Samuel Camenzind und das Kloster Engelberg gingen im vergangenen Jahr im Streit auseinander. Nun hat der ehemalige Mönch seine Unterschrift unter das Austrittsindult gesetzt – damit ist der Austritt rechtlich vollzogen. Gleichzeitig beklagt sich Camenzind beim Papst über «das Mobbing und die unrechtmässige Entlassung aus dem Kloster».
Barbara Ludwig
Samuel Camenzind lebte seit 2012 im Benediktinerkloster Engelberg im Kanton Obwalden als Mönch. Das Leben im Kloster gestaltete sich über die Jahre hinweg schwierig für Bruder Samuel, es kam zu Konflikten in der Gemeinschaft, was im Jahr 2021 ein Visitationsbericht dokumentierte.
Wie Camenzind im Februar gegenüber kath.ch sagte, war der Ursprung der Feindseligkeiten das jahrelange Mobbing durch zwei Mitbrüder. Die beiden «wollten mich nicht im Kloster haben. Sie machten von Anfang an Stimmung gegen mich», so der Vorwurf.
Im März 2023 wurde Camenzind von Abt Christian Meyer aus dem Benediktinerkloster Engelberg weggewiesen und erhielt ein Hausverbot. Der Konflikt hat auch eine rechtliche Dimension. Wie kath.ch im Februar berichtete, reichte Camenzind Strafanzeige wegen Nötigung ein und verklagte das Kloster auf Schadensersatz. Die Benediktinerabtei wiederum bestritt «sämtliche von der Gegenpartei gemachten Aussagen vollumfänglich».
Unterdessen ist der Ordensaustritt von Samuel Camenzind auch kirchenrechtlich erfolgt. Das zeigt das sogenannte Austrittsindult, das das zuständige Dikasterium in Rom am 15. April 2024 unterzeichnet hat. «Das Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens erteilt hiermit (…) die erbetene Zustimmung auf die Weise, dass der Bruder nach Ablegung des Ordenskleides von seinem Institut getrennt bleibt», heisst es in dem Dokument, das kath.ch vorliegt. Camenzind wird von den Gelübden und allen Verpflichtungen, die sich aus der Ordensprofess ergeben, dispensiert, wie aus dem Dokument weiter hervorgeht.
Samuel Camenzind hat seine Unterschrift unter das Dokument aus Rom gesetzt und damit den Ordensaustritt akzeptiert. Die Gegenzeichnung eines Austrittsindults durch den Betroffenen sei ein üblicher Vorgang, erklärt Loris Fabrizio Mainardi, Anwalt von Camenzind, gegenüber kath.ch.
Aussergewöhnlich dürfte hingegen sein, dass zur Unterschrift noch eine Botschaft an den Papst hinzugefügt wurde. Genau dies hat Camenzind gemacht. «Heiliger Vater, das Dikasterium ist informiert über das Mobbing und die unrechtmässige Entlassung aus dem Kloster und unterlässt es in diesem Schreiben ganz bewusst, Sie darüber zu informieren», schreibt er in einer kurzen Notiz.
Zu dieser Unterzeichnung sei er gezwungen worden, ihn befremde das Vorgehen des Dikasteriums und der Umgang mit dem «vorliegenden Missstand im Benediktinerorden».
Laut seinem Anwalt hatte sich Camenzind erhofft, das zuständige Dikasterium würde die gegenüber dem Kloster Engelberg erhobenen Mobbing-Vorwürfe untersuchen. Dies sei nicht passiert und daran störe sich sein Mandant. Die Botschaft an den Papst sei ein Protest gegen die Art und Weise, wie er im März 2023 durch den Engelberger Abt aus dem Kloster entlassen wurde.
Mainardi schreibt in einer Mail an Abt Vigeli Monn, Abtpräses der Schweizerischen Benediktinerkongregation, laut einem renommierten Schweizer Kirchenrechtler sei ein wirksames Vorbringen der Mobbing-Vorwürfe in Rom «schlichtweg aussichtslos». Ein Grund dafür sei die personelle Überlastung des zuständigen Dikasteriums, so der Anwalt gegenüber kath.ch.
In dem Mail, das kath.ch vorliegt, schreibt der Anwalt weiter, Camenzind sei aus wirtschaftlichen Gründen zum Ordensaustritt gezwungen. Denn er könne die ihm zustehenden Unterhaltsforderungen erst nach erfolgtem Ordensaustritt zivilrechtlich geltend machen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/ex-moench-protestiert-beim-papst-gegen-rauswurf-aus-kloster-engelberg/