Am Aschermittwoch startet die Ökumenische Kampagne der Hilfswerke Fastenaktion, Heks und Partner sein. Unter dem Slogan «Hunger frisst Zukunft» rücken die Organisationen die Ursachen der globalen Hungerkrise in den Fokus. Und zeigen Handlungsmöglichkeiten auf.
Die neusten Zahlen der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zeigen: 2023 hungerten rund 733 Millionen Menschen, und 2,8 Milliarden konnten sich keine gesunde Ernährung leisten. Das sei – jeder und jede Dritte weltweit, berichten die drei christlichen Organisationen am Dienstag in einer Mitteilung. Trotz des Ziels der Vereinten Nationen, den Hunger bis 2030 zu beenden, steige die Zahl der Unterernährten.
«Diese Realität ist erschütternd», schreiben die Hilfswerke Fastenaktion, Heks und Partner sein. Und sie betonen: Hunger und Mangelernährung sind nicht einfach Schicksal, «sondern das Resultat eines ungerechten Ernährungssystems».
Hunger sei «eine tiefgreifende strukturelle Ungerechtigkeit, welche die Zukunftsperspektiven ganzer Generationen zerstört». Wichtige Akteure darin seien Grosskonzerne, «die von Profitgier getrieben sind».
Das erklären die christlichen Hilfswerke folgendermassen: Lebensmittel werden dort produziert, wo es am günstigsten ist, und dort verkauft, wo die Kaufkraft am höchsten ist. Die Konsequenz: Menschen im Globalen Süden bauen Produkte für den Export an, die sie sich selbst nicht leisten können.
«Dies führt zu einseitiger Ernährung und Vitamin- und Mineralstoffmangel – mit besonders dramatischen Folgen für Kinder», so die Hilfswerke. «Mangelernährung schädigt ihre körperliche und geistige Entwicklung dauerhaft, beeinträchtigt ihre Konzentrationsfähigkeit und Lernleistung und verhindert so eine gute Schul- und Berufsausbildung.» Ihr Fazit: «Der Hunger frisst ihre Zukunft – und die Armutsspirale dreht sich weiter.»
Das müsste aber nicht so sein, betonen die Hilfswerke. Denn es gebe weltweit eine Überproduktion an Nahrungsmitteln. Die Hilfswerke rechnen vor: Täglich werden weltweit 9700 Kalorien pro Person produziert. Beziehungsweise – nach Abzug von Tierfutter, Agrotreibstoffen, Food Waste und Ernteverlusten – 2900 Kalorien pro Person. Demgegenüber betrage der tägliche Durchschnittsbedarf nur 2300 Kalorien pro Person.
«Dass trotz dieser Überproduktion Menschen hungern, ist eine grosse Ungerechtigkeit», so die Hilfswerke. Sie fordern «ein gerechtes System der Lebensmittelversorgung», damit sich alle Menschen ausgewogen und gesund ernähren könnten.
Mit der Kampagne «Hunger frisst Zukunft» unterstreichen Fastenaktion, HEKS und Partner sein nach eigenen Angaben die Dringlichkeit dieser Krise. «Dank Engagement und Zusammenarbeit sind aber Veränderungen möglich», sagen sie.
Die Organisationen führen in verschiedenen Ländern des globalen Südens Entwicklungs- und Klimaprojekte durch. Sie erwähnen zwei Projekte gegen Hunger: So stellen Frauen im Senegal eigene Säuglingsnahrung her und verbessern damit die Gesundheit und die Zukunftschancen von Kleinkindern. Und in Kambodscha erzielen Bäuerinnen und Bauern dank agrarökologischen Anbaumethoden und innovativen Bewässerungssystemen höhere Ernteerträge.
In der Schweiz wollen die christlichen Hilfswerke für die Hunger-Thematik sensibilisieren. So sollen die Menschen zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und zum Hinterfragen von Ernährungsgewohnheiten motiviert werden. Dazu bieten die Hilfswerke Aktionen, Vorträge, Workshops und Filmabende an. Den Kirchen werden Unterlagen für liturgische Feiern und Katechese angeboten.
Fastenaktion und Heks führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne werden jeweils Spenden zugunsten von Projekten der christlichen Hilfswerke gesammelt. (rp)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/christliche-hilfswerke-warnen-in-fastenkampagne-hunger-frisst-zukunft/