Martin Kopp über «böse Zeiten»: «Egoismus gibt keine Kraft im richtigen Augenblick»

Zeitungen schreiben von der Gefahr eines dritten Weltkrieges, Pessimismus greift um sich. Auch junge Menschen rechnen mit Krieg, schreibt Martin Kopp in seinem Gastkommentar. Und fragt sich: «Wie steht der Glaube in alledem? Wäre seine ‹Waffe› nicht die Hoffnung?» Kopp plädiert dafür, das Leben zu teilen statt egoistisch zu sein.

Martin Kopp*

Zuweilen frage ich mich: «Wie ginge es dir, wenn du mitten im Krieg leben müsstest – in der Ukraine etwa? Wie viel Hoffnung könntest du aufbringen?» Die Frage scheint im sicheren Schweizer Reduit künstlich, fast peinlich.

«Hat uns der Sog der Apokalypse schon ergriffen?»

Ich lese gern international anerkannte Schweizer Zeitungen, sicher nicht Winkelblätter, die von Wahnbildern getrieben sind. Nun sehe ich: Meine Gedankenspiele sind nicht aus der Luft gegriffen. Klar schreibt man von der Gefahr eines dritten Weltkriegs, malt Szenarien aus. «Die Zeiten sind böse»: Ein bedrohlicher Refrain!

Der Optimismus, der vor einigen Jahren noch aufflackerte, ist einer Welle von Pessimismus gewichen. Hat uns der Sog der Apokalypse schon ergriffen? Wenn ich mit jungen Menschen spreche – und das geschieht oft – ist es für manche klar, dass Krieg zu erwarten ist – und dass böse Politiker – Diktatoren zumeist – mit der Menschheit ihr Spiel treiben, und dem fühlt man sich ausgesetzt.

«Hat sich nicht unsere Gesellschaft im Übermass an Erfolg und maximaler Privacy orientiert?»

Wie steht der Glaube in alledem? Wäre seine «Waffe» nicht die Hoffnung? Glaubende Menschen haben schreckliche Zeiten bestanden. Doch, wird uns die dafür nötige Kraft auch künftig geschenkt? Hat sich nicht unsere Gesellschaft im Übermass an Erfolg, Genuss, Prestige und maximaler Privacy orientiert, und geht nun schwach in drohende Prüfungen hinein?

«Leben teilen», Leitgedanke in der Fastenzeit! An ihm wird sich vieles entscheiden. Egoismus, auch der kollektive, gibt keine Kraft im richtigen Augenblick! Leben teilen, und deshalb hoffen: Dies setzt der Glaube aller Angst und dem Pessimismus entgegen.

*Martin Kopp ist katholischer Priester. Bis März 2020 war er Generalvikar für die Urschweiz im Bistum Chur. Kopp leitet in Erstfeld UR das «Clubhüüs», eine Wohngemeinschaft für junge Menschen. Viele davon sind Flüchtlinge. Der Kommentar erschien zuerst im «Pfarreiblatt Schwyz» (Altendorf/Lachen, Ausgabe 6).


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