Chorherr Gilles Roduit befindet sich im Hungerstreik

Im Zuge der Enthüllungen über Missbrauch wurde Chorherr Gilles Roduit von seinem Amt als Pfarrer und Dekan von St. Maurice suspendiert. Seit letztem Freitag befindet sich Gilles Roduit in Hungerstreik – weil er gegen seine Amtsenthebung protestiert und rehabilitiert werden will. «Ich muss lernen, mit dieser Qual zu leben», sagt er.

Wolfgang Holz

Fünf Monate nachdem Gilles Roduit von seinem Amt in Saint-Maurice entbunden wurde, bittet er die Diözese um seine Rehabilitierung, schreibt aktuell die französischsprachige Zeitung «Le Nouvelliste». Seit letztem Freitag hat sich Gilles Roduit in die Kapelle Notre-Dame du Scex zurückgezogen, die sich an den Felsen von Agaunoise anschmiegt. Dort ist er in den Hungerstreik getreten.

Er habe jede Würde verloren

Die Gründe hierfür seien vielfältig, erklärt Roduit gegenüber der Zeitung. Er wolle zum einen in seiner Funktion als Priester rehabilitiert werden. Zum anderen wolle er dagegen angehen, wie er durch die RTS-Sendung «Mise au Point» Ende letzten Jahres «vernichtet» worden sei. Er habe da jede Würde verloren. 

Noch nicht wieder Dekan

Zur Erinnerung: Gilles Roduit wurde durch besagte RTS-Sendung Ende letzten Jahres infolge einer ausgestrahlten Zeugenaussage vorübergehend in den Ruhestand versetzt. Ende Februar wurde Gilles Roduit wieder in seine Funktion als Priester eingesetzt. Es wurde ihm jedoch nicht erlaubt, wieder sein Amt als Pfarrer und Dekan auszuüben. Gilles Roduit kann diesen Entscheid nicht verstehen.

Wie er gegenüber «Le Nouvelliste» sagt, würden ja keine weiteren Beschwerden gegen ihn vorliegen. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits bestätigt jedoch nicht, dass keine Anzeige vorliege. Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagt gegenüber der Zeitung, dass eine Untersuchung, die sich mit sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche befasse, immer noch im Gang sei.

Vatikan sieht das ähnlich

Der Fall um Gilles Roduit war 2005 Gegenstand einer Einstellung des Verfahrens. 2021 wurde entschieden, das Verfahren gegen Roduit nicht wieder aufzunehmen. Die Beschwerde dagegen wurde 2022 abgelehnt. Die Untersuchung des Vatikans kam zu denselben Ergebnissen.

«Das Etikett ist nun unauslöschlich auf meiner Stirn und ich muss lernen, mit dieser Qual zu leben.»

Gillis Roduit

«Das Etikett ist nun unauslöschlich auf meiner Stirn und ich muss lernen, mit dieser Qual zu leben», ist Gilles Roduit überzeugt, wie er gegenüber der Zeitung sagt. Die Verdächtigungen, die auf ihm lasteten, hätten ihn gebrandmarkt. Er habe das Gefühl, eine ungleiche Partie zu spielen. «Ich greife ein Spiel an, in dem ich 8:0 verliere und in dem ich in der Unterzahl bin.»

Er beschreibt seinen Alltag als unerträglich. «Heute will ich zurück ins Leben. Ich liebe meine Gemeindemitglieder und möchte ihnen weiterhin dienen können. Pfarrer zu sein, ist meine tiefste Berufung. Das ist es, was ich schon immer tun wollte», sagt er gegenüber «Le Nouvelliste».

Bistum will sich Zeit lassen

Das Bistum Sitten will sich in Sachen Rehabilitierung im Fall Gilles Roduit Zeit lassen. Sprich: Es will laut «Le Nouvelliste» weitere Abklärungen treffen. Und das Bistum fügt an, dass zwar die pastoralen Ernennungen letzte Woche ohne Erwähnung von Gilles Roduit erfolgt seien, dies aber nicht bedeute, «dass eine spätere Ernennung nicht erfolgen kann oder dass er nie wieder ein Amt bekleiden wird».


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