«Ein Geschenk Gottes»: Ursulinen feiern Zeitliche Profess von zwei jungen Mitschwestern

Die Ursulinen-Gemeinschaft in Sitten hat vor kurzem die Zeitliche Profess von zwei jungen Mitschwestern gefeiert – erstmals seit 40 Jahren. Sie hat hohe Erwartungen in die beiden jungen Frauen, die aus Vietnam stammen und sich in Sitten zu Ordensfrauen ausbilden.

Bernard Hallet (cath.ch)

«Das haben wir seit 40 Jahren nicht mehr erlebt!», sagte Schwester Marie Gabrielle, Oberin der Ursulinen in Sitten, gegenüber cath.ch. Ende Juli feierten zwei junge Frauen die Zeitliche Profess in der Kapelle ihrer Gemeinschaft – unter Anwesenheit von rund 150 Personen.

Leibliche Schwestern

Es sind zwei leibliche Schwestern aus Vietnam, welche die Ordensgemeinschaft nun verjüngen: Marie-Pierre Nguyen Thi Thao (31) und Marie-Paule Ngujen Thi Hien (29). Die beiden sind bei der Professfeier von den 22 Mitschwestern offiziell begrüsst worden. Die Ursulinen von Sitten setzen hohe Erwartungen in ihre neue Mitschwestern. Denn 15 von ihnen zwischen 79 und 99 Jahre alt. «Es ist ein unerwartetes Geschenk Gottes», sagte denn Oberin Marie Gabrielle gegenüber cath.ch.

Schwester Marie-Pierre und Marie-Paul sind im Juli 2021 in die Schweiz eingereist, haben erst ein Jahr intensiv französisch gelernt, dann ein Jahr Postulat und zwei Jahre Noviziat in Sitten absolviert. Dabei haben sie auch eine Katechese-Ausbildung angefangen und Seelsorge-Praktika im Spital Sitten gemacht.

Kontaktaufnahme über Facebook

Die beiden jungen Frauen haben 2018 über eine Freundin von der Gemeinschaft der Ursulinen in Sitten erfahren. Über Facebook nahmen sie Kontakt auf. Was sie erfuhren, beeindruckte sie. Es dauerte zwei Jahre, bis sie das Visum für die Schweiz erhielten. Das war im März 2020, als sich die Covid-Pandemie weltweit ausbreitete. Ihre Eltern sahen darin ein schlechtes Zeichen und versuchten vergebens, sie vom Plan abzubringen.

Ihre Berufung verspürt haben die beiden Schwestern bereits im Alter von acht oder neun Jahren, wie sie gegenüber cath.ch erzählten. Sie hätten aber nicht miteinander darüber gesprochen, denn in Asien spreche man nicht über Gefühle. Doch gemeinsam haben sie an Berufungstreffen teilgenommen, die ihre Diözese organisierte. Ab dem Alter von 11 und 13 Jahren nahmen sie jeden Sommer an drei- bis fünftägigen Exerzitien teil, welche Dominikanerinnen und Visitationsschwestern ihrer Region anboten.

Studium in Hanoi

Später nahmen die beiden ein Studium in Hanoi auf. Marie-Pierre studierte sechs Jahre traditionelle vietnamesische Medizin und Marie-Paule vier Jahre Psychologie. «Am Ende unseres Studiums waren wir uns über unsere Berufung zum Charisma der Ordensgemeinschaften noch nicht im Klaren», sagte Marie-Paule. Dann kam der Tipp bezüglich der Ursulinen in Sitten.

Aufgewachsen sind die beiden Schwestern im Norden Vietnams in einer gläubigen Familie mit fünf Kindern, die täglich morgens und abends die Messe besuchte.

Geplant ist, dass die beiden vietnamesischen Ordensfrauen ihre Ausbildung in Sitten abschliessen. Nach drei Jahren werden sie voraussichtlich ihre Gelübde erneuern und weitere zwei Jahre später die ewigen Gelübde ablegen. (Aus dem Französischen übersetzt und adaptiert von rp.)


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