Abt Peter von Sury zur Fastenzeit: «Sie ist die Zeit, um unser Leben in Ordnung zu bringen»

In zwei Wochen ist Ostern. Darauf sollen sich die Gläubigen während der Fastenzeit vorbereiten. Abt Peter von Sury vom Kloster Mariastein findet deshalb vor allem eine persönliche Selbstbesinnung bedeutsam. Weniger Essen und Trinken sei für ihn während der Fastenzeit dagegen nicht so wichtig.

Wolfgang Holz

Seit knapp 50 Jahren lebt er im Kloster Mariastein. Vor 16 Jahren wurde er dort zum Abt gewählt und leitet heute die Benediktinergemeinschaft von noch 14 Mönchen. «Ich war froh damals, ins Kloster aufgenommen zu werden. Das Leben im Kloster ist mein Weg und meine Berufung», ist Abt Peter von Sury noch heute überzeugt.

«Durchlauferhitzer auf dem Weg ins Paradies»

«Ich fühle mich hier am rechten Ort, um zu versuchen, in den Himmel zu kommen – das Kloster ist für mich eine Art Durchlauferhitzer auf dem Weg ins Paradies», meint er und lacht.

Das Leben im Kloster ist ihm deshalb sehr vertraut. Auch während der Fastenzeit. «Die Fastenzeit klingt schon ganz anders, weil sie andere Töne hat», erklärt der 74-Jährige. Er meint damit die speziellen Gesänge und den Verzicht auf die Orgelmusik in der Feier der täglichen Liturgie. «Die Fastenzeit hat ihren ganz eigenen Sound.»

Selbstbesinnung und seelische Einkehr

Einen Sound, den Abt Peter von Sury auch als passende Atmosphäre für eine persönliche Zeit der Selbstbesinnung und seelischen Einkehr empfindet.

«Die Fastenzeit ist gut, weil sie an die ernste Dimension des Lebens gemahnt.»

Abt Peter von Sury, Kloster Mariastein

«Es geht darum, dass wir uns auf Ostern vorbereiten, und dazu ist Selbstkritik und Gewissenserforschung nötig», so der Klostervorsteher.

Gerade in der aktuellen Welt, die von Kriegen und Krisen geprägt sei, und in der Fragen nach der Schuld oftmals abgeschoben würden, komme es darauf an, sich mit seiner eigenen Schuld auseinanderzusetzen. «Die Fastenzeit ist gut, weil sie an die ernste Dimension des Lebens gemahnt. Sie ist die Zeit, um unser Leben in Ordnung zu bringen, damit wir dann eine innere Vorfreude auf Ostern empfinden können.»

Wissen, was dem Körper guttut

Aber meint Fastenzeit nicht auch eine Zeit und ein Ritual des Verzichts? Abt Peter von Sury bejaht. Wobei weniger zu essen und zu trinken für ihn eine untergeordnete Rolle spiele – im Vergleich zu früher.

«Früher praktizierte ich von Zeit zu Zeit das sogenannte Buchinger-Fasten: Keine Nahrung, nur Trinken», sagt er. Doch solche Aktionen erforderten eine sorgfältige Vor- und Nachbereitung. Man müsse wissen, was seinem Körper guttue.

In seinem Alter von 74 Jahren achte er verstärkt auf seine Gesundheit und höre auf seinen Körper. «Abgesehen davon sind laut Kirchenrecht Personen über 60 Jahren nicht mehr verpflichtet zu fasten», stellt er klar.

Keine Schokolade und keine Schnäpse

Trotzdem übt die Klostergemeinschaft auch täglich Verzicht in der Fastenzeit. Selbstverständlich seien im Kloster Mariastein die Mahlzeiten angepasst. «Es gibt zum Beispiel unter der Woche zum schwarzen Kaffee keine Schokolade und keine Schnäpse», sagt Abt Peter von Sury.

Mittwochs und freitags, den klassischen Fastentagen, gebe es abends nur Suppe, Käse und Brot. Abends werde generell kein Fleisch serviert. Und beim Mittagessen komme in der Fastenzeit montags – zusätzlich zu Mittwoch und Freitag – kein Fleisch auf den Tisch.

Persönlichen Verzicht praktiziere er in anderen Dingen, verrät Abt Peter von Sury. «Ich bemühe mich, in Geduld bei Ungereimtheiten zu üben. Neulich ist im Kloster die Kaffeemaschine ausgestiegen – das ist sehr ärgerlich für alle. Ich habe versucht, es gelassen zu sehen.»

«Nicht das persönliche Ego pflegen»

Grundsätzlich geht es während der Fastenzeit seiner Meinung nach nicht darum, «sein persönliches Ego zu pflegen, sondern sich mit dem Leben auseinanderzusetzen, geistlich und religiös, Leib und Seele, die sozialen Beziehungen, die Mitverantwortung fürs Ganze.»

Eigentlich habe der Gründer des Benediktiner-Ordens, Benedikt von Nursia, in seiner Klosterregel verlangt, so Abt Peter von Sury, dass Mönche ihr ganzes Leben wie in der Fastenzeit führen sollten. «Doch dafür haben nur wenige die Kraft». Für Benedikt ist beim Fasten entscheidend, dass der Mönch sich in der Freude des Heiligen Geistes auf Ostern vorbereitet.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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