Er bleibt nur noch so lange Bischof des Bistums St. Gallen, bis sein Nachfolger bestimmt ist. Im Podcast «Laut + Leis» zieht Markus Büchel Bilanz und erzählt auch, was ihm als Bischof besonders wichtig gewesen ist.
Sandra Leis
In seinem letzten Bischofsbrief schreibt Markus Büchel: «Für mich persönlich bringt das Jahr 2025 eine grosse Veränderung: Ich darf mein Amt als Bischof von St. Gallen einem Nachfolger weitergeben.» Das klingt nach grosser Erleichterung und ist es auch.
Der 75-Jährige sagt: «Heute Bischof zu sein ist ein schönes, aber auch ein herausforderndes Amt, weil wir mitten in einer grossen Transformation der Kirche stecken.»
Bischof Markus hofft, dass er den Stab im Sommer weitergeben kann. Doch sicher ist das nicht, denn die Liste mit sechs Kandidaten liegt immer noch in Rom, und niemand weiss, wann Papst Franziskus sich darüber beugt.
Aufgewachsen ist Markus Büchel mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof im katholischen Rüthi im St. Galler Rheintal. Der sonntägliche Kirchgang sei «natürlich und selbstverständlich» gewesen und in der Schulklasse habe es nur einen einzigen Protestanten gegeben.
Auf die Frage, wann er gespürt habe, dass er zum Priester berufen sei, sagt Büchel im Podcast «Laut + Leis»: «Ich weiss es nicht. Vielleicht war ich lieber in der Sakristei beim Ministrieren als im Stall beim Helfen.»
Später besucht er das Gymnasium bei den Steyler Missionaren: «Das war eine Aufbruchszeit, die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das hat mich geprägt.»
Es folgt ein Theologiestudium in Freiburg (Schweiz) und mit 26 Jahren die Weihe zum Priester. «Mit 26 habe ich gespürt, dass ich mich nie so stark verliebt habe in eine Frau, dass ich hätte heiraten wollen. Aber klar, der Verzicht auf eine eigene Familie war wahrscheinlich der schwierigste Entscheid.»
Seit 19 Jahren ist Markus Büchel nun Bischof in St. Gallen. Er gilt als liberal und fortschrittlich. Dazu sagt er: «Ich bin sicher liberal und interpretiere liberal als pastoral denkend.» Er war zwanzig Jahre als Seelsorger in der Pfarrei tätig und wisse deshalb, welche Fragen und Nöte die Menschen haben.
Das präge nachher auch das Bischofsamt. «Doch vom Typ her liebe ich meinen traditionellen Glauben. Ich bin sehr stark verwurzelt in der römisch-katholischen Kirche, und ich freue mich darüber, was sie an Riten und Liturgie den Menschen anbieten kann.»
Für seine Amtszeit hat er folgenden Wahlspruch gewählt: «In gaudio et spe – in Freude und Hoffnung». Der Spruch sei ihm bis heute sehr wichtig. Bischof zu werden sei nicht ein Gaudi, «sondern die Hoffnung ist etwas, was uns Christen zutiefst prägt. Wir dürfen den Menschen eine frohe Botschaft verkünden.»
Und zwar allen Menschen, nicht nur den Katholiken und den Christen. «Mir ist die Offenheit für alle Menschen ein grosses Anliegen.»
Bischof Markus hat sich dafür eingesetzt, dass nicht-geweihte Theologinnen und Theologen im Bistum St. Gallen wichtige Aufgaben übernehmen können. Er hat sich öffentlich gewehrt gegen die kirchliche Verurteilung von homosexuellen Beziehungen, und er hat seine Stimme in ethischen Fragen erhoben.
Zum Beispiel bei der Konzernverantwortungsinitiative: «Ich habe die Initiative unterstützt, weil faire Bedingungen die Grundlage sind für ein gutes Miteinander.» Leben aus dem Evangelium habe eine politische Note. «Wir denken nicht nur an den Himmel. Wir haben die Aufgabe, Spuren des Reiches Gottes auch schon in dieser Welt zu verwirklichen.»
Überblickt man die Amtszeit von Bischof Markus, so ist das Jahr 2023 wohl sein schwierigstes gewesen. Am 12. September 2023 wurde die Pilotstudie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche publiziert. Darin liest man von einem Priester aus dem Bistum St. Gallen, der sich jahrelang an Kindern vergangen und noch bis im Januar 2023 Eucharistie gefeiert hat.
Das eigene Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe hat mehrfach bei Bischof Markus insistiert, doch passiert ist nichts. «Ich habe den Fall von meinem Vorgänger Bischof Ivo Fürer übernommen und für abgeschlossen gehalten.»
Das sei «ein grosser Fehler» gewesen, hat er bei einer eigens einberufenen Medienkonferenz öffentlich gesagt.
Auf die Frage, wie die römisch-katholische Kirche wieder Vertrauen gewinnen könne, verweist Bischof Markus auf die beschlossenen Massnahmen. «Insbesondere hoffe ich, dass die Assessments uns helfen, die Kandidierenden besser zu prüfen.»
Im Hintergrund stehe der Vorwurf, dass in gewissen Bistümern zu wenig geprüft worden sei. «Es gab Bischöfe, die gesagt haben, wenn einer Priester werden will, dann ist das Berufung von Gott. Dann haben wir nicht mehr viel zu prüfen.»
Das sei jetzt zum Glück vorbei. «In der gesamten Kirche will man jetzt alle, die für ein Amt kandieren, prüfen.»
Seine Amtszeit neigt sich dem Ende zu. Bischof Markus wird mit seiner Schwester, die seit dreissig Jahren mit ihm zusammenlebt, ins Elternhaus in Rüthi ziehen.
Von dort aus werde er als Priester aushelfen, falls er gebraucht werde. «Doch ein Amt werde ich nicht mehr annehmen», sagt Bischof Markus und freut sich sichtlich auf die Zeit, die kommen wird.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/bischof-markus-buechel-ich-war-lieber-in-der-sakristei-als-im-stall/