Papst Franziskus hat sich Anfang Woche klar gegen die Weihe von Frauen ausgesprochen. Die Zeit sei noch nicht reif. Nun haben sich weitere katholische Frauen in der Schweiz zum «Papst-Njet» geäussert.
Wolfgang Holz
Sie hält mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg und spricht stellvertretend aus, was viele katholische Frauen denken. «Die drohende Enttäuschung hängt wie ein Damokles-Schwert über diesem weltweiten synodalen Prozess.
Wenn es wirklich so ist, dass Papst Franziskus mitten in der synodalen Versammlung autokratisch eingreift und Diskussionen über virulente Themen verhindert, ist dies im Kern unsynodal und verstärkt die paternalistische Kultur, dies es zu überwinden gilt», sagt Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, klipp und klar.
Mit solchen Interventionen sabotiere Papst Franziskus nicht nur den Prozess an sich, sondern irritiere und frustriere jene Menschen, «die allen Unkenrufen zum Trotz an fundamentale Veränderungen glauben und glaubten und sich in Rom und weltweit für Veränderungen einsetzen.»
«Die angeblichen Argumente gegen die Ordination von Frauen liegen aber nach wie vor nicht auf dem Tisch, sondern weiterhin in der geschlossenen Schublade.»
«Ich mag es nicht mehr hören, dass die Zeit noch nicht reif sei für die Anerkennung von Berufungen von Frauen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zeit ist überreif; es stinkt zum Himmel. Die angeblichen Argumente gegen die Ordination von Frauen liegen aber nach wie vor nicht auf dem Tisch, sondern weiterhin in der geschlossenen Schublade. Auch das ist zu tiefst unsynodal.
In einem poetisch stilisierten Zwischenruf zu «Die Zeit ist nicht reif für das Frauen-Diakonat» schreibt Claudia Mennen von der Geschäftsstelle der Allianz Gleichwürdig Katholisch in Luzern an kath.ch: «Es sei dahingestellt, ob berufene Frauen im Sinne des herrschenden Amtsverständnisses überhaupt ein Amt in der Kirche bekleiden wollen. Es sei dahingestellt, ob die Einschätzung, «die Zeit sei nicht reif» nicht den Kairos verpasst, den Augenblick der Fülle der Zeit, im Hier und Jetzt. Es sei dahingestellt, ob das blosse Zuhören reicht, um die Breite und die Tiefe der Synodalität auszuloten.
Und Mennen weiter: «Es sei dahingestellt, ob es nicht mehr Glaubensmut braucht, mehr Vertrauen in die Stimmen von Frauen und Männern, die sagen, die Zeit ist reif für eine Transformation. Es sei dahingestellt, was am Donnerstag in Rom passiert, wenn Kardinal Fernandez über die Arbeit der Studiengruppe zum Diakonat der Frau spricht. Es sei dahingestellt, was geschehen würde, wenn immer mehr Frauen und Männer sich offen und freimütig in der Synodenaula zur Berufung der Frauen zu allen Ämtern äussern.»
«Eine Synode, die das Hören aufeinander zum Kriterium der Wirkung der Heiligen Geistkraft erklärt, darf dies radikal, bis in ihre Wurzeln hinein ernst nehmen und tun.»
«Sicher ist, alles Tun und Lassen hat eine Wirkung», meint Claudia Mennen weiter. «Eine Synode, die das Hören aufeinander zum Kriterium der Wirkung der Heiligen Geistkraft erklärt, darf dies radikal, bis in ihre Wurzeln hinein ernst nehmen und tun.» So höre sie heute mit den Ohren des Kommunikationswissenschaftlers Schulz von Thun auf das, was Papst Franziskus über die Zulassung zum Diakonat gesagt haben soll.
«Auf der Sachebene höre ich in seinen Worten», so Claudia Mennen. «Ich möchte noch nicht über das Diakonat der Frau entscheiden. Auf der Beziehungsebene: Ich möchte euch ernst und zugleich meine Macht als Papst in Anspruch nehmen. Auf der Ebene der Selbstkundgabe: Ich habe Angst vor den Konsequenzen, wenn ich dem Diakonat der Frau zustimme. Auf der Ebene des Appells: Wenn ihr die Zulassung von Frauen zum Diakonat wirklich wollt, müsst ihr mich – geistbewegt, beharrlich und unerschrocken – weiterhin einladen, ermutigen und inspirieren!»
Helena Jeppesen-Spuhler, selbst derzeit Teilnehmerin aus der Schweiz an der Weltsynode gibt sich derweil enttäuschenderweise deutlich wortkarger zur Ablehnung von Frauen zum Weiheamt.
«Da die Sitzung hier in Rom noch läuft und verschiedene Gespräche anstehen oder schon stattgefunden haben, möchte ich mich im laufenden Prozess noch nicht dazu äussern», sagt Jeppesen-Spuhler gegenüber kath.ch
Die Ankündigung von Kardinal Fernandez habe Reaktionen der Synode ausgelöst. «Das war sehr positiv. In vielen Weltregionen ist die Frage brennend, das ist völlig klar. Wir sehen am Samstagabend besser, wie die Resultate im Schlussdokument sind und wie die Synode damit umgehen wird.» Für die Schweiz gelte es dann zu überlegen, wie mit dem Resultat umgegangen werde.
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