Die Bischofswahl in St. Gallen hat begonnen. Ab morgen wird eine dreiwöchige Umfrage gestartet. Das Kirchenvolk kann dann sagen, wie der neue Bischof sein soll.
Wolfgang Holz
Schneller als erwartet ist die Bischofswahl im Bistum St. Gallen gestartet. Papst Franziskus hat prompt auf den angebotenen altersbedingten Rücktritt von Bischof Markus Büchel nach dessen 75. Geburtstag am 9. August reagiert. Zwar bleibt der St. Galler Bischof vorerst im Amt. Das Domkapitel hat aber den Auftrag erhalten, mit den Vorbereitungen zur Bischofswahl zu beginnen.
Konkret bedeutet dies: Um von Gläubigen zu erfahren, welche Befähigung ein neuer Bischof aus ihrer Sicht haben sollte und um die künftigen Herausforderungen in der katholischen Kirche zu meistern, führt das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut St. Gallen (SPI) nun eine Umfrage durch, die drei Wochen dauert. Die Vorlage dafür wird aktiv im Bistumsgebiet verbreitet und ist zusätzlich ab dem morgigen Dienstag über die Website des Bistums abrufbar.
Kurzfristig war der Link bereits online, um bei der Umfrage mitzumachen. Seit dem frühen Montagnachmittag funktioniert er nicht mehr.
«Die aktuelle Konsultation ist bereits die dritte ihrer Art.»
Aber wie im Detail soll die Umfrage eigentlich über die Bühne gehen? Wie Generalvikar Guido Scherrer betont, ist diese Umfrage nicht die erste, die im Rahmen einer Bischofswahl durchgeführt wird. «Die aktuelle Konsultation ist bereits die dritte ihrer Art», sagt der Generalvikar gegenüber kath.ch.
Die erste Umfrage habe es vor der Wahl von Bischof Ivo Fürer gegeben, die zweite dann vor der Wahl von Bischof Markus Büchel. Neu sei bei der kommenden Bischofswahl, dass das Domkapitel bis auf zwei Mitglieder neu zusammengesetzt sei.
«Es sollen sich alle Gläubigen beteiligen, die in Kleingruppen miteinander das Gespräch suchen.»
«An der Konsultation sollen sich Mitarbeitende in der Seelsorge und in den Pfarreien, Kirchenverwaltungs- und Pfarreiräte, Administrations- und Kollegienräte, Mitglieder von kirchlichen Gruppen und Vereinen, Schwestern und Brüder der verschiedenen geistlichen Gemeinschaften, ja alle Gläubigen beteiligen, die in Kleingruppen miteinander das Gespräch suchen», skizziert der Generalvikar, welchen Teilnehmerkreis er sich vorstellt.
Dabei wirkt ein Element der Konsultation besonders modern in Sachen Kirchendemokratie. Sprich: Quasi im Stil einer St. Galler Synode soll das Befragungsprozedere ablaufen. Guido Scherrer sagt dazu: «Wir sind in einer Zeit, in der die Bedeutung von synodalen Prozessen wichtig ist, deshalb sollen aus dem Gespräch in Gruppen Ergebnisse in die Konsultation einfliessen.»
«Ohne einer zu bildenden Gesprächsgruppe anzugehören, kann man an der Konsultation nicht teilnehmen.»
Ein Multiple-Choice-Abfragemodus, bei dem jeder Katholik und jede Katholikin einfach ein Kreuzchen bei vorgegebenen Charaktereigenschaften machen könnte, ist allerdings nicht vorgesehen. Die erwünschten Kompetenzen des neuen St. Galler Bischofs sollen also auf alle Fälle kollektiv erarbeitet werden.
One person, one vote – quasi direkte demokratische Mitsprache jedes und jeder einzelnen ist nicht erwünscht. Nur Gruppen dürfen mitmachen. «Ohne einer zu bildenden Gesprächsgruppe anzugehören, kann man an der Konsultation nicht teilnehmen», stellt Guido Scherrer gegenüber kath.ch klar.
Und doch wird es als Gesprächsgrundlage eine Art Fragekatalog geben, wie Generalvikar Guido Scherrer erklärt. «Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut St. Gallen hat im Auftrag des Domkapitels den Fragekatalog zusammengestellt».
Mit den Fragen soll laut Scherrer erfasst werden können, welche Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sich in welcher Region, in welchem Alterssegment auch immer, zusammensetzten, um die Erwartungen an den künftigen Bischof zu erwägen und zu formulieren. «Dabei sollen keine Namen genannt werden.» Welche konkreten Fragen in dem Katalog gestellt werden – diesbezüglich lässt sich das Bistum noch nicht in die Karten blicken.
Da die Umfrage-Seite kurzfristig online war, konnte kath.ch einen Blick hineinwerfen. Dort muss die Gruppe Angaben zu sich machen, ebenso, wie viele Personen sich zusammengetan haben, um die Umfrage auszufüllen. Auch wird abgefragt, wie viele Männer, Frauen und diverse Personen sich daran beteiligt haben und was das geschätzte Durchschnittsalter der Gruppe ist.
Dann folgen zwei konkrete Fragen, die den künftigen Bischof betrifft: «Welche Erwartungen haben Sie (aus Ihrer Perspektive als Team, Rat, Verband, Gruppe etc.) an den kommenden Bischof von St. Gallen?» und «Welche Eigenschaften werden für den neuen Bischof besonders wichtig sein, um den Erwartungen gerecht werden zu können?».
Maximal fünf Erwartungen können als Stichworte oder mit einem kurzen Satz in die Felder geschrieben werden. Pro Antwort dürfen es maximal 600 Zeichen sein. Es sollen sich dann bis zu fünf Antwortfelder öffnen. Zum Schluss will die Umfrage einen Namen und eine Email-Adresse erfahren, «für allfällige Verständnisfragen und für eine spätere Information über das Umfrageergebnis».
«Erstadressierte der Konsultation sind die erwähnten Personen. Der Link zur Umfrage wird am Dienstag auf der Bistumswebsite aufgeschaltet. So kann, wer immer will, sich mit anderen zusammensetzen und die Fragen beantworten», erklärt Generalvikar Guido Scherrer weiter gegenüber kath.ch. Man darf also gespannt sein, wie viele Gläubige sich in Gruppen und Grüppchen zusammentun, um sich über den St. Galler Wunschbischof der Zukunft auseinanderzusetzen.
Eines ist auf jeden Fall klar. Die Konsultation unter den Gläubigen soll keine Alibi-Übung in Sachen Kirchendemokratie verkörpern. «Das Domkapitel wird das Ergebnis der Konsultation ernst nehmen», versichert der St. Galler Generalvikar.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/so-konnen-glaubige-in-st-gallen-ihren-wunsch-bischof-wahlen/