Die letzte Ordensfrau des Klosters Wonnenstein will sich nicht damit abfinden, dass sie keinen Zugriff auf ihr Privatvermögen hat. Scolastica Schwizer zieht das Urteil des Bezirksgerichts ans Kantonsgericht weiter. Zum Streit über ihren Verbleib im Kloster sagt sie: «Ob ich bis zu meinem Tod in Wonnenstein bleiben will, hängt davon ab, was hier weiter geschieht.»
Barbara Ludwig
Im Oktober vergangenen Jahres unterlag Schwester Scolastica Schwizer im Prozess vor dem Bezirksgericht des Kantons Appenzell Innerrhoden gegen den Verein Kloster Wonnenstein. Dieser Verein bildet seit 2014 die Trägerschaft des Kapuzinerinnenklosters Wonnenstein, in dem nur noch Scolastica Schwizer, auch Schwester Scholastika genannt, lebt.
Die Kapuzinerin hatte erfolglos die Herausgabe ihres Privatvermögens verlangt, rund 56’000 Franken zuzüglich Zins. Das Bezirksgericht wies ihre Klage ab. Schwester Scolastica darf deshalb ihr Vermögen nicht selbst verwalten. Das Geld wird zurzeit von der Föderation St. Klara der Schweizer Kapuzinerinnen verwaltet.
Das Gericht gab zudem der Widerklage des Vereins recht: Das bedeutet, die Ordensfrau muss ihre monatliche AHV-Rente in der Höhe von 1225 Franken dem Trägerverein überweisen, auch rückwirkend. Im Gegenzug erhält sie Kost und Logis im Kloster. Damit will sich Scolastica Schwizer nicht abfinden, wie Ostschweizer Medien berichteten. Sie hat beim Kantonsgericht Berufung gegen das Urteil eingelegt.
«Das geht einfach nicht, dass die mein Privatvermögen beschlagnahmen», sagt die Ordensfrau am Telefon zu kath.ch. Laut Kirchenrecht dürfe sie ihr Vermögen nicht selbst verwalten, «aber bestimmen, wer mein Vermögen verwaltet». Und das sollen nicht mehr der Verein Kloster Wonnenstein und die Föderation St. Klara sein. Schwester Scolastica schwebt vor, damit einen «guten Bekannten» zu beauftragen, einen zuverlässigen Mann, der früher sozial tätig gewesen sei.
Laut Kirchenrecht hätte sie seit Langem schon, bereits vor ihrer Ewigen Profess, eine Anordnung treffen sollen darüber, wer ihr Vermögen verwalten dürfe, sagt die Kapuzinerin. Dies habe sie damals aber nicht gemacht; es sei auch nachvollziehbar, dass man als junge Frau im Kloster nicht an solche Dinge denke. Und zudem: «Frau Mutter nahm das nicht so wichtig, einige Mitschwestern machten es, andere nicht.»
Ihre gehe es gut, auch gesundheitlich, sagt die Ordensfrau, die am Samstag (10. Mai) ihren 81. Geburtstag feiert. «Ich bin – Gott sei Dank – noch fit. Da staunen alle», sagt sie. Obwohl sie seit mehreren Jahren allein im Kloster lebt, fühle sie sich nicht einsam. «Alle meine Mitschwestern sind ja da, spirituell. Alle, die ich kannte, und diejenigen, die ich nicht kannte. Das Kloster ist 644 Jahre alt, 490 Schwestern lebten hier.»
Seit rund drei Jahren schwelt ein Streit um das Kloster Wonnenstein. Es geht um dessen Zukunft und um den Verbleib der letzten Nonne. Schwester Scolastica soll in ein anderes Kloster umziehen. Dies forderten im Jahr 2022 das Bistum St. Gallen und die Ordenskongregation in Rom, nachdem eine Beschwerde der Kapuzinerin gegen den Verein Kloster Maria Wonnenstein im Vatikan kein Gehör fand.
Bislang hat sich Schwester Scolastica geweigert, das Kloster Wonnenstein zu verlassen und in eine andere Klostergemeinschaft zu ziehen. Unterdessen sei eine Beschwerde an den Präfekten der Apostolischen Signatur hängig, sagt Schwester Scolastica nun gegenüber kath.ch.
Sie habe sich bereits bei anderen Klostergemeinschaften in der Schweiz erkundigt, ob man sie aufnehmen wolle. Und zwar sowohl bei Kapuzinerinnen als auch bei anderen Ordensgemeinschaften.
Es gebe zwei Möglichkeiten für solche Fälle wie sie: Entweder integriere sich jemand vollständig in eine andere Gemeinschaft oder wohne in einer eigenen kleinen Wohnung mit Anschluss an die neue Gemeinschaft. «Diese zweite Variante könnte ich mir vorstellen. Sie ist sinnvoll bei alten Ordensleuten, die etwas festgefahren sind und nicht mehr so offen für Neues.» Bislang habe sich aber nichts ergeben. Schwester Scolastica versichert, weiter auf der Suche zu bleiben.
Im Gespräch wird allerdings deutlich, dass sie es schon am liebsten hätte, wenn sich wieder eine Frauengemeinschaft in Wonnenstein niederlassen würde. «Meine Absicht wäre, dass ich ihr Leben leben und zeitweise mit ihnen essen und beten könnte», sagt die 81-Jährige. Aber sehr hoffnungsvoll, dass sie dies noch erleben darf, scheint Schwester Scolastica nicht: «Es wird nie mehr eine solche Gemeinschaft da sein.»
Von den Zukunftsplänen des Vereins Kloster Wonnenstein hält sie wenig. Wonnenstein soll ein Zentrum für Wohnen, gewerbliches Arbeiten und Spiritualität bleiben, heisst es auf der Webseite des Vereins. Da ist die Rede von Wohnen in verschiedenen Formen, von Praxen und Büros für Gewerbe, wobei die bisherige Klausur als Wohnraum für eine zukünftige Kongregation freigehalten werden soll. «Ob ich bis zu meinem Tod in Wonnenstein bleiben will, hängt davon ab, was hier weiter geschieht», sagt Schwester Scolastica. Grosse Lust in dem «Jahrmarkt zu leben, den sie hier machen wollen» habe sie eigentlich nicht.
In ihrem Kampf gegen den Verein Wonnenstein und die kirchlichen Instanzen in St. Gallen und Rom wird die Ordensfrau von der Interessengemeinschaft (IG) «Das Kloster Wonnenstein gehört den Frauen» unterstützt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/schwester-scolastica-kaempft-weiter-um-ihr-privatvermoegen/