Kardinal Parolin: Franziskus' Vermächtnis als kostbarer Schatz

Am Tag nach der Beisetzung des Papstes feierten Zehntausende junger Menschen auf dem Petersplatz einen Gottesdienst. Am Wochenende der Jugend im Heiligen Jahr bekräftigte Kardinal Parolin das Vermächtnis von Franziskus.

Bei einer Messe mit Zehntausenden Jugendlichen auf dem Petersplatz hat Kardinal Pietro Parolin an das Vermächtnis von Papst Franziskus erinnert. Dieser habe vor allem stets Gottes Barmherzigkeit betont. «Es ist wichtig, dass wir diese von Papst Franziskus so eindringlich hervorgehobene Botschaft wie einen kostbaren Schatz bewahren», betonte Parolin. «Nur Barmherzigkeit heilt und schafft eine neue Welt, indem sie das Feuer des Misstrauens, des Hasses und der Gewalt löscht: Das ist die grossartige Lehre von Papst Franziskus.»

Zehntausende junge Menschen nach Rom gekommen

Die Zehntausenden junger Menschen waren nach Rom gekommen, weil im Rahmen des Heiligen Jahres das Wochenende der Jugendlichen angesetzt ist. Ursprünglich sollte auch der italienische Jugendliche Carlo Acutis (1991-2006) heiliggesprochen werden. Nach dem Tod von Franziskus haben die Kardinäle die Feier aber ausgesetzt und die Entscheidung dem nächsten Papst überlassen.

Jugendliche aus ganz Europa

Schon Stunden vor der Messe waren grosse Gruppen junger Menschen aus Europa und teils auch Übersee teils singend Richtung Petersplatz gezogen. Der ist nach der Totenmesse für Franziskus am Samstag immer noch weiträumig abgesperrt, so dass Pilgergruppen durch spezielle Korridore und Sicherheitsschleusen auf den Platz geleitet werden. Die Messe selbst war als normale Liturgie in Italienisch mit teils lateinischen Gesängen und einer Lesung auf Englisch gestaltet.

Das Vermächtnis von Franziskus, so Parolin in seiner Predigt weiter, dürfe nicht nur eine momentane Emotion bleiben. Menschen sollten ihre «Beziehungen nicht mehr nach berechnenden Kriterien oder blind vor Egoismus zu leben», sondern sich dem Dialog öffnen und jene annehmen, «denen wir auf unserem Weg begegnen, und ihnen ihre Schwächen und Fehler vergeben». Frieden könne es nicht geben «ohne die Anerkennung des anderen, ohne Aufmerksamkeit für die Schwächsten».

Weisse Rose auf dem Grab des Papstes

Nach dem Tod von Franziskus, der am Samstag in seiner Lieblingskirche Santa Maria Maggiore beigesetzt wurde, war der Gottesdienst am Sonntag gleichzeitig die zweite der neun vorgesehenen Trauermessen für den verstorbenen Papst. Zu ihr waren ausserdem vor allem die Mitarbeiter der Vatikanstadt geladen. Ihnen dankte Parolin als bisheriger Kardinalstaatssekretär des Papstes für ihren Dienst, den sie täglich leisten. «Euch, uns alle, die ganze Welt schliesst Papst Franziskus vom Himmel aus in seine Arme», schloss Parolin.

Auf dem Grab von Papst Franziskus lag am Sonntagmorgen als erstes eine weisse Rose, wie ein vom Vatikan verbreitetes Bild zeigt. Bereits am Samstag vor der Beisetzung in der Basilika Santa Maria Maggiore hatten sowohl eine Gruppe von Kindern wie eine Gruppe von Obdachlosen, Migranten, Opfer von Menschenhandel, Transsexuelle, Häftlinge und Vertreter der Roma-Gemeinschaft weisse Rosen dabei.

Diese Blume hatte für Franziskus eine besondere Bedeutung, wie er einmal erklärte. Seit seiner Zeit in Argentinien symbolisiere sie seine Verbundenheit mit der heiligen Thérèse von Lisieux (1873-1897), so der damalige Erzbischof von Buenos Aires in einem Interview-Buch. An Thérèse und ihre Fürsprache bei Gott habe er sich immer bei persönlichen Schwierigkeiten gewandt.

«Papst ist schon heilig»

Der frühere Sekretär von Papst Johannes Paul II., Kardinal Stanislaw Dziwisz, sieht indes eine Parallele zwischen dem Lebensende von Franziskus und dem des Papstes Johannes Paul II. aus Polen. «Das Leiden von Franziskus», sagte Dziwisz der Zeitung «Il fatto quotidiono», «war fast eine Nachahmung dessen, was Johannes Paul II. am Ende seines Lebens erlitt.» Er sei sicher, «dass Papst Franziskus bereits in den Händen des Herrn ist, dass er heilig ist». (cic)


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/kardinal-parolin-franziskus-vermaechtnis-als-kostbarer-schatz/