Während Jahren leitete Josef Bründler (80) als Guardian das Kapuzinerkloster in Olten. Nach dessen Schliessung ist er ins Kloster Wesemlin in Luzern umgezogen, wo ihn die tatkräftige Hilfe eines jungen Mitbruders positiv überraschte.
Regula Pfeifer
Sie waren Guardian im Kloster Olten. Wie haben Sie die letzte Zeit vor der Klosterschliessung erlebt?
Josef Bründler*: Das war eine mühsame Angelegenheit. Besonders das Räumen und Entsorgen war auf die Dauer belastend. Wir mussten Liebgewonnenes loslassen. Aber wenn uns dies gelang, merkten wir, dass Ballast abwerfen uns freier machte.
Wie war Ihr Umzug ins Kloster Wesemlin in Luzern?
Bründler: Am 10. Juni übergaben wir die Klosterschlüssel dem Kanton Solothurn, konkret der zuständigen Regierungsrätin Sandra Kolly. Freunde zügelten meine persönlichen Sachen nach Luzern, darunter drei Büchergestelle und ein Pult. Als ich selber nach Luzern fuhr, dachte ich: Um Himmels willen, wie bringe ich diese Möbel in mein Zimmer rein? Das belastete mich.
«Ich war 23 Jahre in Olten, das wurde für mich Heimat.»
Als ich im Kloster Wesemlin ankam, sagte mir beim Kaffee der jüngste Bruder, Pascal: «Du, ich habe heute Abend frei. Wir könnten doch deine Büchergestelle und dein Pult aufstellen.» Das war für mich eine enorm schöne Erfahrung, die ich beim Start in Luzern machte. Abends um 21.15 Uhr waren die Möbel aufgestellt.
Was sind Ihre guten oder weniger guten Erinnerungen an Olten?
Bründler: Ich habe praktisch nur gute Erinnerungen. Ich war 23 Jahre in Olten, das wurde für mich Heimat. Das Kloster hat eine enorme Standortattraktivität: fünf Minuten vom Bahnhof entfernt, mitten in der Stadt, gleich neben dem Coop. Sobald wir Kapuziner aus dem Haus gingen, begegneten wir Menschen. Ich war dreizehn Jahre in der Marienpfarrei und später im Pastoralraum Olten aktiv, was mir viele Kontakte ermöglichte. An die Begegnungen mit Menschen erinnere ich mich gern.
Pflegen Sie Kontakt zu Ihren Oltner Mitbrüdern, die nun in verschiedenen Kapuzinerklöstern leben?
Bründler: Ja, wir rufen einander ab und zu an und fragen: Wie geht es dir? Alle sechs Brüder des Klosters Olten erleben im Moment eine Umstellung. Da hilft es, hin und wieder zu telefonieren. Wir Kapuziner sind keine Einzelkämpfer, wir gestalten unser Leben als Gemeinschaft, wie eine Familie.
«In Luzern haben wir eine andere Gebetsform.»
Was ist anders im Kloster Wesemlin – im Vergleich zum Kloster in Olten?
Bründler: Ich lebte ja schon vor 36 Jahren im Kloster Wesemlin. Vor meiner Rückkehr war mir allerdings sehr bewusst, dass sich unterdessen viel verändert hat. Das Kloster hat eine neue Ausrichtung, und da wachse ich nun hinein. Neu sind beispielsweise die Gebetsformen. In Olten hatten wir auch eine lebendige Gebetstradition. Aber die Gebete waren traditionell ausgerichtet, nach dem Brevier. In Luzern haben wir eine andere Gebetsform.
Was ist anders? Sind die Gebete freier formuliert?
Bründler: Ja, sie sind freier formuliert. Und in einer deutschen Sprache, die einem näher ist als beispielsweise jene der Einheitsübersetzung der Bibel. Wir verwenden hier das sogenannte Brigger Revier. Das haben vor allem unsere jüngeren Kapuzinerbrüder entwickelt. Sie haben eine Gebetsform gefunden, die ich als angenehm empfinde.
Haben Sie in Luzern eine neue Aufgabe erhalten?
Bründler: Verantwortlich bin ich, Gott sei Dank, nicht mehr. Das Guardianat von Olten hatte ich jahrelang inne. Ich bin froh, diese Verantwortung nicht mehr zu haben. Nun bin ich einfach Mitglied unserer Klosterfamilie und habe also die Aufgabe, diese Gemeinschaft mitzutragen. Wir haben in Luzern sehr viele Gäste im Haus, das finde ich schön, für sie bin ich gerne da. Ich werde auch Gottesdienste leiten in der Klosterkirche. Und – wie bei Kapuzinern üblich – in den Pfarreien aushelfen. Ich habe eine Liste priesterlicher Aushilfsdienste, die bis Weihnachten reicht. Es freut mich, dass ich das in meinen alten Tagen noch machen kann.
Darf ich nach dem Alter fragen?
Bründler (lacht): Als Frau dürfen Sie das. Ich bin am 24. Juni 80 geworden.
Da kann ich verstehen, dass Sie gerne Verantwortung abgeben…
Bründler: Ja, da bin ich froh, das ist entlastend.
«Das Thema Schweizergarde ist vom Tisch, daraus wird nichts.»
Gibt es einen Entscheid zum Kloster in Olten? Wird daraus eine Musikschule oder die Geschäftsstelle der Schweizergarde?
Bründler: Das Thema Schweizergarde ist vom Tisch, daraus wird nichts. Was aus dem Kloster wird, ist noch unklar. Die Stadt hat eine Machbarkeitsstudie über mögliche Nutzungen gemacht. Angedacht ist eine Musikschule. Ob etwas daraus wird, kann ich nicht beurteilen. Ich weiss nur: Das Kloster ist ein kleinräumiges Haus. Wenn an einem Ort Trompete gespielt wird, am anderen die Trommel geschlagen – ich weiss nicht, wie das gehen soll. Aber das muss ja nicht ich entscheiden.
Da braucht es wohl Isolierungen…
Bründler: Ja, ich denke, dass es Massnahmen braucht. Aber diese betreffen mich nicht mehr.
Haben Sie einen persönlichen Wunsch, was aus dem Klostergebäude werden sollte?
Bründler: Es hat sich ein Verein gebildet, die Freundinnen und Freunde des Kapuzinerklosters Olten. Diese engagieren sich für allem für die Kirche und den Klostergarten. Sie wünschen, dass die Kirche als religiöser Gottesdienstraum bestehen bleibt und darin weiterhin Gottesdienste gefeiert werden. Auch soll der Klostergarten ein Ort der Begegnung bleiben. Die im Verein engagierten Menschen möchten, dass das franziskanische Erbe an diesem Ort weiter gepflegt wird. Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass ihnen das gelingt.
*Der Kapuziner Josef Bründler lebte 23 Jahre in Olten, bis das Kloster kürzlich geschlossen wurde. Nun lebt er im Kapuzinerkloster in Luzern.
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