Kirche über Entlassungen bei ProtestInfo: «Es gab weder Zensur noch Vertuschungsabsicht»

Der Exekutivrat der Konferenz der reformierten Kirchen der Romandie (Cecer) äussert sich zur Entlassung von zwei Journalisten der Nachrichtenagentur ProtestInfo. Er weist die Vorwürfe aus einem Offenen Brief zurück und spricht von empörenden Vorgehensweisen der Journalisten.

(cath.ch) «Im Gegensatz zu einigen Interpretationen gab es weder Zensur noch die Absicht, Informationen zu vertuschen», teilt der Exekutivrat der Konferenz der reformierten Kirchen der Romandie (Cecer) mit (21. 10.2025). Er reagiert damit auf einen Offenen Brief, der von mehr als hundert Persönlichkeiten vor allem aus der protestantischen Medien- und Hochschulwelt unterzeichnet worden war. Darin heisst es, dass der Cecer mit der Entlassung der beiden Journalisten von ProtestInfo, Lucas Vuilleumier und Anne-Sylvie Sprenger, Mitte Oktober 2025 die Pressefreiheit verletzt habe.

Vorwurf gegen Kirche: Vertuschung von Missbrauch

Dem Offenen Brief zufolge steht ein Beitrag, der im Juli 2024 von der Nachrichtenagentur veröffentlicht wurde, im Mittelpunkt der Angelegenheit. Der Text beschuldigt einen Theologieprofessor der Universität Lausanne, in den 1990er Jahren eine Studentin missbraucht zu haben. Der Kanton Waadt sowie der Rat der reformierten Kirchen der Romandie (CER) hätten den Fall vertuscht, insbesondere indem sie das Schweigen des Opfers «erkauft» hätten.

Für die Unterzeichnenden des Briefes führte eine geplante Veröffentlichung einer neuen Publikation zu dieser Affäre zur Entlassung der Journalisten. Die Entlassung sei auf Druck eines Mitglieds des Cecer und des Synodalrats der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Waadt (EERV) getroffen worden, das dem beschuldigten Theologen nahestehe.

Kein Einzelfall?

Diese These weist der Arbeitgeber der Journalisten kategorisch zurück. Der Cecer «betont, dass die Entscheidung nicht das Ergebnis eines punktuellen Streits oder eines bestimmten Artikels ist, sondern das Ergebnis einer unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheit über die Art und Weise, wie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Partnern gepflegt werden sollen». Der Exekutivrat versichert, dass er «keinen Druck seitens der EERV oder einer anderen Mitgliedskirche erfahren hat».

Auch den Vorwurf eines Interessenkonflikts weist der Cecer zurück. Denn in dieser Sache habe sich eine Person mit doppelter institutioneller Verantwortung – innerhalb der EERV und der CER – für befangen erklärt und enthalten – so wie das die Regeln der guten Unternehmensführung und der Ethik der Institutionen verlangten.

Auch die Kritik der Verletzung der Pressefreiheit lässt das Gremium nicht auf sich sitzen. «Der Cecer habe Anfang Oktober um eine Publikationsverschiebung eines Artikels gebeten, um Zeit zu gewinnen und um zwischen den betroffenen Partnern ein Klima des Vertrauens und der Gelassenheit wiederherzustellen.» Er bestätigt aber, dass es dabei um eine Wiederaufnahme eines Themas ging, über das ProtestInfo bereits 2024 publiziert hatte.

Fragliche Ermittlungsmethoden

Die kirchlichen Behörden prangern speziell die Ermittlungsmethoden der Journalisten an. Dies geht aus einer Reihe von Dokumenten hervor, die an die Presse, darunter auch cath.ch, geschickt wurden. Darunter befindet sich ein Schreiben des Synodalrats der EERV an den Cecer vom 3. Oktober 2025.

Dessen Verfasser erklären, sie seien «empört über die Vorgehensweise zweier Mitarbeiter». Sie prangern «die kaum verhüllte Absicht an, die Gesprächspartnerin – übrigens Synodalrätin und Präsidentin der Conférence des Églises réformées romandes (CER) – in eine Falle zu locken, die nachträgliche Ausarbeitung offensichtlich voreingenommener Fragen, die die Vorurteile des Journalisten widerspiegeln, sowie die Äusserung von Drohungen, um Antworten zu erhalten…».

Von cath.ch dazu befragt, weist Anne-Sylvie Sprenger, Direktorin von Protestinfo dies zurück. Sie spricht von «falschen Anschuldigungen, die einer Verleumdung gleichkommen», was sie aber nicht überrasche. Lucas Vuilleumier seinerseits erklärt: «Unsere journalistischen Methoden zu kritisieren, lenkt nur von dem eigentlichen Thema ab: einer institutionellen Inkohärenz, die Ausgangspunkt meiner Untersuchung war und die mir nicht sachlich erklärt werden konnte.» Die Transparenz der reformierten Institutionen, zu der sie aufgerufen hätten, stehe nun nicht mehr zur Debatte.

Vertrauensbruch

Für die reformierte Kirchenbehörde Cecer ist «das Vertrauen endgültig zerbrochen», so die Mitteilung. Die Situation sei «strukturell unlösbar», «eine Sackgasse». Deshalb habe sie unter Wahrung der Würde der Personen und der vertraglichen Rahmenbedingungen ein Ende der Zusammenarbeit vorgeschlagen.

Er sehe keine Möglichkeit, diese Entscheidung zu überdenken, wie im Offenen Brief gefordert, sagt Paolo Mariani, Direktor von Médias-pro, gegenüber cath.ch. In einer Stellungnahme vom 21. Oktober hatte er geschrieben: «Entgegen einigen Medienberichten hat der Exekutivrat der Reformierten Kirchen niemals versucht, die Pressefreiheit in Frage zu stellen oder ProtestInfo Themen vorzuschreiben. Wäre dies der Fall gewesen, hätte ich mich mit derselben Entschlossenheit dagegen gewehrt, die mich seit jeher in der Ausübung meiner Tätigkeit leitet.»

Fortführung von ProtestInfo

Der Direktor von Médias-pro erklärt, dass «die derzeitigen Schwierigkeiten nicht auf redaktionelle Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen sind, sondern auf berufliche Praktiken, die das Vertrauen einiger Partner untergraben haben. Es wurden Beschwerden vorgebracht, und bestimmte Äusserungen wurden als unangemessen oder als Druckausübung empfunden. In einem solchen Klima kann kein gemeinsames Projekt langfristig bestehen.»

Paolo Mariani versichert cath.ch, dass die jüngsten Entwicklungen die Fortführung von ProtestInfo nicht in Frage stellen. «In den 25 Jahren seines Bestehens hat ProtestInfo die Bedeutung seiner Mission unter Beweis gestellt», versichert der Direktor von Médias-pro. (Übersetzt und adaptiert von rp).


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