Jean Scarcella will seine Funktion als Territorialabt von Saint-Maurice bald wieder aufnehmen. Vom Vorwurf sexuellen Missbrauchs sieht er sich staatlich und kirchlich vollständig entlastet. Einen Rüffel aus Rom erhielt er dennoch.
In der Antwort auf Untersuchung wegen sexuellen Missbrauchs des Dikasterium für die Bischöfe werde «der Schluss gezogen, dass es keine Beweise gibt», schreibt die Abtei in einer Mitteilung vom Freitag. «Abt Scarcella hat Rom gebeten, dass er seine Funktionen in Saint-Maurice baldmöglichst wieder aufnehmen kann», sagt Jean-Michel Girard, Apostolischer Administrator der Abtei sei Abt Scarcealla wegen des Verfahrens sein Amt ruhen liess.
Damit ist Abt Scarcella sowohl weltlich als auch kirchlich reingewaschen. «Es läuft kein Verfahren mehr gegen ihn», erklärt Girard gegenüber kath.ch. Die Walliser Staatsanwaltschaft hatte ihre Untersuchung gegen Scarcella bereits Anfang dieses Monats eingestellt. Ob mangels strafrechtlicher Tatbestände oder Verjährung wurde dabei nicht klar.
Das Dikasterium erklärt nun laut der Mitteilung aus Saint-Maurice, dass «keine Beweise für Missbrauch oder Belästigung im eigentlichen Sinne in dem betreffenden Fall vorliegen.» Aber: «Wären die Fakten in Bezug auf diese Anschuldigung vollständig bewiesen, dann wären sie sicherlich ungehörig und würden eine zweideutige und nicht die mit der von Klerikern erwarteten Vorsicht in zwischenmenschlichen Beziehungen übereinstimmend», zitiert die Abtei aus dem Schreiben aus Rom.
Das wiederum genügt dem Bischofsdikasterium laut der Abtei-Mitteilung für einen klaren Rüffel an die Adresse Scarcellas. Es erteile ihm «eine förmliche Rüge» und ermahne ihn «sich in Zukunft daran zu erinnern, sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen allem zu enthalten, was dem klerikalen Stand nicht angemessen ist.» Damit ist klar: Da war nicht nichts.
Scarcella war unangemessenes Verhalten gegenüber einem jungen Mann beim Klavier spielen vorgeworfen worden. In seinem Schreiben erwähne Kardinal Robert Francis Prevost, Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe, dass der Verfasser dieser Anzeige «stets betont hat, dass er mit seiner Meldung niemals die Absicht hatte, die staatliche oder kirchliche Verfahren zu eröffnen». Dennoch sei er nachhaltig verletzt worden. Abt Scarcella respektiert die Gefühle dieser Person und wiederholt seine Bitte um Vergebung.
Auch wenn Abt Scarcell reingewaschen ist: «Die Untersuchung der unabhängigen Arbeitsgruppe unter der Leitung des Neuenburger Generalstaatsanwalts Pierre Aubert läuft weiter», sagt Administrator Girard gegenüber kath.ch. «Die Resultate erwarten wir im Juni 2025.»
Die Arbeitsgruppe untersucht die Verwicklung einiger Mitglieder der Abtei Saint-Maurice in Fälle von sexuellem Missbrauch. Sie arbeitet nach sowohl rechtlichen als auch historischen Kriterien. Nicht verjährte und noch nicht abgeurteilte Straftaten, die die bei dieser Gelegenheit entdeckt werden könnten, sollen auf ausdrücklichen Wunsch der Abtei bei der Justiz angezeigt werden. (kath.ch/chm)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/rueffel-aber-abt-scarcella-sieht-sich-reingewaschen/