Da die Walliser Staatsanwaltschaft nicht mehr gegen Chorherren von Saint-Maurice ermittelt, hofft nun die Abtei, das Missbrauchs-Etikett loszuwerden. Sie bittet um Vergebung und gelobt Verbesserung.
Letzte Woche gab die Walliser Justiz bekannt, dass sie die Untersuchung der Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche einstellt. Alle angezeigten Straftaten seien verjährt oder nicht fristgerecht Gegenstand einer Strafanzeige gewesen, hiess es.
Damit ermittelt sie auch nicht mehr gegen die drei Chorherren von Saint-Maurice, gegen die Missbrauchsvorwürfe erhoben worden waren: gegen den Abt Jean Scarcella und die Kanoniker Gilles Roduit und Roland Jaquenoud. Aber auch auf eine Strafanzeige wegen Verleumdung seitens Roduit geht die Staatsanwältin nicht ein.
Der apostolische Administrator der Abtei Saint-Maurice, Jean-Michel Girard, hofft nun, dass die Namen der Chorherren fortan nicht mehr mit sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht werden. Zumindest, «solange diese Behauptungen oder andere Anzeigen unbegründet sind», schreibt er in einer Mitteilung.
Trotzdem geht der interimistische Abteileiter davon aus, dass Personen Leid erlitten haben und bittet um Vergebung. Er schreibt, im (übersetzten) Wortlaut: «Die Unmöglichkeit, den Sachverhalt nachzuweisen, die Verjährung und die eingetretenen Todesfälle dürfen in keiner Weise das Leid der Personen, die sich gemeldet haben, überdecken. Angesichts so vieler Schäden bitten wir um Vergebung und hoffen, dass ein Weg der Resilienz für die Menschen, die verletzt wurden, begonnen werden kann.»
Girard beteuert, die Abtei habe mehrere Massnahmen ergriffen, um frühere oder aktuelle Missbrauchsfälle aufzuklären, die ihre Mitglieder oder die Pfarreien und Einrichtungen betreffen, in denen diese tätig sind oder waren.
So habe sie eine unabhängige Arbeitsgruppe aus Geschichtsforscherinnen eingesetzt – unter der Leitung von Pierre Aubert. Ausserdem bekräftigte sie ihren Willen, gemeinsam mit der Kirche Schweiz «entschieden gegen Missbrauch» in den eigenen Reihen vorzugehen. Dies mittels «aufmerksamem Zuhören, einer persönlichen Begleitung, eine aktiven Prävention und dem Bemühen um eine bessere Beherrschung der kirchenrechtlichen Verfahren».
Zudem verpflichtet sich die Abtei, Meldungen betreffend Missbrauch an die Ziviljustiz vor die kirchliche Justiz zu bringen – sofern sie die Voraussetzungen für eine kanonische Untersuchung erfüllen. Und «selbst wenn sie verjährt sind», so die Mitteilung. (rp)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/abtei-saint-maurice-hofft-das-missbrauchsetikett-loszuwerden/