Der ehemalige Sprecher der Churer Bischöfe Giuseppe Gracia wundert sich über das grosse Interesse säkularer Medien am Gesundheitszustand von Papst Franziskus, der seit dem 14. Februar in der römischen Gemelli-Klinik wegen einer komplexen Atemwegsinfektion mit beidseitiger Lungenentzündung behandelt wird.
«Das Interesse an der Gesundheit des Papstes ist immens – und das, obwohl wir uns als säkularisierte Gesellschaft immer weiter vom christlichen Glauben entfernen. Wenn ich jetzt im Bus bin oder Zug fahre, kriege ich fast minütlich ein Update über den Gesundheitszustand des Papstes durch die säkularen Medien, die sonst nicht viel mit Christentum am Hut haben. Das ist schon faszinierend.»
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«Es stimmt, dass der Wille, etwas zu verstecken, grösser ist, wo die Machtfülle grösser ist. Aber das erklärt nicht, warum der Papst in diesem Ausmass die Augäpfel der Welt auf sich zieht. Übrigens gibt es das Phänomen auch, wenn ein neuer Papst gewählt wird, wenn das Konklave ist; ja sogar Kinofilme titeln «Conclave». Unfassbar, was für eine unglaubliche Aufmerksamkeit die katholische Kirche bekommt, obwohl man offiziell mit ihr eigentlich immer weniger zu tun haben will! Das ist ein singuläres Phänomen: Als Kommunikationsexperte kenne ich keinen anderen Fall, wo man simultan sagt, man möchte damit nichts zu tun haben, und trotzdem immer darüber berichtet.»
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«Wahrscheinlich gibts psychologische oder soziologische Erklärungen, aber dass der Papst im Sterben liegt und dies die Medien derart bewegt, ist für mich persönlich schon ein Verweis auf etwas Unsagbares, Unerklärliches. Ich staune.»
Giuseppe Gracia äussert sich im Interview mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger». Gracia ist Autor und Kommunikationsberater. Von 2011 bis 2021 war er Sprecher der Bischöfe von Chur. (bal)
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