Kirchenhistoriker Markus Ries zur Kritik an der Ablass-Praxis

An Heiligabend eröffnet Papst Franziskus das Heilige Jahr. Im Podcast «Laut + Leis» sagt der Kirchenhistoriker Markus Ries, weshalb die Reformatoren zu Beginn des 16. Jahrhunderts die damalige Ablass-Praxis scharf kritisierten.

«Die Kritik am Ablass geht zurück vor das Heilige Jahr 1525. Das beginnt schon 1517 öffentlich zu werden mit dem Beginn der Streitschriften von Martin Luther, dem sogenannten Thesenanschlag. In der reformatorischen Sicht ist es eben so, dass man keine Genugtuung leisten kann. Man kann spirituell für sein eigenes Seelenheil nichts machen. Es ist die Gnade Gottes allein, die mich rettet. Und deswegen ist es eine perverse Idee in Luthers Sicht, von den Menschen gute Werke zu verlangen. 

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat dann der Umstand, dass diese guten Werke Geldleistungen waren für eine gemeinsame Aufgabe, konkret damals für den Bau des Petersdoms. Man kann die Leute mobilisieren für so etwas, heute ja auch. Schauen Sie einmal die vielen Millionen, die gesammelt wurden für die Restaurierung der Notre-Dame in Paris. Das mobilisiert die Leute, und das hat man sozusagen ausgenützt und miteinander verknüpft. Und diese Verknüpfung war es, die das Fass zum Überlaufen brachte.»

Das sagt der Kirchenhistoriker Markus Ries im Podcast «Laut + Leis». Bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Monaten war er Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. (sl) 


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