Frank Bangerter: «Ich will ein nahbarer Bischof sein»

Bei einem feierlichen Gottesdienst vor 400 Gästen in der Kirche St. Peter und Paul in Bern ist Frank Bangerter am Samstag zum achten Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz geweiht worden. Im Interview mit kath.ch betont der 61-Jährige, dass er wie früher als Pfarrer seinen Gläubigen besonders nahe stehen will.

Wolfgang Holz

Herr Bangerter, wie fühlt es sich an, neuer Bischof der Christkatholiken der Schweiz zu sein?

Frank Bangerter*: Natürlich ist es für mich ein ganz neues Gefühl, Bischof zu sein. Ich konnte diese Funktion ja nicht vorher einüben. In dieses Amt muss ich erst hineinwachsen. Ich komme aus dem Pfarramt und werde ähnlich wie dort als Bischof versuchen, den Menschen nahe zu sein. Ein nahbarer Bischof zu sein.

«Wir haben an diesem Tag die Farbe Rot als liturgische Farbe bestimmt in Anklang an das pfingstliche Rot.»

Bei Ihrer Bischofsweihe fällt auf, dass die Farbe rot dominiert. Warum ist das so?

Bangerter: Wir haben an diesem Tag die Farbe Rot als liturgische Farbe bestimmt in Anklang an das pfingstliche Rot. Wir bemühten uns in dem Gottesdienst in besonderem Masse um den Heiligen Geist. In diesem Sinn wirkt die Farbe Rot am überzeugendsten. Andererseits kommt Rot oft bei solchen Feierlichkeiten zur Anwendung.

Bei Ihrer Feier zur Bischofsweihe war eine Bischöfin anwesend. Und die christkatholische Pfarrerin aus Solothurn setzte Ihnen die Mitra auf. Dinge, die in der römisch-katholischen Kirche derzeit undenkbar sind. Wie sehen Sie das?

Bangerter: Ich bin stolz auf diese Errungenschaften, die wir uns über Jahrzehnte erarbeiteten, bis wir an diesen Punkt gelangt sind. Es ist schön, die Gleichberechtigung von Mann und Frau bei uns in der christkatholischen Kirche erleben zu dürfen. Es war das erste Mal, dass mit Bischöfin Maria Kubin aus Österreich bei einer Bischofsweihe eine Frau dabei sein konnte. Generell können bei uns sämtliche Verantwortlichkeiten auf beide Geschlechter verteilt werden. Dass Pfarrerin Denise Wyss mir die Mitra aufgesetzt hat, habe ich mir extra gewünscht. Auch die übrigen Rituale bei der Übergabe der Insignien der Bischofsweihe sind bei uns klar geregelt.

«Der Bischofsring wird von einem Laien übergeben, die Mitra von einer geistlichen Person.»

Die da wären?

Bangerter: Das Kreuz übergibt der Synodepräsident dem Bischof. Der Bischofsring wird von einem Laien übergeben, die Mitra von einer geistlichen Person. Und den Bischofsstab habe ich schliesslich von Erzbischof Bernd Wallet aus Utrecht empfangen.

In der christkatholischen Kirche dürfen Frauen Priesterinnen werden, Sie können als Bischof und Priester verheiratet sein bzw. offen in einer Partnerschaft leben. Wie lange glauben Sie, wird es noch dauern, bis dies in der römisch-katholischen Kirche möglich sein wird?

Bangerter: Dazu kann ich mich natürlich nicht wirklich äussern. Denn es geht dabei um interne Prozesse in unserer Schwesterkirche, die von dieser auch entschieden werden. Ich wünsche der römisch-katholischen Kirche auf jeden Fall, dass sie neue Wege aufgleisen kann. Grundsätzlich befinden wir uns in einem guten gegenseitigen Austausch.

Die Christkatholische Gemeinde in der Schweiz umfasst nur knapp 13’000 Mitglieder. Warum wechseln aus Ihrer Sicht nicht viel mehr römisch-katholische Personen in die christkatholische Kirche über, wo ja quasi all das erlaubt ist, was in der römisch-katholischen Kirche verboten ist?

Bangerter: Das kann ich nur vermuten. Es ist tatsächlich so, dass wir in der Schweiz eine kleine christkatholische Landeskirche sind – das war nicht immer so. Insbesondere nicht nach der Trennung von der römisch-katholischen Kirche im 19. Jahrhundert. Und es ist tatsächlich auch so, dass keine Scharen enttäuschter Personen aus der römisch-katholischen Kirche zu uns strömen. Das hat wohl damit zu tun, dass man nach einem Austritt aus der Konfession bereits einen langen Weg des Haderns hinter sich hat und zunächst nichts von einer anderen Konfession wissen will bzw. die neue persönliche Freiheit erst einmal in Anspruch nehmen möchte. Vielleicht ist es erst später mit einem gewissen Abstand möglich, eine neue spirituelle Heimat zu finden, vielleicht auch bei uns.

Letzte Frage: Was wollen Sie als neuer Bischof der Christkatholiken vor allem in Angriff nehmen?

Bangerter: Es sind bereits verschiedene Projekte aufgegleist. Es geht nicht zuletzt um die Ausbildung der Geistlichen in Zukunft. Um die Überarbeitung unserer Verfassung, die uns anregt, über uns und unsere Strukturen nachzudenken.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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