Biografie und Glaube: Pastoraltheologe Alois Schifferle verstorben

Der bekannte Pastoraltheologe, Professor Alois Schifferle aus Leuggern im Kanton Aargau, ist vor kurzem 80-jährig in Troistorrents (Wallis) verstorben. Alois Schifferle hat mit seinem biografischen Ansatz die Pastoraltheologie neu belebt.

Stefan Leimgruber

Alois Schifferle ist ein Spätberufener. Geboren am 4. Juli 1945, just zu Ende des Zweiten Weltkriegs, absolvierte der Aargauer zunächst eine kaufmännische Verwaltungslehre und arbeitete auf diesem Beruf fünf Jahre lang, bis bei ihm der Wunsch nach vermehrter Bildung und wohl auch nach dem Priesterberuf geweckt wurde.

Lernte Karl Rahner kennen

Auf dem zweiten Bildungsweg holte er in Deutschland – im Friedrich-Spee-Kolleg in Neuss – die klassische Matura nach. Er studierte anschliessend Philosophie, Psychologie und vor allem Theologie an den Universitäten Münster in Westfalen und im österreichischen Innsbruck. Dort lernte er die grossen Theologen Karl und Hugo Rahner und die blühende Liturgiewissenschaft kennen.

Danach spielte Bischof Anton Hänggi in seinem Leben eine grosse Rolle. Dieser weihte Schifferle am 21. Juni 1981 in Solothurn zum Priester und gab ihm eine Seelsorgestelle in Bottmingen, sodass er die ersten praktischen Seelsorgeerfahrungen im Kanton Baselland machte.

Festschrift für Bischof Hänggi

Zum Dank widmete er Bischof Hänggi 1991 zum 75. Geburtstag die Festschrift «Miteinander. Für die vielfältige Einheit der Kirche», hatte der Bischof von Basel doch sein bischöfliches Wirken unter das Leitmotiv «ut unum sint» (dass alle eins seien) (Johannesevangelium 17,21) gestellt.

Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts hat sich in der Praktischen Theologie der evangelischen und katholischen Konfession die Rede von der «biografischen Pastoral» verstärkt. Die Theologie wird vermehrt situiert in den Lebensgeschichten christlich inspirierter Menschen gesehen. In der Verkündigung wird Rücksicht genommen auf das Alter und die Situation der Adressaten, um so der Botschaft die nötigen Akzente zu geben.

Christlicher Glaube ist ein persönlicher Glaube

Auch Schifferle war überzeugt, dass christlicher Glaube letztlich ein persönlicher Glaube sei und die Weitergabe des Glaubens vorwiegend über persönliche Beziehungen läuft, nicht primär durch Einsicht. Dies bezeugen die grossen werkgeschichtlichen Biographien von Alois Schifferle.

Er hat einer breiten Öffentlichkeit den Konzilsinterpreten Mario von Galli, einen «Brandstifter des Geistes», erschlossen (1994 und 2001) wie auch den Konzilstheologen Franz Kardinal König (1995), der als erster katholischer Bischof an der Al-Azhar Universität in Kairo vor muslimischen Studierenden sprechen durfte, weil er die grossen Religionen im Gefolge des Konzils (Nostra aetate) neu gewichtete und in ihnen «Strahlen der Wahrheit» erkannte.

Zuerst am Kathechetischen Institut in Luzern

Seine Lehrtätigkeit hat Alois Schifferle 1986 am Katechetischen Institut in Luzern begonnen, wo er zu der Feier der Sakramente und über die moderne plurale Gemeinde gesprochen hat. Zuvor war er 13 Jahre Studierendenseelsorger im Fribourgischen Salesianum.

1996 folgte der Ruf an die Theologische Hochschule Chur, die ihm neben der Praktischen Theologie auch die Homiletik, also, die Kunst des Predigens auferlegte. Von 1998 bis 2011 war Alois Schifferle Professor für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt, davon Dekan der Fakultät von 2001 bis 2005.

Traditionalismus und Fundamentalismus

 Zu den Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählten für ihn besonders Themen wie die Pfarrei als Gemeinde und Sakramentenpastoral, Traditionalismus und Fundamentalismus sowie die Kommunikationspastoral und Pastoralpsychologie. Desweiteren beschäftigten ihn die Diakonie als gesellschaftliche Relevanz praktischer Theologie, Krankenseelsorge, Gesprächsseelsorge und Krisenberatung.

Ferner hat er die homiletische Ausbildung begleitet. In Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut der Universität Freiburg arbeitete er an dem Projekt zur «Untersuchung zur Lebens- und Studiensituation sowie zur subjektiven Sicht von Religion und Gerechtigkeit bei Studierenden».

Nun ist seine Stimme verstummt und nicht mehr zu hören. In Troistorrents im Wallis hat er seine letzten Jahre in einem Alterszentrum verbracht und viele verschiedene Besuche von Verwandten, Mitstudierenden und Bekannten erhalten. Demenz machte ihm zu schaffen. Die letzten Monate war er auf den Rollstuhl angewiesen. Am 3. September schied er in Basel aus dem Leben.


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