Brigitte Fischer Züger: «Wir Bischofsrätinnen wollen Frauen vernetzen und fördern»

Vor vier Jahren kamen Brigitte Fischer Züger und Flurina Cavegn ins oberste Leitungsgremium des Bistums Chur, den Bischofsrat. Sie fanden: «Das muss gegen aussen spürbar sein». Und starteten Netzwerktreffen für Frauen. Beim nächsten ist Helena Jeppesen-Spuler zu Gast.

Regula Pfeifer

Frau Fischer, Sie laden für den Samstag, 23. August, zum dritten Begegnungstag für Theologinnen und Religionspädagoginnen im Bistum Chur. Wie ist es zu diesen Treffen gekommen?

Brigitte Fischer Züger: Die Seelsorgerin Flurina Cavegn und ich laden zu diesem Begegnungstag ein. Denn als wir vor vier Jahren Bischofsrätinnen wurden, sagten wir: Wir möchten Frauen fördern, zusammenbringen und vernetzen.

Weshalb das?

Fischer: Es war mein Anliegen: Wenn wir zwei Theologinnen nun schon im Leitungsgremium des Bistums, dem Bischofsrat, sind, muss das doch nach aussen spürbar sein – auch bei unseren zahlreichen Mitarbeiterinnen in den Pfarreien. Die Idee des Begegnungstags für Frauen stellten wir den anderen im Bischofsrat und auch dem Bischof vor. 

«Wir wollen Begegnungen ermöglichen mit Frauen, die wir spannend finden und die uns etwas mitgeben können.»

Das kam offenbar gut an…

Fischer: Ja, und uns war gleich klar, dass wir die verschiedenen Bistumsregionen berücksichtigen wollten. Denn unser Bistum ist relativ gross. So ist der Anlass jeweils für die einen etwas näher und für die anderen weiter entfernt. Wir wollten Begegnungen ermöglichen mit Frauen, die wir spannend finden und die uns etwas mitgeben können.

Wer war das die ersten beiden Male?

Fischer: Die erste Begegnung organisierten wir mit Schwester Ingrid Grave vom Dominikanerinnenkloster Ilanz. Die zweite fand im Benediktinerinnenkloster Fahr statt. Wir wollten erfahren, wie es ist, wenn sich die Priorin Irene Gassmann für die Gleichstellung von Frauen einsetzt. Und wir erfuhren, wie und wofür das Gebet vom Donnerstag steht und wie sich die Oblatin Jeannine Kosch engagiert. Anschliessend tauschten wir uns aus, wie immer an diesen Treffen.

«Wir möchten von Helena Jeppesen mehr über die Frauensolidarität an der Weltsynode erfahren.»

Am kommenden Begegnungstag vom 23. August tritt Helena Jeppesen-Spuler auf, weshalb?

Fischer: Ich hatte sie an einem anderen Anlass erlebt. Da sagte sie: Was ihr an der Weltsynode besonderen Eindruck gemacht habe, sei die Frauensolidarität unter den Teilnehmerinnen gewesen. Als ihre Anliegen erst nicht zur Sprache kommen sollten, wehrten sie sich gemeinsam und verlangten Gehör – mit Erfolg. Wir möchten nun von Helena Jeppesen-Spuhler mehr darüber erfahren. Danach fragen wir uns, was wir aus den Erfahrungen der Weltsynode lernen können. Und tauschen uns über Erfahrungen mit Frauensolidarität im Bistum aus.

Werden die Resultate der Gespräche in den synodalen Prozess einfliessen?

Fischer: Die Anliegen, die an diesem Tag aufs Tapet kommen, werde ich in den Bischofsrat des Bistums Chur einbringen. Der synodale Prozess ist ja nicht abgeschlossen, er hat erst angefangen auf Bistumsebene.

…und auch auf Ebene Weltkirche – mit der geplanten synodalen Versammlung in Rom im Oktober, an der auch Delegierten aus der Schweiz anreisen werden…

Fischer: Genau, aktuell warten wir auf die Berichte aus den Arbeitsgruppen im Vatikan. Da ist auch Helena Jeppesen aktiv. Unsere Idee ist, dass wir vom Bistum Chur sie darin unterstützen möchten, sie kann dann auf unsere Solidarität zurückgreifen.

Wie wollen Sie Helena Jeppesen unterstützen?

Fischer: Das fragen wir dann die Teilnehmerinnen. Und wir fragen Helena Jeppesen, was sie von uns erwartet. Gibt es etwas, das wir ihr als Frauen in der Kirche mitgeben können?

Weshalb geht die Einladung für den Begegnungstag jeweils ausschliesslich an Theologinnen und Religionspädagoginnen?

Fischer: Dafür gibt es einen rein praktischen Grund: Wir haben diese Frauen, die eine Missio des Bistums erhalten haben, in unserer Adresskartei drin. Aber auch Stellenleiterinnen sind eingeladen und ausserdem dürfen die Eingeladenen weitere Frauen mitbringen, die ebenfalls für die Kirche arbeiten. Es kommen jeweils um die 20 Frauen. Von jenen, die absagen, hören wir oft, dass sie die Treffen toll finden, aber leider an jenem Samstag in der Pfarrei beschäftigt seien oder sonst schon besetzt sind.

Für den Samstag in einer Woche hat sich eine weitere Bischofsrätin angemeldet. Ich sage jeweils: Komm doch auch, es ist wichtig, dass wir Frauen uns solidarisieren und ein Zeichen setzen, dass wir nicht allein sind.

«Wir haben im Bischofsrat eine gute Frauenquote – wir sind vier Frauen und sieben Männer.»

Wie viele Frauen sind aktuell im Bischofsrat vertreten, dem Beratungsgremium des Bischofs von Chur?

Fischer: Wir haben eine gute Frauenquote – wir sind vier Frauen und sieben Männer. Wir machen manchmal Witze und sagen: Das Bistum Chur ist im Vergleich zu den anderen Bistümern gut in der Quote. Das ist schon speziell, denn das war lange Zeit überhaupt nicht so.

«Die Frauen finden es toll, einen Anlass nur für Frauen zu haben.»

Was haben diese Treffen bewirkt?

Fischer: Die Frauen finden es toll, einen Anlass nur für Frauen zu haben, dieses Feedback erhalten wir immer wieder. Im Bistum arbeiten ja viele Frauen, in den Pfarreien und auch in Leitungspositionen. Umgekehrt gibt es ja auch Anlässe für Männer wie z.B.  die Priesterwallfahrt, zu welcher der Bischof einmal pro Jahr einlädt. Mir ist es ein grosses Anliegen, die Frauen im kirchlichen Dienst miteinander zu vernetzen.

Weitere Informationen zum Begegnungstag in Altendorf SZ.


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