Jedes Jahr findet weltweit und auch in der Schweiz die Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Dies sei wichtig und ein «kleiner Schritt in die richtige Richtung», sagt Anne Durrer, AGCK-Generalsekretärin. Die Gebetswoche ist dieses Jahr dem ökumenischen Konzil von Nizäa gewidmet.
Barbara Ludwig
Seit Jahrhunderten ist die Christenheit gespalten in unterschiedliche Konfessionen. Ein Zustand, unter dem Christinnen und Christen leiden und den viele als Defizit betrachten. Zu den Bemühungen, die Spaltung zu überwinden, zählt die weltweite Gebetswoche für die Einheit der Christen.
Am Samstag startet die Gebetswoche auch in der Schweiz, sie dauert bis am 25. Januar. Die Gebetswoche sei meist einem Bibelvers gewidmet, sagt Anne Durrer, Generalsekretärin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Schweiz (AGCK).
Das Besondere sei dieses Mal, dass ein Ereignis im Zentrum stehe: das 1700-Jahr-Jubiläum des ersten ökumenischen Konzils von Nizäa (325 n. Chr.). «Dieses Konzil war ein sehr wichtiges Ereignis für die Christenheit. Dort entstand das Glaubensbekenntnis, das alle Christinnen und Christen verbindet. Mit dem Jubiläum wird an das grosse Erbe dieser Kirchenversammlung erinnert», so Durrer.
Das Gedenken an das Konzil von Nizäa biete eine einzigartige Gelegenheit, den gemeinsamen Glauben von Christinnen und Christen zu reflektieren und feiern, heisst es auf der Webseite der AGCK.
Doch auch das Motto der diesjährigen Gebetswoche bezieht sich auf eine Passage aus der Bibel. Es lautet «Glaubst du das?» (Johannes-Evangelium 11,26). «Damit hat es gleichzeitig einen Bezug zum Glaubensbekenntnis», sagt die AGCK-Generalsekretärin.
Wie viele ökumenische Gottesdienste im Rahmen der Gebetswoche gefeiert werden, kann Anne Durrer nicht beziffern. Doch die Gebetswoche mit ihren ökumenischen Gottesdiensten gehöre zur kirchlichen Tradition, sowohl auf römisch-katholischer als auch reformierter Seite. «Die Gebetswoche ist auf der lokalen Ebene der Kirche wichtig, hier ist sie fest verankert.»
Ein indirektes Indiz für die Bedeutung der Gebetswoche sei der Erlös aus den Kollekten, die während der Feiern aufgenommen werden, sagt die Generalsekretärin. So seien im vergangenen Jahr alleine in der Deutschschweiz 40’000 Franken gespendet worden. Der Erlös bewege sich immer in dieser Grössenordnung – plus minus zehn Prozent. Bislang habe es, ausser in der Zeit der Corona-Pandemie, keinen markanten Rückgang gegeben.
Das Geld fliesse jedoch nicht an die AGCK, sondern komme ausschliesslich Projekten christlicher Hilfswerke zugute, betont Durrer. Dieses Jahr zählt dazu etwa ein Projekt des katholischen Hilfswerks Fastenaktion, das der ländlichen Bevölkerung zu Gute kommt.
Das Ziel der Gebetswoche seien aber nicht die Spenden, diese seien gut für die Projekte. «Hauptziel ist, dass man für die Einheit, für die Ökumene betet. Einmal pro Jahr wird mit der Gebetswoche an dieses Anliegen erinnert. Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung», sagt Anne Durrer.
Die Anfänge der Gebetswoche für die Einheit der Christen wurzeln im 19. Jahrhundert, wie das Westschweizer Newsportal cath.ch diese Woche berichtet. 1908 fand erstmal eine Gebetswoche statt.
Seit 1941 existiert ein gemeinsames Datum (18. bis 25. Januar). Seit 1966 werden gemeinsame Texte erarbeitet. Und seit dem gleichen Jahr arbeiten bei der Durchführung der Ökumenische Rat der Kirchen und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen zusammen.
Für 2025 haben die Brüder und Schwestern der ökumenischen Gemeinschaft von Bose in Norditalien die Texte vorbereitet, die in den Gottesdiensten verwendet werden.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant