Seit dem Oktober vergangenen Jahres steht der Weltgebetstag der Frauen im Schatten des Nahostkonfliktes. Die aus Palästina stammende Liturgie wurde kritisiert. Das Schweizer Komitee gab den Palästinenserinnen jedoch die Chance, das Material selbst zu ergänzen. Laut Vroni Peterhans hat das geklappt. «Wir werden dieses Jahr diverser feiern», sagt die Präsidentin.
Barbara Ludwig
Kommenden Freitag feiern in über 150 Ländern Christinnen den Weltgebetstag der Frauen (WGT). Die Liturgie für den ökumenischen Gottesdienst stammt dieses Jahr aus Palästina. In der Schweiz machen in der Regel rund 600 Gruppen beim WGT mit, der jeweils am ersten Freitag im März stattfindet. Das sagt Vroni Peterhans (60), Präsidentin des Schweizer Komitees.
Ob dieses Jahr wegen all der Turbulenzen rund um den WGT mehr oder weniger Anlässe als sonst durchgeführt werden, sei schwierig abzuschätzen. Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres geriet der Weltgebetstag unter Beschuss. Die Palästinenserinnen, die das Material vorbereitet hatten für die Feiern auf der ganzen Welt, sahen sich Antisemitismusvorwürfen ausgesetzt.
In Deutschland wurde deshalb die Weitergabe der Liturgie an die Basis und der Verkauf des WGT-Plakats gestoppt. Nicht so in der Schweiz. Hierzulande wollte man den Frauen in Palästina die Chance geben, «die Materialien selbst zu ergänzen», erklärte Vroni Peterhans im Dezember gegenüber kath.ch. Das habe geklappt, bestätigt sie nun rund eine Woche vor dem Weltgebetstag. Die palästinensischen Frauen hätten ihnen Mitte Februar zusätzliche Fürbitten-Texte zur Verfügung gestellt.
Dennoch bleibt dieses Jahr vieles ungewiss, sagt Vroni Peterhans. «Vielleicht finden manche Frauen in der Schweiz: Jetzt beten wir erst recht um Frieden in der Welt. Andere machen vielleicht gar nichts, weil sie verunsichert sind durch die Kritik und die Reaktionen von anderen Seiten darauf.»
Sie selber hat gemischte Gefühle. Dieses Mal schaue sie dem 1. März mit Spannung entgegen. «Aber gleichzeitig spüre ich auch ein grosses Gottvertrauen.» Womöglich sei es göttlicher Vorsehung zu verdanken, dass gerade dieses Jahr die ganze Welt um Frieden im Nahen Osten bete. Und dies erst noch unter dem Titel aus dem Epheserbrief: «… durch das Band des Friedens».
Als man 2017 entschieden habe, dass die Liturgie 2024 aus Palästina komme, habe man ja noch nicht geahnt, dass der Konflikt im Nahen Osten so stark eskalieren würde, sagt die Präsidentin des Schweizer Komitees. «Wir werden 2024 viel diverser feiern, weil die Basis-Frauen in der Schweiz selber entscheiden, ob sie die Liturgie aus Palästina wortgetreu feiern oder einfach ein Friedensgebet durchführen.»
Vroni Peterhans sagt, man habe während der letzten Monate in den regelmässigen Mitteilungen an die Basis in der Schweiz immer wieder betont, dass es sich teils um subjektive Texte handle und dass die Frauen so damit umgehen sollten, dass ihnen wohl dabei sei. Das Material besteht zu je einem Drittel aus Gebeten, biblischen Texten sowie persönlichen Erlebnisberichten von palästinensischen Frauen. «Wir diskutieren seit dem 7. Oktober darüber, ob wir subjektive Erlebnisberichte noch anhören dürfen. Wir finden: Ja. Das Zuhören und nicht urteilen oder Partei ergreifen gehört zur Tradition der Weltgebetstage.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant