Auf das erste Opfer namens Alexandre haben rund ein Dutzend weitere erwachsene Personen von Missbrauch in der Walliser Missionsschule in Saint-Gingolph berichtet. Zwei Anzeigen sind vor Gericht eingegangen, eine unabhängige Untersuchung läuft.
Seit Alexandre am 21. März auf «Canal 9» über den erlittenen Missbrauch berichtet hat, sind mindestens ein Dutzend Meldungen über sexuellen Missbrauch, Misshandlungen und Gewalt in der Missionsschule Saint-Gingolph eingegangen. Das berichtet jüngst die Zeitung «Le Nouvelliste». Saint-Gingolph befindet sich im Bezirk Monthey im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis.
Die Verantwortlichen der Kongregation vom Heiligen Geist in der Schweiz, der die seit 1986 geschlossene Schule gehört, haben inzwischen zwei Anzeigen bei der Walliser Staatsanwaltschaft eingereicht. Die zuständige Generalstaatsanwältin leitete am 8. April eine Untersuchung ein, ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt. Die Polizei hat damit begonnen und den ersten Zeugen, Alexandre, vor kurzem vernommen.
Die eine Anzeige bei der Walliser Staatsanwaltschaft richtet sich gegen den Mann, der mutmasslich Alexandre missbraucht hat. Dieser ist laut der Zeitung 2010 verstorben.
Bei Alexandre haben sich weitere Betroffene von sexuellem Missbrauch und Gewalt gemeldet, die vom selben Pater missbraucht wurden. Vier von ihnen tauschen sich über das Erlittene aus, wie «Le Nouvelliste» berichtet. Demnach nutzte der Pater seine Stellung als Verantwortlicher für die schulische Krankenstation aus und drängte einen der damaligen Jungen zu Zärtlichkeiten, Masturbation und sexuellen Handlungen. Ein anderer wurde vom Priester heftig auf den Boden geschlagen, so dass er den Vorderzahn verlor.
Die Betroffenen berichten weiter, dass die Übergriffe bei ihnen zu Schlaflosigkeit, Traumatisierung und Selbstmordversuchen geführt hätten.
Laut der Zeitung beweisen vertrauliche Dokumente, dass das Fehlverhalten der Ordensleitung bekannt war. Er musste die Schule verlassen, aber es wurde keine Strafanzeige gegen ihn eingeleitet. Ausserdem soll es zuvor mit dem Ordensmann auch in Zentralafrika Konflikte gegeben haben, der später nach Senegal auswanderte.
Die Verantwortlichen der Heilig-Geist-Kongregation rufen Betroffene auf, sich zu melden. Sie haben laut Zeitung einen unabhängigen, professionellen Ermittler mit der Untersuchung der Missionsschule und ihrer Gemeinschaft in der Schweiz beauftragt. Ihre Archive haben sie auch den Forschenden Universität Zürich geöffnet, die den Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz historisch aufarbeiten.
Die zweite Anzeige, die bei der Walliser Staatsanwaltschaft eingegangen ist, betrifft einen ehemaligen, nun pensionierten Schulleiter, der in den Räumen der Schule wohnt. Er soll sich gegen ein Kind in seiner Familie vergangen haben, aber ausserhalb der Schule. Dies in einem anderen Kanton, weshalb die Staatsanwaltschaft den Fall dorthin weiterleitete. (rp)
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