Jüngst ist es ihr gelungen, den neuen Abtprimas der Benediktiner nach Baar einzuladen. Die Rede ist von Tamara Bucher, Kirchenrätin der Kirchengemeinde Cham-Hünenberg. Sie engagiert sich mit Freude und Leidenschaft ehrenamtlich in der Kirche.
Wolfgang Holz
Frau Bucher, Sie haben jüngst den neu gewählten Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, nach Baar zu einem Besuch eingeladen. Wie haben Sie das geschafft?
Tamara Bucher*: In unregelmässigen Abständen nehme ich an Anlässen der «Foundation Benedict» teil. Diese Veranstaltungen thematisieren jeweils Inhalte der Regel Benedikts, und ich komme mit anderen Menschen ins Gespräch. Ich erzähle dort, was mich als Kirchenrätin beschäftigt und mit welchen Anliegen Menschen aus unserer Pfarrei auf mich zu kommen. So kam ich auch mit Pater Markus Muff, dem engsten Mitarbeiter des Abtprimas in Rom, ins Gespräch, und es entstand die Idee für einen Austausch, an dem wir unser Potenzial zusammenbringen.
Seit wann kennen Sie den deutschen Abtprimas persönlich?
Bucher: Den neuen Abtprimas Jeremias Schröder habe ich auch erst an diesem Treffen im Baar persönlich kennengelernt. Seinen Vorgänger Abt Gregory Polan durfte ich anlässlich unserer letztjährigen Kirchenratsreise nach Rom kennenlernen.
Welches persönliche Interesse verbindet Sie mit dem Benediktinerorden? Faszinieren Sie Klöster?
Bucher: Grundsätzlich kann man sagen, dass mich Geschichtliches sehr interessiert, egal ob Klöster, Schlösser, alte Texte. Die Aufzählung könnte ich beliebig erweitern. Einerseits fasziniert mich, mit welch bescheidenen Hilfsmitteln so fantastische Werke erbaut werden konnten und andererseits, wie viele Ereignisse aus der Vergangenheit uns Menschen bis heute prägen.
Bei der Regel Benedikts beeindruckt mich, über welchen Zeitraum diese Regel Bestand hat. Wenn man bedenkt, dass Benedikt diese Regel für das Zusammenleben im von ihm gegründeten Kloster Monte Cassino im Jahr 529 formulierte und für den Benediktiner Orden bis heute Gültigkeit hat, muss der Inhalt dieses Regelwerks etwas Grosses sein.
«Ja, diese Arbeit macht wirklich Spass.»
Sie sind Kirchenrätin der Kirchgemeinde Cham-Hünenberg für das Ressort Finanzen. Macht Ihnen Ihre Arbeit Spass?
Bucher: Ja, diese Arbeit macht wirklich Spass. Ich arbeite im Rat mit unterschiedlichen Menschen zusammen, die alle ein Ziel haben. Zusammen erarbeiten wir die notwendigen Rahmenbedingungen, damit unsere beiden Pfarreien auch in Zukunft ein Ort für einen lebendigen Austausch und die Verbreitung des Evangeliums sein können. Ich glaube, dass wir mit jedem einzelnen Engagement das friedliche Zusammenleben fördern können.
Warum engagieren Sie sich für die Kirche – das ist ja heute nicht mehr selbstverständlich?
Bucher: Ich durfte als Kind in einem Umfeld aufwachsen, in dem der regelmässige Besuch des Gottesdienstes und die Feste rund um das Kirchenjahr rege gepflegt wurden und in dem wir Kinder stark eingebunden waren. Dieses regelmässige Zusammenkommen hat mir auf meinem Weg Halt gegeben und viele schöne Erlebnisse geschenkt. Als die Anfrage an mich gerichtet wurde, ob ich mich im Kirchenrat engagieren würde, bot dies mir die Gelegenheit, etwas zurück zu geben. Es ehrt mich, dass mir dieses Vertrauen geschenkt wird.
«Es braucht Einsicht, Reue, Wiedergutmachung und ein geändertes Verhalten seitens der Kirche.»
Die katholische Kirche steckt in der Krise. Stichwort Missbrauchsskandal. Stichwort Kirchenaustritte. Was sagen Sie dazu?
Bucher: Es braucht Einsicht, Reue, Wiedergutmachung und ein geändertes Verhalten seitens der Kirche. In unserer Kirchgemeinde tun wir alles dafür, dass solches Fehlverhalten nicht stattfinden kann. Wir legen grossen Wert auf Prävention, und unsere Mitarbeitenden werden regelmässig geschult. Der Einstellungsprozess von neuen Mitarbeitenden ist klar geregelt. So verlangen wir zum Beispiel von allen Mitarbeitenden den Sonderprivatauszug, der uns als Anstellungsbehörde Auskunft über ein Berufs- oder Tätigkeitsverbot gibt.
«Die Pfarrei ist auch ein Ort, wo man zusammen lacht, singt, glaubt, trauert, Hoffnung schöpft und vieles mehr.»
Wie erleben Sie die Kirche durch Ihre Mitarbeit an der Basis und was erfüllt Sie in Ihrer Mitarbeit besonders?
Bucher: Beim Zusammenkommen mit den Mitarbeitenden in unseren Pfarreien erlebe ich ein sehr grosses Engagement. Ich bewundere, mit wie viel Herzblut in den Pfarreien gearbeitet wird, oder wie viele freiwillig Engagierte anzutreffen sind. Hier wird das Miteinander gelebt. Die Pfarrei ist auch ein Ort, wo man zusammen lacht, singt, glaubt, trauert, Hoffnung schöpft und vieles mehr. Deshalb engagiere ich mich für meine Kirchgemeinde.
Auf der Weltsynode jüngst war es wieder ein grosses Thema – das Frauendiakonat. Wie ist Ihre Meinung dazu – sollen Frauen künftig geweiht werden dürfen für das Diakonninen- und Priesteramt?
Bucher: In manchen christlichen Denominationen sind die Frauen stärker in den Diensten und Ämtern integriert. Wir können optimistisch sein, dass der Synodale Weg den Austausch unter den Mitgliedern fördert, und die gegenseitige Rücksichtnahme und Anerkennung zunehmen werden.
Eine nachhaltige Änderung kann nur stattfinden, wenn wir die Anliegen mit Respekt, aber beharrlich vorbringen und formulieren. So bin ich der Überzeugung, dass wir die Rolle der Frau in der Diakonie und im Priesteramt stärken.
*Tamara Bucher ist von Beruf Treuhänderin. Sie ist seit 2022 Kirchenrätin in Cham-Hünenberg und für die Finanzen zuständig.
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