Das Konklave im Vatikan hat begonnen, um einen neuen Papst zu wählen. Viele Experten sprechen davon, dass es wie nie zuvor um eine wichtige Richtungswahl geht. Welche Entscheidung müssen die Kardinäle treffen? Kardinal Walter Kasper (92), emeritierter Kurienkardinal und ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, skizziert ein wünschenswertes Profil des zukünftigen Pontifex.
«Es geht um die Entscheidung über den grundsätzlich einzuschlagenden Weg der Kirche. Ein Weg hinter den Stil und die Reformen von Papst Franziskus zurück wäre für die Mehrheit der Gläubigen und – nach meinem Eindruck – auch der Kardinäle keine Lösung. Ganz im Gegenteil!
Es genügt auch nicht, auf der Stelle zu treten. Es geht im wörtlichen Sinn um Weiterführung des eingeschlagenen Wegs. So kann der neue Papst nicht einfach ein Franziskus II. sein. Die Kirche lebt in der Welt, aber sie ist nicht von dieser Welt. Sie kann sich darum nicht einfach den Wünschen der Welt anpassen. Eine total angepasste Kirche ohne eigene Identität, ohne Ecken und Kanten nützt niemandem; sie könnte man von vornherein gleich ganz vergessen.
Die Erneuerung muss aus dem Inneren und aus dem Geist des Evangeliums kommen. Das schliesst Widerspruch und Bekehrung ein. Die strukturelle Erneuerung setzt geistliche Erneuerung voraus, wie umgekehrt die spirituelle Erneuerung sich in struktureller Erneuerung ausdrücken muss.
So gilt es, einen neuen Papst zu erbeten und zu finden, in dessen Herz das Feuer des Evangeliums brennt und der von Jesus Christus so begeistert ist, dass er auch andere mitnehmen und begeistern kann. Er muss das mit realistischem Blick auf die konkrete Situation und auf die vielfältigen Nöte der Menschen sowie in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens tun.
Dazu braucht er viele gute Berater und Mitarbeiter, Frauen und Männer. Allein kann es keiner leisten, barmherzige Kirche für die Armen und Ausgestossenen sowie Friedensstifter und Brückenbauer zwischen verfeindeten Gruppen zu sein. Darum muss die Idee einer synodalen Kirche, eines geschwisterlichen Miteinander von Klerikern und Laien, welche Papst Franziskus uns als Erbe und Auftrag hinterlassen hat, in einer mehr strukturierten Weise weitergeführt werden.» (woz)
*Das sagt Walter Kasper in einem Interview mit der internationalen katholischen Zeitschrift «Communio».
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