Personal. Und sagte dann: «In den folgenden Tagen und Monaten braucht es uns alle». Alle müssten einander gegenseitig Sorge tragen. Dafür bat er die Anwesenden, einander die Hände zu reichen und nicht loszulassen.

Imam Thematisiert «gemeinsame Sprachlosigkeit»

So standen tatsächlich alle Hand in Hand in der Fraumünsterkirche. Auch die Religionsvertreter, die sich im Chorraum zusammen hinstellten, taten dies Hand in Hand. Hinter ihnen stand der Imam Muris Begovic. Auch er sprach über die Tragödie und erwähnte die betroffenen jungen Menschen, die so hoffnungsvoll im Leben gestanden hatten. Und von diesem Moment der gemeinsamen Sprachlosigkeit. «Möge Gott die Trauer umhüllen und die Nächte erhellen», sagte Begovic. «Friede und Barmherzigkeit Gottes seien mit uns allen.»

Zur Andacht im Fraumünster waren viele der Menschen gekommen, die zuvor auf den Münsterhof gekommen waren, um im Gedenken an Crans-Montana das Glockengeläut und die anschliessende Schweigeminute mitzuerleben.

Starkes Zeichen der Religionen

Unter ihnen befand sich auch die katholische Theologin Veronika Jehle. Sie sei aus Solidarität und Betroffenheit da, sagte sie gegenüber kath.ch. Persönlich kenne sie niemanden, der vom Unglück betroffen sei. Sie bezeichnete es als «unglaublich starkes Zeichen», dass sich alle Religionen im Fraumünster «in Stille zusammenstellen». Es sei wichtig, dass die Kirchen und Religionen in dieser Zeit einen Raum für die Menschen öffneten.

Auch andere Personen waren aus Solidarität und Mitgefühl zum Gedenken in die Zürcher Innenstadt, konkret zum Münsterhof gekommen. Schliesslich standen rund 800 Personen auf dem weiten Platz, die meisten schauten in Richtung Fraumünster. Unter ihnen war auch eine Studentin, die Mitgefühl gegenüber den Betroffenen der Tragödie verspürt. Sie habe dafür eine Minute des Gedenkens geben wollen, sagte die Frau, die anonym bleiben wollte.

«Unsere Töchter sind in demselben Alter und waren an einem vergleichbaren Ort, um Silvester zu feiern.»

Sandra Sini, Andachts-Teilnehmerin

«Unsere Töchter sind in demselben Alter und waren an einem vergleichbaren Ort, um Silvester zu feiern», sagte Sandra Sini, als sie auf dem Münsterplatz auf die Glockenklänge wartete. Auch ihren Töchtern hätte also ein solches Unglück passieren können, und das beschäftige sie. Sandra Sini zeigte sich froh, dass sie sich den Nachmittag freinehmen konnte, um am Gedenken teilzunehmen. Die Kunsttherapeutin leitet das Aktivierungstherapie-Team im Pflegezentrum des Spitals Limmattal.

Vor 14 Uhr ertönten da und dort Hupen, mit den Stundenschlägen der Kirchenglocken begann bereits die kleine Glocke des nahen Rathauses zu dingeln an. Danach setzte die dröhnende Fraumünsterglocke ein. Als diese verstummte, folgten Kirchenglocken in der Nähe – wohl die St. Peter- und die Grossmünsterglocken. Bis schliesslich nur noch ein Glöckeln aus der Ferne zu hören war – und die Anwesenden auf dem Platz in Schweigen verharrten.  

 


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