In vielen Familien haben Religion und der Religionsunterricht heutzutage keinen grossen Stellenwert mehr. Nicole Stocker (45) hat gerade im Kanton Aargau ihre Ausbildung zur Katechetin abgeschlossen. Sie will den Kindern den Weg zum Glauben öffnen.
Wolfgang Holz
Frau Stocker, warum wollten Sie Katechetin werden?
Nicole Stocker*: Zur Katechetin kam ich durch unseren pensionierten Pastoralraumleiter und durch die Katechetin, welche unsere beiden Kinder zur Erstkommunion begleitete.
«Mir ist es wichtig, mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten, mit ihnen zusammen den eigenen Glauben entdecken.»
Was gefällt Ihnen an diesem Beruf, und warum finden Sie ihn wichtig?
Stocker: Mir gefällt die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, es ist eine spannende, lebendige und fröhliche Arbeit. Mir ist es wichtig, mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten, mit ihnen zusammen den eigenen Glauben entdecken. Ihnen die Werte des Zusammenlebens weiterzugeben und sie ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Mir ist es auch wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen etwas über den christlichen Glauben erfahren und selbst entscheiden können, welche Werte ihnen wichtig sind, damit sie gestärkt ihren Weg gehen können.
In welchen Klassen unterrichten Sie Religion?
Stocker: Ich unterrichte in der Primarschule in der ersten, zweiten, dritten und fünften Klasse.
«Wir stellen fest, dass der Religionsunterricht je nach Familie keinen grossen Stellenwert hat, und die Hobbies Vorrang haben.»
Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht der Religionsunterricht an der Schule?
Stocker: Da verfüge ich über zu wenig Erfahrung, da der Religionsunterricht bei uns in der Gemeinde nicht mehr in der Schule stattfindet. Ich denke, es wäre sicher ein Vorteil, wenn der Unterricht an der Schule stattfinden würde.
Dann wäre der Unterricht obligatorisch, und alle Kinder hätten Zugang zum Religionsunterricht. Wir stellen fest, dass der Religionsunterricht je nach Familie keinen grossen Stellenwert hat, und die Hobbies Vorrang haben. Was ich persönlich sehr schade finde… An was wollen die Kinder glauben, wenn sie ihren Glauben nicht entdecken können?
Was wollen Sie Ihren Schulkindern beibringen?
Stocker: Einen respektvollen Umgang mit den Mitmenschen und der Umwelt, Nächstenliebe und sich selber anzunehmen, wie man ist – mit allen Stärken und Schwächen.
Haben Sie schon Ihre erste Unterrichtsstunde gehabt?
Stocker: Ja, ich unterrichte schon seit vier Jahren. Ich hatte das Glück, dass mich bei uns in der Pfarrei eine Katechetin von Anfang an begleitete. Sie unterrichtete mit mir zusammen dieselbe Stufe, bereitete mit mir den Unterricht vor und coachte mich immer wieder.
«Die Schülerinnen und Schüler lernen und entdecken vieles aus der Lebenswelt von Jesus und spannen den Bogen zu ihrer eigenen Lebenswelt.»
Wie unterrichtet man denn heute Religion? Werden da wie früher einfach biblische Geschichten erzählt oder kommt da auch Multimediales zum Einsatz? Und wie komplex ist der Lehrplan?
Stocker: Bei uns in der Pfarrei unterrichten wir jeweils am Nachmittag, 90 Minuten lang im zwei Wochen-Rhythmus, im eigenen Pfarreizentrum. Der Unterricht wird niveaudifferenziert mit verschiedenen Methoden angeboten. Die Schülerinnen und Schüler lernen und entdecken vieles aus der Lebenswelt von Jesus und spannen den Bogen zu ihrer eigenen Lebenswelt.
Und welche Hilfsmittel verwenden Sie?
Stocker: Ich verwende sehr gerne verschiedene Hilfsmittel oder Medien. Das darf auch mal ein Film sein oder ein Online-Quiz. Ich habe in meinem Unterrichtsraum auch die Verfügbarkeit eines elektronischen Whiteboards.
«Die Kinder haben viel mehr Möglichkeiten, ihre eigenen Fragen und Ideen einzubringen.»
Der heutige Religionsunterricht ist im Vergleich zu meinem Unterricht vor 30 Jahren viel lebendiger, interaktiver und Erlebnis orientierter. Die Kinder haben viel mehr Möglichkeiten, ihre eigenen Fragen und Ideen einzubringen – was es für mich als Lehrperson auch sehr spannend macht.
Der Lehrplan selbst ist eigentlich gut verständlich und lässt Spielraum für eigene Ideen. Er ist gut anwendbar und ein Wegweiser, welche Themen man alle bearbeiten kann.
Wie interessiert sind Schülerinnen und Schüler an Religion, soweit Sie dies schon beurteilen können?
Stocker: Wie erwähnt, hat der Religionsunterricht nicht mehr so einen grossen Stellenwert wie früher. Ich bin doch immer wieder erfreut, mit welcher Begeisterung viele Schülerinnen und Schüler am Unterricht teilnehmen und diesen auch mit guten und spannenden Fragen und Inputs bereichern. Man spürt auch, in welchen Familien der Glaube ein Thema ist.
«Ich weiss, da ist jemand, der mich begleitet auf meinem Lebensweg und mich beschützt.»
Apropos. Welche Stellung nimmt der Glauben denn in Ihrem Leben ein?
Stocker: Eine wichtige Stellung. Es ist nicht so, dass ich immer brav in der Bibel lese und wöchentlich in die Kirche gehe. Aber ich fühle mich begleitet, gestärkt und getragen von meinem Glauben und von Gott. Ich weiss, da ist jemand, der mich begleitet auf meinem Lebensweg und mich beschützt. Es war und ist mir wichtig, dass wir in unserer Familie mit unseren Kindern über den Glauben sprechen und ihnen Christliche Werte vermitteln – und diese Werte auch leben.
*Realisiert wird die drei- bis fünfjährige Ausbildung im Kanton Aargau ökumenisch von der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Landeskirche nach den Vorgaben von ForModula.
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