Es gibt kein schöneres katholisches Fest, wenn wie heute auf dem Landsgemeindeplatz in der Stadt Zug unter wolkenlosem Himmel, bei strahlender Sonne und windstillem See von zahlreichen Gläubigen Fronleichnam gefeiert werden kann. Zugs Domherr Reto Kaufmann gestaltete die Feier festlich-sakral und unterhaltsam zugleich. Dabei kam ihm auch eine spontane Idee in den Sinn.
Wolfgang Holz
Angeführt von zahlreichen Erstkommunikantinnen und Erstkommunikanten zog die Fronleichnamsprozession am frühen Morgen mit den Pfarrern und Seelsorgern der vier Zuger Pfarreien von der Liebfrauenkapelle durch die Zuger Altstadt zum Landsgemeindeplatz.
Dort wurde die Prozession von zahlreichen Gläubigen, von Kirchenchören und der Blasmusik lautstark empfangen, und in die laue sommerliche Morgenluft mischte sich alsbald der Geruch von Weihrauch. Es war nicht zu übersehen, dass die Stadt Zug trotz ihrer grossen Internationalität als Domizil für «Ex-Pats» aus allen Herren Ländern noch immer tief im Herzen eine sehr katholische Stadt mit ihren Traditionen geblieben ist.
Denn nach den Pfarrern und Seelsorgenden folgten in der Prozession unmittelbar nicht nur die politischen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Zug. Auch Trachtenfrauen mit buntgeschmückten Blumenkörben riefen die ländliche Verwurzelung der Stadt ins Bewusstsein.
Und doch begann die Fronleichnamsmesse nach dem Kreuzeszeichen und der Begrüssung durch Reto Kaufmann, Zuger Domherr und Pfarrer von St. Michael, überraschenderweise zuerst einmal auf Englisch. Katechetin Shannon Poltera von der englischsprachigen «Good Shepherd»-Gemeinde der Pfarrei Guthirt trug zuerst die Lesung vor. Dann las Pfarrer Kurt Schaller von der Pfarrei Guthirt das Lukas-Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung durch Jesus vor, in dem dieser fünf Brote und zwei Fische für eine Massenspeisung vervielfachte.
Das Thema Brot in Gestalt des geheiligten Brotes, in der Jesus unter den Gläubigen nicht nur an Fronleichnam, sondern in jeder Eucharistiefeier für die Christen präsent ist, nahm Domherr Reto Kaufmann auch in seine Predigt auf.
«Er, Christus, ist im geheiligten Brot mitten unter uns», machte er die zentrale Botschaft von Fronleichnam verständlich. Wobei er zu Beginn seiner Predigt auf die Bedeutung der mittelhochdeutschen Begriffe «Vron» und «Leichnam» einging, die so viel wie den lebendigen Leib des Herrn bedeuteten. Dass man an Fronleichnam den Gottesdienst im Freien feiere, habe damit zu tun, dass Jesus in aller Öffentlichkeit gewirkt habe und nicht nur in die Kirche gehöre. «Der Glaube geht in die ganze Gesellschaft.»
Reto Kaufmann liess sich in seiner Ansprache dann so durch die sommerliche Atmosphäre der Zuger Hafenszenerie inspirieren, dass er den Gläubigen spontan empfahl, doch auch einmal ein Pedalo-Boot beim örtlichen Bootsanbieter auszuleihen, der sich direkt hinter dem provisorischen Altar befand. Dabei kam ihm in den Sinn, vielleicht irgendwann von einem Boot aus auf dem Zugersee zu predigen. «Auch Jesus hat ja viele Predigten auf dem See gehalten.»
Nicht zuletzt kam er im übertragenden Sinn auf den sättigenden Charakter des Brotes zu sprechen. Niemand im Kanton Zug und anderswo solle hungern müssen. Sagte es und informierte die Gläubigen, dass man die Fronleichnamskollekte dieses Mal für die Gemeinde Blatten verwende, die durch den Bergsturz verwüstet wurde. «Die Menschen, die dort alles verloren haben, haben unsere Hilfe besonders nötig.»
Ein Appell, der sichtlich fruchtete. In den später herumgereichten Kollektenkörbchen raschelten hörbar Geldscheine. Im Hochgebet gemahnte Bernhard Lenfers, Gemeindeleiter von der Zuger Pfarrei St. Johannes, dass auch der «Hunger nach Frieden» unter den Menschen nicht nachlassen dürfe.
Zuvor hatten Erstkommunikantinnen und Erstkommunikanten Schalen mit Hostien zum Altar gebracht, die dann in geheiligtes Brot verwandelt wurden – in die Gestalt und Gegenwart des für gläubige Christen erfahrbaren Leibes Christi eben.
Am Schluss der Fronleichnamsmesse, während der die Temperaturen immer hochsommerlicher anmuteten, verkündete Kirchenratspräsident Patrice Riedo nicht nur, dass Zug im nächsten Jahr das 600-jährige Jubiläum der Zuger Landeswallfahrt nach Maria Einsiedeln feiert. Er wies auch auf den Apéro unmittelbar nach dem Gottesdienst auf dem Landsgemeindeplatz hin.
Während Domherr Reto Kaufmann inmitten der Prozession dann zuerst noch die Monstranz mit der geheiligten Hostie zurück zur Liebfrauenkapelle trug, labten sich erste Gläubige dankbar an den bereits aufgetischten Brötchen und erfrischenden Getränken. Apéros gehören in Zug wohl zur Fronleichnams-Tradition. «Auch wenn man sich den Apéro erst verdienen muss», betonte Reto Kaufmann.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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