Reformierte Kirche lehnt Dunkelfeldstudie zu Missbrauch ab

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) hat am Dienstag in Neuenburg Massnahmen zu sexuellem Missbrauch beschlossen. Die vom Rat vorgeschlagene, breit angelegte Dunkelfeldstudie kam im Kirchenparlament nicht durch. Geprüft werden soll aber eine kircheninterne Missbrauchsstudie.

Regula Pfeifer

Der EKS-Rat hatte der Synode vorgeschlagen, den sexuellen Missbrauch in der Kirche mit einer sogenannten Dunkelfeldstudie zu erforschen. Eine solche Studie hätte auf Umfragen basiert und das sogenannte Dunkelfeld beleuchten sollen. Es wäre darum gegangen, Fälle von sexuellem Missbrauch zu erfassen, die nicht aktenkundig geworden sind, weil Betroffene keine Meldung gemacht haben. Das ist laut Experten bei der Mehrheit der Missbrauchsfälle der Fall.

Diesen Vorschlag lehnte die Synode der Evangelisch-Reformierten Kirche am Dienstag aber ab. Ratspräsidentin Rita Famos bestätigte nach dem Entscheid – laut Mitteilung: «Ja, der ganze Rat hat sich für die Studie eingesetzt.»

Sie betonte aber, dass die Reformierte Kirche sich dennoch gegen Missbrauch engagiert. «Ob mit oder ohne Dunkelfeldstudie: Die EKS setzt sich für die Betroffenen ein. Wir setzen jetzt eine externe Meldestelle ein und werden mit der Arbeitsgruppe weitere Schritte zur Aufklärung und Prävention von sexuellem Missbrauch erarbeiten.» 

Im Gespräch mit dem reformierten Portal ref.ch sagte Famos: «Es ist schade, hat die Synode den Mut nicht gefunden, voranzugehen.» Nun werde sich die Exekutive dafür einsetzen, das Thema auf nationaler Ebene anders zu lancieren. «Wir gehen einen Schritt zurück und nehmen uns Zeit dafür zu prüfen, ob es eine andere Art von Studie braucht und falls ja, wie diese aussehen könnte.» 

Einsatz beim Bund für Dunkelfeldstudie

Die Synode beschloss weiter, dass eine Arbeitsgruppe zur Prüfung einer allfälligen kircheninternen Studie beauftragt wird. Ausserdem sprach sie sich für die Konsolidierung von Schutz- und Präventionsmassnahmen auf nationaler Ebene aus. Und sie beauftragte den EKS-Rat damit, sich beim Bund für eine Dunkelfeldstudie einzusetzen. Die Idee dahinter: Damit würden Missbrauchsfälle in allen möglichen gesellschaftlichen Kontexten aufgedeckt.

Eine solche soziologisch angelegte, quantitative Studie hat das Team um Monika Dommann und Marietta Meier von der Universität Zürich in ihrem Bericht zum Pilotprojekt über Missbrauch in der katholischen Kirche im September 2023 gefordert. Und hinzugefügt, dass dabei die verschiedenen Religionszugehörigkeiten zu berücksichtigen seien.

Projekt-Ausstieg der katholischen Kirche

Offenbar verhandelten die katholische und die reformierte Kirche deswegen über eine gemeinsame Dunkelfeldstudie. Ende April wurde aber bekannt: Die katholische Kirche macht nicht mit. Wegen des Anstiegs der Missbrauchsmeldungen und Genugtuungsleistungen fehlt ihr das Geld. Der EKS-Rat beschloss darauf, die Idee in der eigenen Kirche weiter zu verfolgen.


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