Laut Recherchen der «Neuen Zürcher Zeitung» plant der Sterbehilfeaktivist Philip Nitschke die von ihm erfundene Suizidkapsel erstmals im Wallis einzusetzen. «Wir sagen ganz klar Nein zu dieser wahnsinnigen Idee», schreibt Bistumssprecher Paul Martone in seinem Kommentar für kath.ch. Nitschke versuche, sich durch seine Erfindung an die Stelle Gottes zu setzen.
Paul Martone*
Das Bistum Sitten verfolgt die ganze Angelegenheit um Philip Nitschkes Suizidkapsel, seit erste Medienberichte darüber publiziert worden sind – und nun vermehrt und bewusster, nachdem Nitschkes Idee bekannt wurde, diese Suizidkapsel vielleicht im Wallis aufzustellen.
Unabhängig davon, ob die Suizidkapsel im Wallis oder andernorts aufgestellt wird, sagen wir ganz klar Nein zu dieser wahnsinnigen Idee von Philip Nitschke, einem Mann, der sich durch seine Erfindung an die Stelle Gottes zu setzen versucht, der allein über Anfang und Ende eines menschlichen Lebens zu entscheiden hat.
«Unsere Zeit steht in Gottes Händen.»
Nach katholischer Lehre ist es die Aufgabe eines jeden Christen, das Leben zu schützen und die Menschen in Würde sterben zu lassen und zwar dann, wann Gott es will, denn er ist der Herr über Leben und Tod. Er hat uns das Leben geschenkt und er allein entscheidet, wann es zu Ende geht. Nicht ein Arzt, nicht der Mensch selbst und auch nicht die Angehörigen. Unsere Zeit steht in Gottes Händen. So hat unser Leben und Sterben letztlich etwas mit Gottes Willen und Plan – auch mit seinem Zeitplan – zu tun.
Selbst wenn Philip Nitschke im NZZ-Artikel vom vergangenen Freitag argumentiert, das Selbstbestimmungsrecht eines Menschen sei auch in dieser Frage zu respektieren und dass ein autonom funktionierender Mensch den Ort seines Freitodes selbst auswählen kann, so mag er damit Recht haben. Seine Vision ist, dass alle mündigen Erwachsenen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen, dies auf würdige und simple Weise tun können.
«Ich muss diesen Entscheid respektieren, aber ich muss ihn nicht gutheissen.»
Diese Selbstbestimmung kann aber auch angezweifelt werden, denn in solchen Momenten bestimmt man oft nicht selbst, sondern wird durch das Leiden bestimmt, das die Selbstbestimmung beeinträchtig. Der freie Mensch ist dann nicht mehr frei, sondern durch seine Schmerzen und Hoffnungslosigkeit in seiner Selbstbestimmung eingeschränkt.
Selbstverständlich kann ich nicht über jemanden richten. Ich kann nicht die Person richten, die behauptet, nicht mehr leben zu wollen. Zudem muss das Geheimnis des Leidens immer mit grossem Respekt und tiefer Demut angegangen werden. Wenn jemand für sich entscheidet, mit Hilfe einer Sterbeorganisation oder auch durch die Suizidkapsel freiwillig aus dem Leben zu scheiden, muss ich diesen Entscheid respektieren. Ich muss ihn aber nicht gutheissen. Und ich darf schon gar nicht bei einem Suizid behilflich sein.
«Als Christ ist es meine Aufgabe, dem Menschen beim Sterben beizustehen.»
Als Christ ist es meine Aufgabe, dem Menschen beim Sterben beizustehen, seine Schmerzen so gut es geht zu lindern und ihm auch in den letzten Stunden nahe zu sein. Die Kirche im Bistum Sitten und auch darüber hinaus kann einer von Philip Nitschke «organisierten» Form des Suizids niemals zustimmen. Somit lehnt sie auch den Einsatz der Suizidkapsel kategorisch ab.
Wenn Philip Nitschke sich darüber Gedanken macht, wo er seine Suizidkapsel aufstellen will – laut NZZ würde eine Alpwiese mit Blick aufs Matterhorn zu ihm passen – so frage ich mich, ob es ihm mit dem Einsatz seiner Suizidkapsel wirklich nicht um das Geschäft mit dem Tod geht. Womöglich will er nicht in erster Linie den Menschen helfen beim Gang ins Jenseits, sondern es geht ihm mehr ums eigene Ego.
«Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar.»
Jedenfalls ist es nach katholischer Ethik nicht vertretbar, jemandem Mittel und Wege zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe er oder sie das Leben selber beenden kann. Das gilt selbst dann, wenn staatliche Gesetze das anders sehen und eine Euthanasie zulassen. Denn die Würde eines jeden Menschen ist grundsätzlich unantastbar.
Es bleibt zu hoffen, dass kein Landbesitzer seinen Grund und Boden für den Einsatz der Suizidkapsel zur Verfügung stellt.
*Paul Martone ist Mediensprecher des deutschsprachigen Teils des Bistums Sitten.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant