«Macht hoch die Tür, die Tor macht weit» ist ein bekanntes Kirchenlied – und nicht mehr aus dem adventlichen Repertoire wegzudenken. Mario Pinggera, Priester und Dozent für Kirchenmusik, ordnet das Lied ein und sagt: «Gott will, dass wir die Türen unseres Herzens öffnen.»
Jacqueline Straub
Der diesjährige Adventskalender des katholischen Medienzentrums steht unter dem Motto «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit». Welchen Schatz birgt dieses Kirchenlied?
Mario Pinggera*: Die heutige gängige Vertonung findet sich zum ersten Mal im Freylinghausenschen Gesangbuch von 1704. Pfarrer Georg Weissel aus Königsberg schrieb 1623 den Liedtext. Das Lied findet sich nicht nur in verschiedenen Konfessionen im deutschen Sprachraum, sondern es wurde auch in weitere Sprachen übersetzt und ist aus dem adventlichen Repertoire nicht mehr wegzudenken. Diese breite Rezeption spiegelt Beliebtheit und Qualität gleichermassen wider.
Für welchen Anlass wurde das Lied komponiert?
Pinggera: Pfarrer Georg Weissel schrieb den Liedtext in Anlehnung an Psalm 24 im Jahre 1623 zur feierlichen Einweihung der neu errichteten Altrossgärter Kirche der Pregelstadt, welche am 2. Sonntag im Advent stattfand. Einen Sonntag später wurde Weissel in dieser Kirche als erster Geistlicher installiert.
Das Kirchenlied bezieht sich auf Psalm 24 und beschreibt möglicherweise den Einzug der Bundeslade in den Jerusalemer Tempel. Was hat das mit dem Jesuskind zu tun?
Pinggera: Es geht um den «König», bereits in der israelitischen Liturgie eine Bezeichnung für Gott. Auch Jesus Christus galt spätestens seit den Passionserzählungen als «König». Die Reminiszenz an Jesu Einzug in Jerusalem ist offensichtlich.
«Im Übrigen kommt das Herz auch im Lied vor.»
Welche Bedeutung spielen die Motive Tür und Tor in Advents- und Weihnachtsliedern?
Pinggera: Johann Sebastian Bach hat in seiner Kantate zum 1. Advent «Nun komm der Heiden Heiland» (BWV 61) in einem Rezitativ eine beispiellos schöne Vertonung über die Offenbarungsworte bei 3,20 komponiert: «Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftut, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.» Gott will, dass wir die Türen unseres Herzens öffnen. Im Übrigen kommt das Herz auch im Lied vor.
Welchen Vers aus dem Lied finden Sie besonders gelungen?
Pinggera: Das ganze Lied ist gelungen. Verse 1 bis 4 gehören inhaltlich zusammen. Sanftmütig, barmherzig, Heil, Herz: All diese Worte sind sehr persönlich und ansprechend im besten Sinne. Die 5. Strophe ist eine Doxologie, mit ungewöhnlich paraphrasierenden und schönen Worten formuliert.
* Mario Pinggera ist Pfarrer von Richterswil und Dozent für Kirchenmusik an der Theologischen Hochschule Chur.
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