Kunst in Kirche: Luzerner Peterskapelle wird zum offenen Mal-Atelier

Drei Wochen lang öffnet die Peterskapelle in Luzern ihre Türen für alle, die Raum für Ruhe und kreatives Arbeiten suchen. In Zeiten digitaler Überforderung, sozialer Beschleunigung und emotionaler Isolation will das Format einen bewussten Gegenpol setzen.

Jacqueline Straub

Die Luzerner Peterskapelle ist bekannt für ihren offenen Charakter. Sei es eine Kunstaktion, bei der statt Glockengeläut ein Handyklingeln von der Kapelle erschallt, oder eine queere Bibel, entworfen von Mentari Baumann, Geschäftsführerin der kirchlichen Reformbewegung «Allianz Glaubwürdig Katholisch», und dem Theologen Meinrad Furrer.

Nun wurde die Peterskapelle zu einem offenen Atelier umgewandelt. Vom 23. Juli bis 15. August 2025 ist sie ein «Open Studio», wie es in einer Mitteilung heisst. Es ist ein freies, offenes Atelier für alle, die malen, skizzieren oder einfach nur an einem langen Tisch sitzen möchten, heisst es weiter. Es ist ein niedrigschwelliges Kulturangebot, das bewusst auf Programm, Anmeldung oder Anleitung verzichtet.

Das Ziel dieser Aktion ist es, «einen zugänglichen Raum für stilles Arbeiten, Begegnung und kreative Selbstverbindung zu schaffen», so die Mitteilung. Und das mitten in der belebten Luzerner Innenstadt und mitten im oftmals hektischen Alltag. Das Projekt richtet sich an Passantinnen, Touristen, Einheimische, Jugendliche wie Seniorinnen und Senioren – und versteht sich als Einladung zur kollektiven Entschleunigung in einer digital durchdrungenen Zeit.

«Wir wollen herausfinden, was entsteht, wenn Menschen einfach anfangen dürfen – ohne Ziel, ohne Bewertung», wird Anna Miller, Autorin, Psychologin und Initiatorin des Projekts, in der Mitteilung zitiert. «Die Idee ist einfach: Wir stellen Papier, Pinsel, Farben zur Verfügung. Wer kommt, ist willkommen. Wer geht, auch.» Dabei komme es nicht darauf an, ob man glaube oder nicht. Die Kirche, so Miller, solle sich immer stärker als leistungsfreier Raum begreifen, wo Menschen aller Hintergründe willkommen sind, sich geborgen fühlen und erschaffen dürfen – jenseits von kapitalistischer und digitaler Wachstumslogik.

Die Peterskapelle will mit dem Open Studio auf eine wachsende gesellschaftliche Sehnsucht nach stiller Verbindung und analogen Erfahrungsräumen reagieren. In Zeiten digitaler Überforderung, sozialer Beschleunigung und emotionaler Isolation setzt das Format einen bewussten Gegenpol: Kreativität als soziale Ressource, nicht als Leistung. «Viele Menschen suchen nach Ruhe, ohne allein sein zu wollen. Das Open Studio ist genau für diese Zwischenräume gedacht», so Miller.

Die Peterskapelle stellt den Raum kostenlos zur Verfügung, die Materialien werden laufend ergänzt, der Raum betreut – doch im Zentrum steht die Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden.


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