«Netzwerk Jugend»: Für «neuen Schub» in kirchlicher Jugendarbeit

Die katholische Jugendarbeit der Deutschschweiz will ihre Zusammenarbeit intensivieren – mittels «Netzwerk Jugend». Dieses soll fortan Fachstellen, Verbände, Bewegungen und Missionen in einer agilen, partizipativen Struktur verbinden. Noch fehlt das OK zur Finanzierung.

Regula Pfeifer

«Ich habe wahnsinnig Freude, dass wir das geschafft haben», sagt Linus Brändle, Leiter der Fachstelle kirchliche Jugendarbeit des Bistums St. Gallen und Präsident des Vereins Juseso Schweiz.

Er hat das Konzept von «Netzwerk Jugend» massgeblich mitentwickelt. Brändle leitete die Arbeitsgruppe, die das Konzept entworfen hat, gemeinsam mit dem Religionspädagogen Damian Pfammatter, Dozent am Religionspädagogischen Institut in Luzern.

Gründung voraussichtlich im Frühling

Das Konzept ist die Grundlage für die Netzwerkgründung. Und von einer solchen erhofft sich Linus Brändle einiges. «Das gibt einen neuen Schub für die kirchliche Jugendarbeit in der Deutschschweiz, davon bin ich überzeugt», sagt er. Nach seiner Einschätzung wird die Netzwerk-Gründung im kommenden Frühling erfolgen.

Das Konzept dafür ist am 26. August von der Deutschschweizer Ordinarienkonferenz (DOK) gutgeheissen worden. Inhaltlich sei das Netzwerk Jugend damit akzeptiert, erklärt Brändle. Offen ist, ob die Finanzierung wie gewünscht zustande kommt. Das werde die Römisch-Katholische Zentralkonferenz in den kommenden Wochen entscheiden, weiss Brändle.

Synergien nutzen

Mit dem Netzwerk Jugend sollen innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit «verbindliche Vernetzungsstrukturen» geschaffen werden, heisst es im Konzept, das kath.ch vorliegt. Damit sollen «Synergien erfolgreich genutzt, Doppelspurigkeiten vermieden und fachliche Weiterentwicklung ermöglicht werden können».

Mit dem «Netzwerk Jugend» sollen Jugendarbeitsfachstellen, Verbände wie Jungwacht-Blauring, Bewegungen wie Adoray und Jugendvertretungen von anderssprachigen Missionen in einer agilen, partizipativen Struktur verbunden werden.

«Wir wollen unsere Zusammenarbeit intensivieren und Themen gemeinsam bearbeiten können», so Brändle. Ziel sei, dass im Netzwerk Themen aufgegriffen und bearbeitet werden, «welche die einzelnen Akteure nicht oder nicht effizient allein bearbeiten können», ist im Konzept nachzulesen.

Weiterbildung, Grundlagen, Öffentlichkeitsarbeit

Gemeinsam angegangen werden sollen insbesondere die Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung in der kirchlichen Jugendarbeit, die Grundlagenentwicklung und -aktualisierung, die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing sowie die Beratung und Orientierung von Berufseinsteigenden in der Jugendarbeit.

Solche und auch neu entstehende Themen werden in Themenkreisen diskutiert und entwickelt, diese wiederum werden mittels einer Steuerungsgruppe miteinander verbunden.

Diese sorgt für den Informationsfluss untereinander. Unterstützung erhält sie von einer Koordinationsstelle. Geplant ist, dass eine bestehende Angestellte einer kirchlichen Jugendfachstelle diese Aufgabe in einem Teilzeitpensum übernimmt, unterstützt durch ihr Sekretariat.

«So viel, wie die Leute bereit sind mitzutragen, so viel entsteht dann auch.»

«Der Vorteil dieses Netzwerks ist, dass alle dabei sind, die einen intensiver, die anderen gezielter», sagt Linus Brändle. Denn nicht alle Institutionen und Organisationen verfügten über dieselben Ressourcen. «So viel, wie die Leute bereit sind mitzutragen, so viel entsteht dann auch.»

Zusätzlich zum Effekt im Inneren der kirchlichen Jugendarbeit erhofft sich Linus Brändle auch einen Effekt nach aussen. Angesichts des Bedeutungsverlusts der Kirche müssten auch ihre Jugendorganisationen und -institutionen «eine neue Rolle» in der Gesellschaft finden. Und das gelinge kooperativ besser als jeder für sich allein. «Man wird stärker, wenn man zusammenrückt», ist Brändle überzeugt.

Inputs über Pfarreien hinweg

«Es ist eine Errungenschaft, wenn man die Vernetzung der kirchlichen Jugendarbeit schweizweit strukturiert etablieren kann», sagt die Basler Jugendarbeiterin Mirjam Lachenmeier.

Sie findet Austausch und Zusammenarbeit in der Jugendarbeit «sehr wertvoll». So müsse nicht jede und jeder das Rad neu erfinden. Beispielsweise habe Basel unlängst für einen neuen, modular aufgebauten Firmweg Informationen aus Baden AG geholt, wo etwas Ähnliches bereits besteht.

Persönlich benötigt sie nicht unbedingt ein neues Netzwerk, da sie bereits gut vernetzt ist. Die Fachverantwortliche der Fachstelle Jugend der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt präsidiert auch die diözesane Jugendkommission des Bistums Basel und ist über den Verein Deutschschweizer JugendseelsorgerInnen (Juseso) mit ihren Berufskolleginnen und -kollegen im Austausch.

Bisheriges Netzwerk überholt

Andere Player in der Jugendarbeit hingegen haben nach Lachenmeiers Einschätzung Bedarf nach einer guten Netzwerk-Organisation, beispielsweise die Jugendorganisationen Jungwacht Blauring (Jubla), der Verband katholischer Pfadfinder, Vereine und die Offene Kirchliche Jugendarbeit.

Das neue Netzwerk Jugend ersetzt drei bestehende, heisst es im Konzept. Die bisherigen Vernetzungsstrukturen seien überholt. Zudem erhoffen sich die Beteiligten von der neuen Koordinationsstelle «Stabilität und nachhaltige Kommunikation».


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