Frust, schlechte Laune, Streitereien sind nicht unalltäglich in der katholischen Kirche. Umso schöner ist es, dass es noch Seelsorgende gibt, die mit Leidenschaft und Herz sich um die Gläubigen in den Pfarreien kümmern. Einer, der für volle Kirchenbänke sorgt und gerne mit Menschen im Kontakt steht, ist, Diakon Edmond Egethoe.
Wolfgang Holz
«Hallo, hier ist Edmond», tönt es sympathisch aus dem Telefonhörer der Pfarrei Hitzkirch im Luzernischen. Ohne dass er sein Gegenüber am anderen Ende der Leitung kennt, stellt der 32-jährige Diakon mit der Nennung seines Vornamens sofort einen einladenden Kontakt zu seinem Gesprächspartner her. Man fühlt sich sofort persönlich aufgenommen.
Kein Wunder, dass ihn die Gemeindemitglieder In der Pfarrei Hitzkirch, wo der Diakon seit letzten August beschäftigt ist, längst ins Herz geschlossen haben – wie nicht nur die vollen Kirchenbänke während seinen Gottesdiensten bezeugen, sondern auch ein aktueller Leserbrief im «Seetaler-Bote».
«Mit seinem fröhlichen, ehrlichen und gläubigen Auftreten hat er es in kurzer Zeit verstanden, die Kinder, die Jugendlichen, die Erwachsenen und sogar die älteren und alten Leute wieder für die Kirche zu überzeugen. Kurz gesagt: Die Leute gehen wieder in die Kirche!», lobt der Leserbriefschreiber den Seelsorger Edmond Egethoe, der 2018 zum Diakon geweiht wurde.
Der Grund für den Leserbrief ist, dass es die Katholikinnen und Katholiken im Hitzkirchertal sehr bedauern, dass ihr sympathischer Seelsorger zum Ende September demissioniert, weil ihn das Bistum Basel in eine andere Pfarrei entsenden will.
Offiziell wird dies seitens des Bistums damit begründet, dass für den angehenden Priester die Ausbildungsbegleitung in Hitzkirch nicht mehr gewährleistet sei, weil zwei andere Pastoralpersonen zum Ende Juli ebenfalls demissionieren. Da Edmond Egethoe sich noch in Ausbildung befinde, sei für ihn eine entsprechende Begleitung erforderlich.
Im 2021 errichteten Pastoralraum Hitzkirchertal herrscht schon längere Zeit Unruhe. Im vergangenen Sommer wurde eine Petition eingereicht, in welcher die hohe Personalfluktuation kritisiert wurde, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. Die Kirchgemeinde Hitzkirch ist eine der insgesamt 85 Kirchgemeinden des Kantons Luzern. Zusammen mit den drei Kirchgemeinden Aesch-Mosen, Müswangen und Schongau gehört sie zum Pastoralraum Hitzkirchertal.
«Ich bin sehr gerne im Kontakt mit Menschen.»
«Ich bedauere natürlich, dass ich Ende September das Hitzkirchertal wieder verlassen muss», sagt Edmond Egethoe gegenüber kath.ch. Die Pfarrei Hitzkirch und der ganze Pastoralraum seien schöne Orte mit viel Potenzial und vielen Freiwilligen und böten grosse Chancen, um den Glauben miteinander zu leben. «Ich bin sehr gerne im Kontakt mit Menschen», verrät er seine Motivation, warum ihm sein Beruf als Seelsorger so erfülle und so viel Spass mache.
Die Zusammenarbeit mit der Pastoralraumleitung und allen Mitarbeitenden im Pastoralraum habe er als wertvoll und bereichernd erlebt: «Ich durfte viel lernen, profitieren und begegnete dabei stets einem wohlwollenden und herzlichen Miteinander.»
Er erfahre im gegenseitigen Kontakt mit Menschen, dass einem immer geholfen werde. «Das ist sehr bereichernd für alle Beteiligten», sagt der Diakon, der eigentlich aus Ungarn stammt und im Internat in Salem am Bodensee und im Sprachlichen Gymnasium und Internat in Subotica zur Schule ging – bevor er mit 17 an die Universität Gregoriana in Rom wechselte. Beim Abschied von seiner letzten Stelle in St. Wolfgang im Thal im Solothurnischen habe er deshalb die Worte gewählt: «Ich habe von hier mehr mitgenommen, als ich selbst gegeben habe», erzählt Egethoe.
Apropos. Auch in St. Wolfgang im Thal bedauerten es die Gläubigen sehr, dass Ihr Diakon sie nach gut drei Jahren wieder auf Geheiss des Bistums verlassen musste. Um seine Versetzung nach Hitzkirch zu verhindern, sammelten Gläubige 2023 mittels einer Petition sogar 300 Unterschriften und schickten sie an Bischof Felix Gmür. Am Ende musste er auch dort wieder gehen. Egethoe kann andererseits die Verantwortung des Bistums verstehen, welches dafür Sorge tragen müsse, dass die Seelsorge überall in der Diözese personell gewährleistet werden könne.
«Es braucht gleichwohl immer wieder Emotionen für den Dienst und die Berufung», sagt Egethoe, der den Weggang aus St. Wolfgang im Thal ebenfalls bedauerte, weil er dort so viele Bekannte und Freunde gefunden habe. «Es ist nicht immer einfach. Das Wichtigste ist stets das Vertrauen in die Menschen.» Wobei es im Herzen eines jeden immer wieder Platz gebe, neue Menschen kennen zu lernen.
«Der Diakon wirkt nahbar, ist charismatisch und scheint eine aufrichtige Freude an seiner Tätigkeit zu haben. Was im Gespräch immer wieder Thema ist, sind die Menschen. Für ihn sei immer klar gewesen, dass er mit Menschen arbeiten will. So bezeichnet Egethoe sich selber nicht als «Gesandter des Vatikans, sondern als Gerufener der Menschen» – so wurde Egethoe damals In der «Solothurner Zeitung» charakterisiert.
Egethoe persönlich gibt der Glaube zu Gott «Kraft, Mut und Hoffnung» – damit der göttliche Funke auch auf andere überspringen könne. «Man muss die Welt, die man sich wünscht, zuerst in sich selbst verwirklichen, sonst wirkt es unglaubwürdig für andere», ist der junge Diakon überzeugt. Dass er irgendwann noch zum Priester geweiht wird, ist für ihn durchaus denkbar und wünschenswert. Er könnte es sich aber auch vorstellen, Diakon zu bleiben, meint er bescheiden.
Dass es heutzutage nur noch wenige Priesterkandidaten gebe, hat aus seiner Sicht auch damit zu tun, «dass vielleicht noch ein Bild vom Glauben und von der Kirche verbreitet werde, das mit Strenge und persönlichen Anforderungen an den Einzelnen verbunden ist. Viele Menschen haben früher schon im Religionsunterricht erlebt, dass viel von Gläubigen verlangt wird», so Egethoe.
Erwartungen, an denen so mancher gescheitert sei. Dabei ist es für Edmond Egethoe klar, dass Glaube, Kirche und Religion den Menschen vor allem etwas schenken würden. «Die Aufgabe der Kirche ist es, auf die Menschen zuzugehen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen und ihre Fragen zu beantworten.»
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