Europarat-Plattform alarmiert über Protestinfo-Entlassungen

Die Entlassung von zwei Journalisten der reformierten Nachrichtenagentur Protestinfo hat zu einer «Warnung» auf der Plattform des Europarats für die Sicherheit von Journalisten geführt. Die europäische Institution fordert die Wiedereinstellung der Journalisten und Massnahmen, um die Unabhängigkeit und Autonomie der Agentur zu gewährleisten.

(rp) Die Plattform des Europarats für die Sicherheit von Journalisten hat am 14. November eine «Warnung» der Stufe 2 ausgegeben. Und zwar zum Thema «Both Protestinfo Journalists dismissed» – also «beide Protestinfo-Journalisten entlassen».

«Ernsthafte Bedrohung der Medienfreiheit»

Mit einer «Warnung» der Stufe 2 versieht die europäische Institution mit Sitz in Strassburg «ernsthafte Formen der Bedrohung der Medienfreiheit». Sie listet darunter unter anderem Einschüchterung, körperliche Verletzung und Belästigung von Journalistinnen und Journalisten auf.

Bei der erwähnten «Warnung» geht es um die Entlassung von Anne-Sylvie Sprenger und Lucas Vuilleumier, die bei der reformierten Nachrichtenagentur Protestinfo tätig waren. Der Exekutivrat der Konferenz der reformierten Kirchen der Romandie (CER) hatte die beiden Journalisten am 10. Oktober entlassen. Kath.ch hat darüber berichtet.

Vertrauensbruch gegen Recherche-Verbot

Der Arbeitgeber der Journalisten begründete die Massnahme mit einem langjährigen Vertrauensbruch. Sprenger und Vuilleumier hingegen sind überzeugt, aus «politischen Gründen» entlassen worden zu sein. Sie hätten über die Verbindungen der reformierten Kirche des Kantons Waadt zu einem bekannten Theologen recherchiert, der des sexuellen Missbrauchs verdächtigt wird.

Die Plattform beschreibt den Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmenden detailliert. So heisst es darin, dass der Präsident der CER, Laurence Bohnenblust-Pidoux, die beiden Journalisten am 2. Oktober aufgefordert habe, ihre Recherche «einzufrieren». Eine Woche später seien sie über ihre Entlassung informiert worden.

Auch den Offenen Protestbrief gegen die Entlassung, beschreibt die Plattform. Die 120 Unterzeichnenden hätten verlangt, dass der Entscheid zurückgenommen werde und eine Mediation zwischen den Konfliktparteien initiiert werde. Ausserdem hätten Mitglieder der CER-Generalversammlung die Absicht bekannt gegeben, dass sie zu diesem Fall eine interne Untersuchung verlangen wollten.

Wiedereinstellung gefordert

Die europäische Institution fordert in ihrer «Warnung», die beiden Journalisten müssten wieder eingestellt werden. Ausserdem müssten Schutzmassnahmen eingeführt werden, um die publizistische Unabhängigkeit von Protestinfo und ihre Autonomie gegenüber der CER zu gewährleisten.

Wie der «Blick» am 26. November schreibt, werden die Entlassungen an der kommenden Plenarversammlung der Konferenz der reformierten Kirchen der Romandie am 29. November Thema sein. Eine Interpellation fordere die Beantwortung von kritischen Fragen dazu.

Die Plattform des Europarats listet für das Jahr 2025 insgesamt 282 «Warnungen» von verletzter Medienfreiheit auf. Darunter befinden sich auch Todesdrohungen gegen Medienleute in Europa, wie jene gegen den Westschweizer Direktor von RTS, Pascal Crittin.


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https://www.kath.ch/newsd/europarat-plattform-alarmiert-ueber-protestinfo-entlassungen/