Das umstrittene Kunstwerk «Saint or Sinner» von Mason Strom, das ab dem 6. September in der Galerie «Gleis4» am Bahnhof in Basel den US-Präsidenten Trump am Kreuz zeigt, sorgt weiterhin für Empörung. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der selbst Künstler und Kunstvermittler ist, verurteilt das Kunstwerk scharf.
Wolfgang Holz
«Ich finde das Werk des Briten Mason Storm, das angeblich bereits in Wien gezeigt wurde, schlichtweg abartig. Daran ist einfach nichts erkennbar, was nur irgendwie Sinn machen würde», kritisiert Bischof Hermann Glettler gegenüber kath.ch.
«Oder möchte man die Machtgier des egomanen Dealmakers aus Washington noch mit dem zentralen christlichen Symbol steigern? Trump als Erlöser ans Kreuz geschnallt oder als Märtyrer in den orangen Klamotten eines Häftlings kurz vor der Hinrichtung? Ja, bitte, geht’s noch?!», empört sich der 60-jährige Geistliche, der seit 2017 Diözesanbischof von Innsbruck ist.
Bischof Glettler kennt sich aus in Sachen Kunst. Er schätzt auch provokante Kunst. Denn Glettler ist auch als Künstler und Kunstvermittler bekannt geworden. Seine private Homepage listet Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 1999 auf.
In der neu gestalteten St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin schuf Glettler 2024 beispielsweise eine bemerkenswerte Kapellengestaltung mit dem Titel «crossfit», die aus rund 300 kleinen Kreuzen besteht.
Die Kreuze wurden vor ihrer Kremation von Särgen abgenommen und stehen sinnbildlich für namenlose, oft vergessene Verstorbene. Die Installation zeige damit ein filigranes Netz, das Tod und Solidarität, Verzweiflung und Hoffnung thematisiere, beschreibt der Bischof sein Werk auf seiner Homepage.
Über Tirol hinaus bekannt wurden die Kunstinterventionen mit zeitgenössischen Kulturschaffenden in der Fastenzeit seit 2018. Zu reden gab dabei vor allem der Beitrag 2023: Bischof Glettler liess die Fotoinstallation «Schweineherz mit Gummiring» von Peter Garmusch in der Innsbrucker Spitalskirche als Fastentuch aufhängen.
Doch zurück zu Mason Storms «Saint or Sinner?» mit Trump am Kreuz. Damit kann Bischof Glettler wirklich überhaupt nichts anfangen. Er verurteilt daran insbesondere den despektierlichen Umgang mit religiösen Symbolen. «Oder möchte man etwa die obsessive Selbstüberschätzung, die Trump täglich unter Beweis stellt, auf eine ironische Ebene heben? Wenn schon, dann bleibt die Frage, mit welchen Mitteln?»
Leider sei an diesem Ding, das ab dem 6. September am Basler Bahnhof zu sehen sein werde, so der Geistliche und Künstler, «alles, aber tatsächlich alles, eine spekulative Geschäftsmache, die jede Form der Achtsamkeit vor religiösen Symbolen verloren hat. Wirklich verwerflich ist die Spekulation mit der erhofften Empörung derer, die an die Botschaft Jesu und an seine befreiende, absolut gewaltfreie Hingabe am Kreuz glauben. Dem widerspricht in fast allen Belangen die aktuelle Performance des Präsidenten der Vereinigten Staaten, dessen Unberechenbarkeit und Lügenkonstrukte vermutlich noch weiteres Unheil anrichten werden.»
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https://www.kath.ch/newsd/bischof-glettler-findet-kunstwerk-mit-trump-am-kreuz-schlichtweg-abartig/