Eine Pilgerherberge in St. Gallen öffnet ihre Türen und bietet einen Schlafplatz für die Pilger und Pilgerinnen. Im neusten Video von kath.ch gibt Toni Inauen Einblick in die Herberge – und was ihn am Pilgern begeistert.
Jacqueline Straub
St. Gallen nennt sich gerne auch Pilgerstadt, denn vier Pilgerwege führen hier vorbei. St. Gallen ist die erste grosse Station am Jakobsweg durch die Schweiz. Viele Pilgernde übernachten auch in der Stadt – etwa in der Pilgerherberge, die von Freiwilligen betrieben wird.
Im Jahr 2007 hatten drei Pilger aus St. Gallen die Idee zu einer Pilgerherberge. Um eine passende Lokalität zu finden, haben sie einen Zeitungsartikel veröffentlicht. Die Kriterien für einen passenden Ort waren: direkt am Jakobsweg, nah am Zentrum und am besten im ersten Obergeschoss über einem Geschäft und vielleicht sogar mit einem Aussensitzplatz.
Der passende Ort wurde schnell gefunden. «Genau so, was sie sich ausgedacht haben», sagt Toni Inauen von der Pilgerherberge. Zuvor lebte hier eine ältere Frau, die der Pilgerherberge sogar ihre Küchensachen vermachte.
In der Pilgerherberge gibt es einen Aufenthaltsraum und einen Wohnraum, wo auch ein Gästebuch aufliegt. Die Herberge bietet Schlafmöglichkeiten in drei Zimmern für insgesamt zehn Personen. «Es ist sehr selten, dass alle Betten belegt sind», sagt Toni Inauen. Pilgergruppen kommen kaum. «Meistens können sich die Pilger gut auf die drei Zimmer verteilen und haben dann ihren Frieden.»
Jeden Morgen ist es möglich, in der Kathedrale den Pilgersegen zu empfangen. Am Schluss der Morgenmesse werden die Pilgernden für ihren weiteren Weg gesegnet. «Das ist wirklich etwas sehr Schönes und sehr Wirksames», so Toni Inauen.
St. Gallen ist ein wichtiger Pilgerort in der Schweiz, weil dort mehrere Pilgerwege durchführen. Zum einen der Jakobsweg, der von Tschechien, Deutschland, durch die Schweiz über Frankreich nach Spanien führt.
Der zweite Pilgerweg ist der Kolumbansweg. Er geht von Irland nach Italien. Der Mönch Kolumban zog seinerzeit zusammen mit Gallus durch die Lande. So sind der Gallusweg und der Kolumbanweg grossenteils identisch. Während Gallus in St. Gallen blieb, zog es Kolumban weiter nach Italien.
«Die meisten Leute, die hier durchgehen, sind auf dem klassischen Jakobsweg unterwegs.»
Der dritte Weg ist die Via Francisca, der nach Italien führt und dort auf die Via Francigena trifft und bis nach Rom geht. «Die meisten Leute, die hier durchgehen, sind auf dem klassischen Jakobsweg unterwegs», sagt Toni Inauen.
Die Herberge wird geführt von einem Verein. Neben einem Vorstand gibt es rund 20 Freiwillige, sogenannte Hospitaleros. «Das sind Leute, die sich bereiterklären, die Pilger zu empfangen und die dann auch dafür sorgen, dass immer alles sauber ist.» Auch Toni Inauen ist solch ein «Hospitalero», der viel pilgert und schon in vielen unterschiedlichen Pilgerherbergen geschlafen hat.
Als er von der Pilgerherberge in St. Gallen erfahren hat, hat er sich dort gemeldet und gefragt, ob sie auf der Suche nach Freiwilligen sind. Pro Jahr macht er ein paar Dienste. Dabei begegnet er Menschen, die ihre erste Pilgerreise unternehmen, und anderen, die schon Tausende von Kilometern gepilgert sind. «Je nachdem kommt man auf ein ganz anderes Gesprächslevel.»
Am Pilgern fasziniert Toni Inauen am allermeisten die Natur. Wenn er pilgert, ist er bereits um 5 oder 6 Uhr morgens unterwegs. «Wenn die Natur am Erwachen ist. Diese Ruhe zu geniessen ist unglaublich.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/toni-inauen-selten-dass-alle-betten-in-der-pilgerherberge-belegt-sind/