Zwei Leiter der Jugendorganisation Cevi hatten im vergangenen Sommer ein Kind mit Kabelbindern ruhig gestellt. Nun werden sie dafür bestraft. Könnte das auch bei der Jubla passieren? kath.ch hat nachgefragt.
Christian Maurer
Im Cevi-Haus in Rapperswil-Jona wurde im letzten Frühling ein elfjähriger Bube mit Kabelbindern von zwei erwachsenen Leitern gefesselt und festgehalten. Er soll die Wände mit Kreide beschmiert haben. Die beiden Leiter sind der Freiheitsberaubung schuldig gesprochen worden. Luca Belci, Co-Präsident Jubla Schweiz, zeigt sich betroffen.
Wie reagiert Ihr bei solchen Meldungen, was geht Euch zuerst durch den Kopf?
Luca Belci: Diese Meldung macht uns als erstes betroffen. Wir hoffen, dass der Bub diesen Vorfall verarbeiten konnte und keine Schäden davontrug. Gleichzeitig zeigt es uns immer wieder auf, wie wichtig unsere internen Aus- und Weiterbildungskurse sind.
Schaden solche Vorfälle auch dem Ruf der Jubla?
Belci: Natürlich kann ein solcher Vorfall immer allen Kinder- und Jugendverbänden schaden. Unsere Leitungspersonen stehen in engem Kontakt mit den Eltern und sind stets bemüht, Fragen und Bedenken offen und transparent zu klären.
«Jede Meldung wird ernst genommen und sorgfältig geprüft.»
Kommen nach Vorfällen bei anderen Jugendorganisationen besorgte Eltern auf die Leiterinnen und Leiter zu, oder auf die regionalen und nationalen Gremien?
Belci: Solche Vorfälle passieren äusserst selten. Wir pflegen eine enge und transparente Beziehung zu den Eltern. Dank diesem Vertrauensverhältnis können Bedenken oder Fragen direkt und offen angesprochen werden. Sollte dennoch einmal eine Situation entstehen, bei der Eltern zusätzliche Unterstützung oder Klärung benötigen, stehen unsere regionalen und nationalen Gremien jederzeit zur Verfügung. Jede Meldung wird ernst genommen und sorgfältig geprüft. Wir wollen sicherstellen, dass wir weiterhin ein sicheres und vertrauensvolles Umfeld für Kinder und Jugendliche bieten.
«Unsere Leitenden lernen das Erkennen und Respektieren von Grenzen sowie ihre Rechte und Pflichten. «
Was tut die Jubla, dass solches nicht passieren sollte?
Belci: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat bei uns oberste Priorität. In unseren internen Aus- und Weiterbildungen werden unsere Leitenden umfassend geschult. Sie lernen das Erkennen und Respektieren von Grenzen sowie ihre Rechte und Pflichten. Dazu gehören auch ihre Obhutspflicht und das Recht, Regeln aufzustellen. Werden Regeln gebrochen, können erzieherische Massnahmen angewendet werden. Allerdings müssen diese verhältnismässig sein und dürfen keinen Schaden zufügen. Wir stärken Leitungspersonen darin, hinzuschauen und solche Situationen anzusprechen.
Gibt es eine Meldestelle für Übergriffe aller Art bei den Jubla? Wenn ja, wo und wie funktioniert sie?
Belci: Bei uns hat jeder Kantonalverband ein so genanntes Krisentelefon. Dort kann jederzeit angerufen und ein Vorfall gemeldet werden. Eltern können sich auch immer an die Scharleitung wenden. Jeder gemeldete Fall wird dann durch ein ausgebildetes kantonales Krisenteam begleitet. Es gibt auch ein nationales Krisentelefon und Krisenteam für zusätzliche Unterstützung und Beratung. Zusätzlich arbeiten wir eng mit externen Fachstellen wie der Opferhilfe oder Limita zusammen.
«Die Leitenden lernen verhältnismässig in herausfordernden Situationen zu reagieren.»
Kinder können manchmal sehr renitent sein. Wie lernen Leiterinnen und Leiter den Umgang mit ihnen?
Belci: In unseren Ausbildungskursen aber auch bei den lokalen Leitungsteams gibt es immer Raum für Diskussionen, wo der Umgang mit herausfordernden Kindern ein Thema ist. Die Leitenden lernen dort, wie sie richtig und vor allem auch verhältnismässig in herausfordernden Situationen reagieren können. Wichtig ist auch, dass sich die Leitenden in solchen Situationen gegenseitig unterstützen und von den Erfahrungen der jeweils anderen profitieren können.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/freiheitsberaubung-beim-cevi-jubla-ist-betroffen/