«Ich sehe das positiv»: Jesuitenkirche-Präfekt zur klaren Ablehnung des Luzerner Theaterneubaus

Während grosse Ernüchterung bei der Luzerner Stadtregierung nach dem Nein zum Projektierungskredit des geplanten Theaterneubaus herrscht, zeigt sich Hansruedi Kleiber, Präfekt der Jesuitenkirche, erleichtert über das «Njet» der Abstimmung. Gleichwohl betont er, dass er nicht grundsätzlich gegen ein neues Theater in Luzern ist.

Wolfgang Holz

Hatte da der liebe Gott vielleicht auch seine Finger mit im Spiel gehabt? Man könnte es fast meinen. Die Stimmbevölkerung im traditionell katholischen Luzern bodigte jedenfalls bei der Abstimmung am gestrigen Sonntag den Sonderkredit in Höhe von 13,8 Millionen Franken für den geplanten Theaterneubau an der Reuss. Damit ist ein Theaterneubau vorerst in weite Ferne gerückt.

Der Neubau sollte bekanntlich auf dem Theaterplatz, zwischen dem alten Theater und direkt neben der Jesuitenkirche, einem der historischen Wahrzeichen der Stadt, entstehen. Die Ablehnung fiel mit 57,9 Prozent an Nein-Stimmen überraschend deutlich aus, obwohl sich schon im Vorfeld der Abstimmung abzeichnete, dass viele der moderne Neubauentwurf nicht wirklich begeisterte.

Mit dem Betrag von 13,8 Millionen Franken hätte der Entwurf «überall» zum Bauprojekt weiterentwickelt werden sollen. Dieser sah vor, das 185 Jahre alte Theater umzubauen und mit einem Neubau zu ergänzen. Die Baukosten wurden auf 130 Millionen Franken geschätzt.

Auch Hansruedi Kleiber, Jesuit und Präfekt der Jesuitenkirche, welche dem Kanton Luzern gehört, zeigte sich von Anfang an skeptisch und kritisch gegenüber dem geplanten Neubau. Umso erleichterter gibt er sich nun angesichts des Abstimmungsergebnisses.

«Ich sehe das Ergebnis positiv», bekräftigt Kleiber gegenüber kath.ch. Er habe sich immer wieder zu Wort gemeldet im Verlaufe der Projektierung. «Das Gebäude hat mir nicht gefallen, und die dichte Lage zur Jesuitenkirche hat das Gotteshaus städtebaulich konkurrenziert – selbst wenn der Neubau im Lauf der Planung etwas von der Jesuitenkirche abgerückt worden ist.»

Er habe die Argumentation der Architekten nie verstanden, dass man den Theaterplatz als «städtebauliches Loch» unbedingt überbauen müsse. Zumal die Seitenfassade der Jesuitenkirche damit, etwa von der Reuss-Fussgängerbrücke aus betrachtet, fast vollkommen hinter dem Theaterneubau verschwunden wäre. Eine Meinung, der sich wohl nun die meisten Luzernerinnen und Luzerner anschlossen, die mit Nein zum Neubau stimmten. Nach dem Motto: Zu gross, zu hässlich, zu teuer.

Im Stadtparlament war der Projektierungskredit dagegen von allen Fraktionen unterstützt und einstimmig gutgeheissen worden. Auch die grossen Parteien standen im Abstimmungskampf hinter den Plänen. Sie wollten das Luzerner Theater als einziges professionelles Theaterhaus in der Zentralschweiz erhalten.

Wie es nach dem Nein der Stimmberechtigten zum Theaterneubau weitergeht, sei «komplett offen», schreibt der Stadtrat in einer Mitteilung. Er sei vom Abstimmungsergebnis «sehr enttäuscht».

Stadtpräsident Beat Züsli, gleichzeitig Präsident der Projektierungsgesellschaft Neues Luzerner Theater, zeigte sich gegenüber chmedia.ch sehr überrascht von der Ablehnung des Stimmvolks: «Vor allem von der Deutlichkeit.»

«Ich bin absolut für den Neubau eines Theaters in Luzern.»

Allerdings kreidet der Präfekt der Jesuitenkirche der Stadtregierung just an, dass sie keinen Plan B in der Tasche gehabt habe. «Ich bin absolut für den Neubau eines Theaters in Luzern», versichert Kleiber gegenüber kath.ch. Ihm seien einst bei der Präsentation der acht Projekte in der Kornschütte ein, zwei Projekts ins Auge gestochen, die ihn sofort angesprochen hätten. «Doch diese wurden eben nicht ausgewählt.»

Erfreut zeigt sich das Komitee «Nein zum Projektierungskredit Luzerner Theater». Die Stimmberechtigten hätten Nein zu einem «architektonischen Fremdkörper» und zu einer «Verbauung des öffentlichen Raums» gesagt.

Das Komitee wirft der Stadtregierung und der Stiftung Luzerner Theater vor, jahrelang am Volk vorbei geplant zu haben. Das Abstimmungsresultat sei eine «Ohrfeige» für Stadtregierung, Stadtparlament, die Stiftung Luzerner Theater und die Medien.

Apropos. Zeigen sich denn eigentlich auch andere Katholikinnen und Katholiken erfreut oder erleichtert über das Nein bei der Abstimmung zum geplanten Theaterneubau – was die unverbaute Zukunft Jesuitenkirche angeht? Eher nicht. Wie von der Medienstelle der Katholischen Kirche der Stadt Luzern auf Anfrage von kath.ch betont wird, wolle man sich nicht zum Abstimmungsergebnis äussern.

Auch Sandra Huber, Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Luzern, reagiert zurückhaltend: «Der Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche hat sich zur Abstimmungsvorlage nicht geäussert und auch keine Parole gefasst. Es ging beim Einbezug der Jesuitenkirche um architektonische Themen wie Abstand und Lichteinfall, nicht um Themen der Landeskirche.»

Dabei verkörpert die Jesuitenkirche in Luzern einen einzigartigen, prachtvollen Barockkirchenbau in der Schweiz. «Die Kirche ist ein einmaliger, im Innenraum restlos geglückter genialer Wurf», huldigte Kunsthistoriker Adolf Reinle schon 1953 dem Luzerner Baudenkmal. «Wenn man sich vorstellt, dass nur 22 Jahre nach der Weihe der Kirche St. Leodegar im Hof anno 1666 die in fast allem so andere Jesuitenkirche begonnen wurde, dann wird einem deren Neuheit und Kühnheit bewusst.»


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