AfD-Mitglied zeigt bayerischen Pfarrer nach Predigt an

Die deutschen Kirchen haben die AfD als für Christen nicht wählbar bezeichnet. Nun sieht sich seinerseits ein Priester in Bayern einer Strafanzeige gegenüber – wegen kritischer Aussagen über Parteichefin Alice Weidel.

Ein katholischer Pfarrer in Bayern ist laut übereinstimmenden Medienberichten von einem AfD-Mitglied wegen des Verdachts der Volksverhetzung und übler Nachrede angezeigt worden. Die Vorwürfe richten sich gegen Aussagen des Erdinger Stadtpfarrers Martin Garmaier in der Silvesterpredigt.

«Stimmungsmache gegen Ausländer»

Dieser hatte demnach in seiner Ansprache am 31. Dezember AfD-Parteichefin Alice Weidel und «viele andere» dafür kritisiert, dass sie den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg für Stimmungsmache gegen Ausländer «umnützen» wollten. «So werden sie auf ihre Weise zu Verbrechern, zu Verbrechern an unserer Gesellschaft», wird der Pfarrer wiedergegeben.

«Und wenn dann eine Alice Weidel sich hinstellt und von Islamisten spricht, dann hat sie offensichtlich die Nachrichten nicht vernommen», so Garmaier weiter: «Denn der Täter war ein klarer und deutlicher Befürworter der AfD, war ein erklärter Gegner des Islam und vieles andere.»

Terror von RAF und NSU genannt

Und alle, die in diesem Zusammenhang «Ausländer raus» geschrien haben, wolle er daran erinnern, «wie viele Terroranschläge und Attentate in unserem Lande auch durch Deutsche waren». Der Pfarrer nennt den Terror von RAF und NSU, aber auch das Attentat auf eine Synagoge in Halle: «Es sind nicht nur Ausländer, es sind Menschen, die ideologisch verbrämt sind, Menschen, die wirklich die Würde anderer Menschen nicht anerkennen und so zu Verbrechern, zu Schwerverbrechern und Mördern werden.»

Garmaier berichtet von gemischten Reaktionen. Einige «unqualifizierte Kommentare» habe er in E-Mails bekommen. Ein Pfarrer habe sich aus der Politik herauszuhalten, habe es da sinngemäss geheissen. Nach Bekanntwerden der Anzeige seien bei ihm aber erst richtig viele, fast ausschliesslich anerkennende Rückmeldungen eingegangen: von Berufskollegen, anderen Kirchenmitarbeitenden, aber auch fremden Leuten und einigen Rechtsanwälten. Diese hätten signalisiert, ihm falls notwendig zur Seite zu stehen. Nicht viel anders sei die Resonanz in seiner Pfarrgemeinde ausgefallen.

Erzbistum: einmaliger Vorgang

Hinter der Anzeige soll ein pensionierter Polizist stecken, der sich seit Jahren in einem Kreisverband der AfD engagiert. Dass ein Priester wegen einer Predigt womöglich strafrechtlich belangt werden soll, ist für das Erzbistum München und Freising nach den Worten seines Sprechers Christoph Kappes ein einmaliger Vorgang. Vergleichbare Fälle seien der Bistumsverwaltung nicht bekannt.

Kappes fügte hinzu, bisher habe es noch keinen Kontakt zu dem Pfarrer gegeben. Auch kenne man den Wortlaut seiner Aussagen noch nicht. Sollte es zu einem Strafverfahren kommen, könne Garmaier aber wie alle anderen Mitarbeitenden der Kirche auch mit juristischer Unterstützung des Erzbistums rechnen. Das gebiete die Fürsorgepflicht. (kna)


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