«Marsch fürs Läbe» freut sich über Protest

Die neuste Clip-Kampagne von «Marsch fürs Läbe» in den Postfilialen hat viele Postkunden verärgert. «Es gab Reklamationen und Verbotsforderungen», bestätigt Post-Sprecher Stefan Dauner. Das freut die Abtreibungsgegner.

Christian Maurer

Der Clip «Häsch gwüsst?» thematisiert die Zahl von 12’045 Schwangerschaftsabbrüchen 2023 in der Schweiz. Ein trauriges Hoch, schreibt die Organisation dazu in einer Mitteilung. Im Jahr zuvor wurden in der Schweiz 11’374 Schwangerschaften abgebrochen.

Der Clip wurde auf Bildschirmen im öffentlichen Verkehr und in den Postfilialen ausgespielt. Insbesondere die Post habe massive Proteste gegen die Clips, die bereits im Juli und nun wieder im August liefen, einstecken müssen, teilt «Marsch fürs Läbe» mit.

Verbieten ist verboten

Es hätten tatsächlich viele Kunden protestiert und verlangt, diesen Clip zu verbieten, sagt Post-Sprecher Dauner. Politische Werbung sei aber in den Postfilialen explizit erlaubt. Verbieten konnte die Post den Clip also nicht. Vielmehr: Sie durfte ihn gar nicht verbieten.

Die Filialen der Post gelten als öffentlicher Raum, wie auch eine Bahnhofshalle. Die Post sei darum verpflichtet, bei der Nutzung von Werbeflächen die Gleichbehandlung sowie das Willkürverbot einzuhalten.

Das bedeutet für den vorliegenden Fall: Solange die Werbung keine strafbaren Äusserungen, Verstösse gegen andere Gesetzesvorschriften oder überwiegende Einschränkungen von Grundrechten Dritter enthält, darf die Post bei Werbung mit politischem und ideellen Inhalt keine Vorauswahl der Werbeinhalte treffen.

«Die Verantwortung für die Inhalte tragen die Werbetreibenden», erklärt Dauner. Das heisst auch: Die Post muss mit dem Inhalt des Clips von den Abtreibungsgegnern nicht einverstanden sein.

Für den Inhalt verantwortlich sind also die Abtreibungsgegner von «Marsch fürs Läbe». Sie sehen den Protest ihrer Kontrahenten bei der Post positiv: «Die ‹Häsch gwüsst›-Kampagne ist angeeckt», freut sich Geschäftsführerin Monika Hoffmann. «Die Reaktionen zeigen uns, wie wichtig es ist, Fakten über Abtreibung in den öffentlichen Raum zu bringen.» Das habe das Thema verdient.

Kinder und Babys statt Föten

Die Kampagne sei lanciert worden, damit «Risiken und Nebenwirkungen» nicht weiter ein Tabu bleiben. Für «Marsch fürs Läbe» geht um den «Tod von über 12’000 Kindern im Jahr». Laut der Organisation wird jeder neunte Fötus in der Schweiz abgetrieben. Diese Bezeichnung verwendet «Marsch fürs Läbe» nicht, sie redet von Babys und Kindern.

Für die Organisation gehe es auch um das belastete Leben der Mutter – oftmals allein, in einer verfahrenen Lebenssituation oder in Angst, ein Leben mit Kind nicht zu schaffen. «Es gibt immer einen Ausweg», meint hingegen «Marsch fürs Läbe».


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